
„Wie die Mädels dieses Spiel bei unserer personellen Situation und dann auch noch in Unterzahl gedreht haben, nachdem sie 90 Minuten lang daran geglaubt haben, das macht mich wirklich stolz – großen Respekt“, sagte Pätzold: „Nach einer schwierigen Anfangsphase mit einigen Standards, die wir überstanden haben, waren wir die spielbestimmende Mannschaft, auch wenn Union jederzeit brandgefährlich geblieben ist. Leider haben wir unsere Chancen nicht genutzt und gehen dann einfach in Rückstand.“ Umso glücklicher stimmte ihn die Reaktion in Halbzeit zwei: „Wir haben aufopferungsvoll weitergespielt und daran geglaubt. Natürlich hatten wir in der einen oder anderen Situation Glück, haben aber auch vorher einige Chancen zum Ausgleich liegen gelassen“, so der Coach.
Insgesamt zehn Spielerinnen standen Pätzold verletzungs- oder krankheitsbedingt in Berlin nicht zur Verfügung. Torhüterin Friederike Repohl und Cornelia Kramer (beide muskuläre Probleme), Loreen Bender, Valentina Mädl, Sofie Zdebel, Ida Daedelow und Amy Wrigge (alle krank) sowie Vanessa Haim (Muskel-Sehnen-Verletzung), Charlotte Voll (Schultereckgelenkssprengung) und Shen Menglu (Aufbautraining nach Kreuzbandriss) hatten die Reise in die Hauptstadt nicht mit angetreten. So nahm der Coach im Vergleich zum 0:3 gegen den FC Bayern München im vergangenen Dezember insgesamt sechs Änderungen in der Startelf vor. Statt Repohl, Claudia Wenger, Zdebel, Bender, Kögel und Kramer begannen Anne Moll, Selina Ostermeier, Julia Mickenhagen, Ruby Grant, Carlotta Wamser und Fudalla. Außerdem standen die beiden U23-Spielerinnen Emilia Eltgen und Alisa Sinani zum ersten Mal im Bundesliga-Kader und Innenverteidigerin Lilla Turanyi trug erstmals die Kapitänsbinde.
Kurz nach dem Anpfiff durch Schiedsrichterin Dr. Riem Hussein, die als erste Unparteiische ihr 150. Bundesliga-Spiel leitete, war die Defensive der Werkself erstmals gefordert. Estrella Merino Gonzalez klärte nach einer Ecke auf der Linie (2.). Union blieb am Drücker und erarbeitete sich in den ersten Minuten insgesamt vier Ecken. Auf der Gegenseite setzte Mickenhagen aus der zweiten Reihe einen ersten Warnschuss ab (13.). Die Gäste arbeiteten sich nun immer besser in die Partie und verlagerten das Spielgeschehen in die Hälfte der Berlinerinnen.






Nach einer halben Stunde Spielzeit schloss Katharina Piljic ihren Solo-Lauf durchs Mittelfeld mit einem Schuss ab, den FCU-Torhüterin Cara Bösl parierte. Vier Minuten später bediente Fudalla mit viel Übersicht die im Zentrum freistehende Grant. Den Schuss der Mittelfeldspielerin blockte Amber Tysiak in höchster Not - es war die bis dato größte Chance der Partie. Inmitten der Drangphase der Leverkusenerinnen schlug Union zu. Erst klatschte ein Kopfball von Samantha Steuerald nach einem Freistoß aus dem Halbfeld an den Pfosten, kurz darauf führte die fünfte Ecke der Gastgeberinnen zum 1:0. Die Ecke von Kapitänin Lisa Heiseler segelte über Moll hinweg auf den Kopf von Dina Orschmann, die ins leere Tor abstaubte (36.). Zwei Minuten vor dem Halbzeitpfiff stand Juliette Vidal nach einem Freistoß von Fudalla plötzlich völlig frei vor dem Tor, doch Bösl rettete die Führung mit dem Fuß. So ging es mit dem 1:0-Zwischenstand in die Kabinen.
Kurz nach Wiederbeginn vergab erst Eileen Campbell das 2:0, dann geriet ein Abschluss von Fudalla auf der anderen Seite etwas zu unplatziert (51.). Die Gäste arbeiteten fleißig am Ausgleich, taten sich aber schwer, zwingende Gelegenheiten zu erspielen. Eine halbe Stunde vor dem Ende verhinderte Bösl nach einem strammen Distanzschuss von Piljic das 1:1. Wenig später fehlten Caroline Kehrer nach einem präzisen Steilpass von Fudalla vor der heranstürmenden Bösl nur Zentimeter (66.). Zwei Minuten später waren die Bayer 04-Frauen nur noch zu zehnt. Die bereits verwarnte Grant streckte im Zweikampf mit Campbell das Bein zu hoch und traf die Berlinerin auf Kopfhöhe - Hussein zückte die Gelb-Rote Karte. Pätzold wechselte anschließend doppelt. Kögel und Wenger kamen für Kehrer und Ostermeier ins Spiel.






Wenig später kam auch Melissa Friedrich (für Vidal) ins Spiel, um trotz Unterzahl noch den Ausgleich zu erzwingen. Nach 78 Minuten war es schließlich soweit: Fudalla verwandelte einen Freistoß kurz vor der Strafraumgrenze aus zentraler Position direkt (78.), ihr neunter Saisontreffer. In einer wilden Schlussphase lauerten beide Teams auf den goldenen Treffer. Gegen den zu schwachen Abschluss von Campbell aus kurzer Distanz war Moll sicher zur Stelle (85.). Stattdessen schlugen die Leverkusenerinnen ganz spät zu. Nach einer Einzelleistung der nimmermüden Fudalla stand die eingewechselte Kögel im Zentrum goldrichtig und schob zum 1:2-Endstand ein (90.+2). Kurz vor dem Abpfiff gab dann auch noch Coskun ihr Bundesliga-Debüt und durfte die letzten Sekunden auf dem Platz genießen.
Weiter geht es für die Werkself in acht Tagen mit dem ersten Heimspiel des neuen Jahres gegen den zweiten Aufsteiger 1. FC Nürnberg. Tickets für die Partie am Samstag, 31. Januar (12 Uhr), im Ulrich-Haberland-Stadion gibt es HIER.
Die Statistik:
1. FC Union Berlin: Bösl - Weiß (46. Eurlings), Heikkinen, Steuerwald, Tysiak - Halverkamps, Pawollek (67. Hipp), Heiseler (67. Kamber), Orschmann (67. Bauereisen) - Weidauer, Campbell
Bayer 04: Moll - Merino Gonzalez, Ostermeier, Turanyi (69. Wenger), Mickenhagen - Piljic, Vidal (73. Friedrich) - Grant, Wamser - Kehrer (69. Kögel), Fudalla (90.+5 Coskun)
Tore: 1:0 Orschmann, 1:1 Fudalla (78.), 1:2 Kögel (90.+2)
Gelb-Rote Karte: Grant (68., wiederholtes Foulspiel)
Gelbe Karten: Campbell, Hipp - Wamser
Schiedsrichterin: Dr. Riem Hussein (Bad Harzburg)
Zuschauer: 6.076 im Stadion An der Alten Försterei

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