
Sandro, am vergangenen Donnerstag sind deine beiden Herzensklubs zum ersten Mal überhaupt in einem Pflichtspiel aufeinandergetroffen. Bern hat sich am Ende knapp mit 4:3 durchgesetzt. Wie hast du die Partie verfolgt?
Aus meiner Zeit bei YB wussten viele meiner Kollegen noch, dass ich auch großer Leverkusen-Fan bin. Der Verein hat mich daher netterweise eingeladen und es mir ermöglicht, dieses für mich besondere Spiel live im Stadion schauen zu können. Das weiß ich sehr zu schätzen. Vor dem Anpfiff habe ich beim Berner Fan-Radio noch ein kurzes Interview gegeben und das Geschehen dann alleine auf der Tribüne verfolgt.
In welcher Phase dieses Torspektakels war dein Herzschlag am höchsten?
Definitiv beim Treffer zum 4:3. Auch das erste Tor von Christian Fassnacht war ein Schock für mich – im positiven Sinne. Denn damit hatte ich nicht wirklich gerechnet. Ich denke, der knappe Sieg für YB ging am Ende in Ordnung. Die Aufholjagd der Leverkusener war aber auch sehr bemerkenswert.
Du bist in der unmittelbaren Nähe von Bern groß geworden. Wird man in der Region automatisch Fan von den BSC Young Boys?
In meiner Kindeszeit war die Eishockey-Mannschaft des SC Bern (16-maliger Schweizer Meister, Anm. d. Red.) das erfolgreichste Team der Stadt. YB war noch nicht wirklich „cool“, hatte nicht so viele Fans wie heute. Das hat sich erst in den vergangenen Jahren entwickelt. Bei mir kam die Nähe zum Verein in meiner Kindheit vor allem durch meinen Vater zustande. Er war schon immer YB-Fan. So haben sich die gelb-schwarzen Farben früh auch auf mich abgefärbt.
Du warst von 2012 bis 2017 als Fanbetreuer bei YB tätig. Wie kam es dazu?
Ich habe meinen Zivildienst beim Berner Fanprojekt ableisten dürfen. Nach zweieinhalb Jahren dort wurde bei YB dann die Stelle als Fanbetreuer frei. Der Klub wollte mich dafür gewinnen – und konnte mich auch dafür gewinnen. Die Chance, für seinen Herzensverein zu arbeiten, ergibt sich schließlich nicht jeden Tag.

Trotz deiner Liebe zu Bern schlägt dein Fußball-Herz noch für einen zweiten Klub: Bayer 04. Wie kam die Verbindung zur Werkself zustande?
Ich habe mit meinem Vater früher traditionell jeden Samstagabend Fußball geschaut. Er war neben YB auch Fan von 1860 München. Damit konnte ich mich aber nie wirklich anfreunden. Als ich ab 1996 dann Carsten Ramelow im Trikot von Leverkusen sah, hat sich nach und nach eine Bindung zu Bayer 04 entwickelt. Er hatte diese helle Pilzfrisur – genau wie ich. (lacht) Von dem Moment an habe ich jedes Wochenende Leverkusen supportet.
Konntest du, trotz der großen Entfernung nach Leverkusen, schon das eine oder andere Spiel der Werkself live im Stadion verfolgen?
Ja, viele. Im Laufe der Jahre hat dann auch das Geld gereicht, um regelmäßig nach Leverkusen zu fahren. Ich bin meistens früh morgens mit dem Zug in Bern los und nach dem Spiel auf gleichem Weg zurück. Häufig war es die Bahn um 18.44 Uhr, das weiß ich noch. (lacht) Dann war ich um Mitternacht wieder in Bern. Am nächsten Tag stand schließlich oft das Spiel von YB an.
Am Donnerstag geht es in der BayArena zwischen Bern und Leverkusen um den Einzug ins Achtelfinale der Europa League. Wo schaust du die Partie?
In der Schweiz dürfen sich derzeit fünf Personen treffen. Also werde ich mir das Spiel mit den Freunden anschauen, mit denen ich ohnehin auch in dieser Zeit Kontakt habe und bei denen ich weiß, dass sie sich an die geltenden Corona-Regeln halten.
Zum Abschluss die alles entscheidende Frage: Wer setzt sich am Ende durch?
Vor dem Hinspiel habe ich getippt, dass es zwei Heimsiege geben wird. So ist es also nur konsequent nach dem 4:3 aus Berner Sicht zu sagen, dass letztlich der Bayer weiterkommen wird. Das sagt mir nach dem ersten Spiel ehrlicherweise aber auch mein Bauchgefühl.
Über Sandro Reinhard:
Der Schweizer Sandro Reinhard wuchs wenige Kilometer vom legendären Berner Wankdorfstadion auf, in dem die deutsche Fußball-Nationalmannschaft 1954 überraschend Weltmeister geworden war. Nach seiner Schulzeit leistete Reinhard seinen Zivildienst beim Berner Fanprojekt ab. Im Anschluss war er von 2012 bis 2017 als Fanbetreuer für Young Boys Bern tätig. Heute ist der 33-Jährige selbstständig. Mit seiner Firma berät er Vereine und Verbände. In seiner Kindheit spielte Reinhard selbst Fußball, probierte sich auch als Schiedsrichter im Amateurbereich.

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