
„Es war eine reife Leistung von uns. Das 3:1 ist ein sehr gutes Ergebnis“, freute sich Werkself-Keeper Lukas Hradecky.
„Der Gegner stand sehr tief, vor allem in der ersten Hälfte“, analysierte Rudi Völler, Geschäftsführer Sport bei Bayer 04. „Im Großen und Ganzen war der Sieg hochverdient. Die Atmosphäre hier war wunderbar, das ganze Stadion ging mit.“
Allein dieses Setting versprach einen besonderen Fußball-Abend: Flutlicht im ausverkauften Ibrox Stadium, einem der legendären Fußball-Tempels Großbritanniens. Eine Atmosphäre, in der die Werkself und ihre mitgereisten Zuschauer in Zeiten der Geisterspiele noch einmal richtig eintauchen konnten.
Im Vergleich zum starken Auftritt gegen Frankfurt in der Bundesliga stellte Peter Bosz wieder von Vierer-auf Dreierkette um. Das bedeutete, dass in Jonathan Tah und Aleksandar Dragovic zwei neue Innenverteidiger in die Elf rückten, zudem kam Kerem Demirbay zurück in die Formation. Neben dem verletzten Sven Bender rotierten dafür Julian Baumgartlinger und Paulinho aus der Elf, beide Akteure saßen zunächst auf der Bank.
Die Stimmung im Ibrox war von Beginn an prächtig, der Rasen war es allerdings nicht. Trotz des schwierig zu bespielendem Geläuf benötigte Bayer 04 nicht viel Zeit, um zu den ersten Gelegenheiten zu kommen: Karim Bellarabi setzte die Kugel nach einer Hereingabe von Kerem Demirbay volley über den Kasten (2.), wenig später wurde ein Schuss des Werkself-Außenstürmers aus aussichtsreicher Position abgeblockt (9.).
Die hohe Zweikampfintensität der Hausherren nahm Bayer 04 hervorragend an, erspielte sich ein deutliches Übergewicht im Mittelfeld und drängte die Schotten schon bald weit hinten rein. Die Rangers standen größtenteils mit allen elf Spielern in der eigenen Hälfte, hielten mit konzentrierter Defensivarbeit dagegen und machten es Bayer 04 vor allem im letzten Drittel schwierig, sich durchzukombinieren. So dauerte es bis zur 22. Minute, ehe die Werkself zur nächsten Gelegenheit kam, ein Schuss von Kerem Demirbay stellte Rangers-Keeper McGregor allerdings vor keine allzu großen Probleme. Die Defensive der Werkself hatte indes kaum Schwierigkeiten, die gelegentlichen Angriffsbemühungen der Schotten in den Griff zu bekommen und stand im ersten Durchgang bombensicher.
Allerdings wurde ob der kompakten Grundordnung Glasgows auch schon bald deutlich, was Bayer 04 an diesem Abend brauchen würde: eine Menge Geduld. Die brachte die Werkself aber auf, blieb am Drücker - und wurde belohnt: Charles Aránguiz kam rechts am Strafraum durch, die Flanke des Chilenen blockte Rangers-Verteidiger Edmundson mit der Hand. Der Videoschiedsrichter griff ein, beorderte Referee Marciniak in die Review Area - und der Pole zeigte daraufhin auf den Punkt: Elfmeter für die Werkself. Kai Havertz, der die Schwarz-Roten als Kapitän aufs Feld geführt hatte, trat an und verlud McGregor ganz cool zum 1:0-Halbzeitstand für Bayer 04 (37.).
Nach dem Seitenwechsel agierten die Rangers ein wenig offensiver und kamen gleich zur ersten Großchance: Tavernier marschierte durchs Mittelfeld und steckte durch auf Morelos, der das kurze Ecke anvisierte. Doch Lukas Hradecky, der im ersten Durchgang völlig beschäftigungslos geblieben war, präsentierte sich hellwach und zeigte eine hervorragende Parade (55.). Alles andere als leicht für den zuvor gar nicht geprüften Finnen. Eine nicht minder starke Rettungstat gelang wenig später Jonathan Tah, der mit einer überragenden Grätsche im eigenen Fünfmeterraum vor dem einschussbereiten Morelos ein quasi sicheres Tor verhinderte (63.).
Peter Bosz reagierte auf die erste Drangphase der Schotten und brachte Leon Bailey für Karim Bellarabi (62.). Die Werkself schaffte nun wieder ein wenig Entlastung und kam selbst zu einer Großchance: Im Anschluss an eine Ecke gelang Charles Aránguiz fast ein Traumtor, seinen Seitfallzieher im Zurücklaufen köpfte Davis aber von der Linie (66.). Aber wenn die erste Direktabnahme noch nicht ganz klappt, dann ja vielleicht die zweite! Nur wenige Sekunden nach seinem ersten Abschluss kam Charles Aránguiz nach einer ähnlichen Situation halbrechts im Strafraum erneut zum Schuss - und dieser Dropkick des Chilenen war eine Augenweide. Rangers-Keeper McGregor konnte dem Geschoss nur hinterherschauen, der Ball schlug genau im rechten Eck ein - 2:0 für Schwarz-Rot in der 67. Minute!
Doch die Rangers gaben sich noch nicht geschlagen. Angepeitscht vom nimmermüden Publikum im Ibrox spielten die Hausherren weiter mutig nach vorne und belohnten sich nach einer Standardsituation: Eine scharfe Ecke von Kapitän Tavernier köpfte Edmundson am Fünfmeterraum mustergültig zum 1:2 ein (75.). Nun witterten die Schotten noch einmal so richtig Morgenluft und kamen - erneut durch eine Standard - beinahe zum Ausgleich: Barisic zirkelte einen Freistoß nur knapp am Werkself-Gehäuse vorbei (78.). Doch auch Bayer 04 hat einen Freistoßkünstler: Nur wenige Momente nach Barisic schlug Charles Aránguiz einen Freistoß mit perfekter Schusshaltung an die Latte (80.).
Das Spiel war nun völlig offen, Glasgow drängte noch einmal auf den Ausgleich. Lukas Hradecky spielte bei einem Konter klug mit und klärte vor dem durchgebrochenen Morelos (87.) - und im direkten Gegentor schlug die Werkself ein drittes Mal zu. Nach einem klasse Angriff kam der Ball links im Strafraum zu Leon Bailey. Der Jamaikaner ließ seinen Gegenspieler mit einem schnellen Haken ins Leere laufen und schlenzte die Kugel dann mit ganz viel Gefühl ins lange Eck - ein klasse Tor des Jokers zum 1:3-Endstand (88.).
Bayer 04 nimmt damit einen komfortablen Vorsprung und drei Auswärtstore mit ins Hinspiel, das nach jetzigem Stand am kommenden Donnerstag in der leeren BayArena stattfinden wird. Verzichten muss Peter Bosz dann auf Kerem Demirbay und Mitchell Weiser, die sich in Glasgow jeweils eine Gelbsperre einhandelten. Zuvor wartet aber noch das Auswärtsspiel in Bremen am Montagabend.
Die Statistik:
Glasgow Rangers: McGregor - Tavernier (85. Polster), Goldson, Edmundson, Barisic - Arfield, Davis, Kamara (68. Hagi) - Aribo (53. Kamberi), Morelos, Kent
Bayer 04: Hradecky – Tah, Dragovic, Tapsoba (68. Paulinho) - Weiser, Aránguiz, Demirbay (81. Baumgartlinger), Wendell - Bellarabi (62. Bailey), Havertz, Diaby
Tore: 0:1 Havertz (37., Handelfmeter), 0:2 Aránguiz (67.), 1:2 Edmundson (75.), 1:3 Bailey (88.)
Schiedsrichter: Szymon Marciniak (Polen)
Gelbe Karten: Kamara, Arfield , Kent- Demirbay, Wendell, Weiser, Diaby
Zuschauer: 47.494

Werkself-TV zeigt das 3:3-Remis beim SC Freiburg im Rahmen des 25. Bundesliga-Spieltag re-live...

Ein sportlich dürftiger Auftritt, dafür aber ein lang ersehntes Comeback: Die Bayer 04-Frauen haben in der Länderspielpause eine überraschende Testspiel-Niederlage kassiert. Beim aufstrebenden Regionalligisten Borussia Dortmund verlor die Mannschaft von Trainer Roberto Pätzold am Samstagnachmittag 0:1 (0:1). Vor 452 Zuschauern im Stadion Rote Erde ließ die Werkself vor allem offensiv vieles vermissen. Die schönste Nachricht des Tages war das Comeback von Shen Menglu, die nach fast einem Jahr verletzungsbedingter Pause wieder auf dem Rasen stand.
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Am 5. Spieltag in der Hauptrunde der DFB-Nachwuchsliga erkämpfte sich die U19 von Bayer 04 ein 1:1 beim Nachwuchs des 1. FC Union Berlin. Die Gastgeber waren in der 80. Minute in Führung gegangen. Zu diesem Zeitpunkt spielten die Leverkusener bereits in Unterzahl, weil Ben Hawighorst die Gelb-Rote Karte gesehen hatte. Die dezimierten Gäste kamen aber in der zweiten Minute der Nachspielzeit durch den kurz zuvor eingewechselten Andrii Hamzyk noch zum verdienten 1:1-Ausgleich.
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Durch die Niederlage bei Eintracht Frankfurt am vergangenen Wochenende steht der SC Freiburg zwei Plätze und zehn Punkte hinter Bayer 04. So durchwachsen die Bilanz des Sport-Clubs in der Fremde ist, so stark präsentiert sich das Team von Trainer Julian Schuster zu Hause, wo sie 24 ihrer 33 Punkte holten. Ein möglicher Weg, um den SCF mit einem Auswärtssieg auf Abstand zu halten, könnte für die Leverkusener über die Lufthoheit führen: Kein Team ist so anfällig für Kopfball-Gegentore wie die Breisgauer – und bei der Werkself wissen einige, wie man das ausnutzen könnte. Die Kurzpässe.
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Mit Rückenwind ins zweite Bundesliga-Auswärtsspiel in Serie: Nur drei Tage nach dem überzeugenden 1:0-Sieg beim Hamburger SV tritt die Werkself beim SC Freiburg an. Vor der Partie am Samstag, 7. März (Anstoß: 15.30 Uhr/live bei Sky, WOW und im Werkself-Radio), sprach Cheftrainer Kasper Hjulmand über die Schlüsse aus dem Nachholspiel beim HSV, ein vorbelastetes Trio und die jungen Akteure um Christian Kofane und Montrell Culbreath.
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