
„Wir haben in den ersten zehn Minuten zweimal gepennt und kassieren zwei Tore. Aber danach sind wir gut zurückgekommen und hatten mehrfach die Chance zum 2:2. Das Ergebnis spiegelt nicht den Spielverlauf wider. Wir können von uns sagen, alles probiert und rausgeholt zu haben. Hinten raus haben die Bayern uns dann abgehängt“, sagte Jonathan Tah. Kevin Volland sah es ähnlich: „Das Resultat ist sehr bitter für uns. Die Bayern waren eiskalt und haben jede Chance gemacht, das war heute der Unterschied. Aber in der ersten Halbzeit haben wir trotzdem ein gutes Spiel gemacht.“
Bayer 04 konnte in der Innenverteidigung wieder auf Jonathan Tah zurückgreifen, der seine muskulären Probleme rechtzeitig überwunden hatte. In der offensiven Dreierreihe hinter Kevin Volland sorgte Heiko Herrlich mit der Nominierung von Karim Bellarabi auf der Position Leon Baileys für eine kleine Überraschung. Der Jamaikaner saß ebenso auf der Bank wie auch Lucas Alario, der erstmals nach Ablauf seiner Drei-Spiele-Sperre wieder zum Kader gehörte. „Leon hat viel gespielt und wirkte zuletzt etwas müde. Aber einen wie ihn noch reinbringen zu können, ist schon ein gutes Gefühl“, sagte Sportchef Rudi Völler. Panos Retsos verteidigte links in der Viererkette.
Die kribbelnde Spannung war vor dem Anpfiff allgegenwärtig bei den 30.210 elektrisierten Zuschauern in der BayArena – unter ihnen auch DFB-Präsident Reinhardt Grindel, NRW-Innenminister Herbert Reul und die Bayer 04-Ehrenspielführer Ulf Kirsten, Calle Ramelow und Simon Rolfes. Neben den Fans im rappelvollen Stadion waren zig Millionen Zuschauer an den Fernsehschirmen in aller Welt dabei: 30 internationale TV-Sender übertrugen den Pokalknüller zwischen Bayer 04 und den Bayern in 215 Länder. Sie erlebten mit Anpfiff eine BayArena, die auf der Nord- und Osttribüne komplett in schwarz und rot getaucht war – eine höchst stimmungsvolle choreografische Ouvertüre.
Die Partie begann unter Flutlicht extrem feurig – und mit einem Schock für die Werkself. Gerade mal zwei Minuten waren vorüber, als Javi Martinez mit einem Flachschuss aus dem Hinterhalt zur Führung erfolgreich war, nachdem Bernd Leno zunächst den Kopfball von Müller noch pariert hatte. Lewandowski war mit der Hacke leicht dran am Ball. Schiedsrichter Siebert hielt noch Rücksprache mit dem Videoassistenten und gab den Treffer dann. Bayer 04 allerdings keineswegs geschockt und mit einer direkten Reaktion durch den Kopfballaufsetzer von Kevin Volland nach Flankenlauf von Karim Bellarabi, den Ulreich mit einer Prachtparade entschärfte (6.). Doch die Bayern setzten den nächsten Wirkungstreffer: Nach Vorarbeit von Ribery über links traf Robert Lewandowski überlegt volley und gegen die Laufrichtung Lenos ins lange Eck – 2:0 für die Münchner (9.).
Wie schon im Viertelfinale gegen Bremen lag Bayer 04 früh mit 0:2 im Hintertreffen. Und wie schon gegen Werder fand die Werkself zurück ins Spiel und eine Antwort. Nach Freistoß von Julian Brandt gab's ein Getümmel im Strafraum, der Schuss von Kai Havertz wurde von Boateng noch geblockt, doch Lars Bender behielt den Überblick und verwandelte per Kopf den Abpraller ins lange Eck – nur noch 1:2 (16.). Die BayArena brodelte erstmals. Bayer 04 suchte die schnellen Umschaltmomente, Havertz fehlte nach einem Konter das rechte Timing im Zuspiel (21.). Es war eine unglaublich intensive und rassige Partie mit hohem Tempo und ohne Verschnaufpausen, DFB-Pokal at its best.
Nach gut einer halben Stunde prüfte Sven Bender Ulreich aus spitzem Winkel mit einem Flachschuss aufs kurze Eck, Bayerns Keeper war mit dem Fuß rechtzeitig zur Stelle (32.). Es war längst ein offenes Duell auf Augenhöhe, Bayer 04 hatte sich in die Begegnung reingebissen und suchte mutig seine Möglichkeiten. Karim Bellarabi feuerte mit links aus 22 Metern einen sensationellen Schuss aus dem Hinterhalt ab, Wahnsinn, dass Ulrich den Ball irgendwie noch unten aus dem Eck kratzte (37.). Eine kleine Schrecksekunde, als Lars Bender draußen angeschlagen behandelt werden musste (38.). Mit dem 1:2 ging es in die Kabinen.
Bayer 04 ging mit Leon Bailey in die zweite Hälfte, er löste Panos Retsos ab, der bereits früh Gelb gesehen hatte. Verbunden damit war eine taktische Umstellung in ein 3-4-3 mit Bailey und Brandt auf den Flügeln. Und die Werkself legte wie entfesselt los: Nicht zu fassen, dass Ulreich gegen Volland und Bellarabi gleich zwei hundertprozentige Chancen aus kurzer Distanz binnen Sekunden vereitelte (50.). Doch der Meister schlug eiskalt zurück: Müller ließ Leno keine Chance und traf nach einem schönen Spielzug zum 3:1 (51.) – die Bayern wieder zwei Treffer vorn.
Die Hausherren mussten sich nach diesem Nackenschlag erst einmal kräftig schütteln. Nach Vollands Schuss lag die Kugel im Münchner Netz, doch Siebert entschied korrekt auf Abseits (60.). Eine Minute später machten die Bayern den Deckel drauf, als Thiago zum 4:1 aus Sicht der Gäste einnetzte (61.). Lucas Alario kam danach für Julian Baumgartlinger, ehe Müller den fünften Treffer für die Bayern setzte (64.) – jetzt wurde es richtig bitter für Bayer 04, das sich zuvor so tapfer gewehrt hatte. Benny Henrichs kam für Bellarabi in die Partie (67.) und sortierte sich als linker Verteidiger ein, nun wieder in einer Viererkette. Die Gastgeber ließen sich aber zu keinem Zeitpunkt hängen und verkürzten durch einen feinen Freistoß von Leon Bailey ins kurze Eck auf 2:5 (72.).
Aber die Bayern hatten auch noch nicht genug, legten durch Thomas Müller den sechsten Treffer nach (79.). Bernd Leno konnte sich danach wenigstens zweimal auszeichnen und parierte spektakulär gegen Martinez und Robben (86.). Wenig später war Schluss. Die Leverkusener ließen die Köpfe beim Abpfiff hängen, mussten sich aber nicht vorwerfen lassen, alles probiert zu haben und wurden entsprechend mit Applaus entlassen. An diesem Abend war der Gegner übermächtig und hatte in Sven Ulreich einen Keeper, der den möglichen Ausgleich zum 2:2 gleich mehrfach zu verhindern wusste.
Für Bayer 04 geht es mit dem 31. Spieltag in der Bundesliga weiter, an dem die Werkself am Samstag, 21. April, im Topspiel um 18.30 Uhr bei Borussia Dortmund zu Gast ist.
Die Statistik:
Bayer 04: Leno – L. Bender, Tah, S. Bender, Retsos (46. Bailey) – Baumgartlinger (62. Alario), Aránguiz – Bellarabi (67. Henrichs), Havertz, Brandt – Volland
FC Bayern: Ulreich – Kimmich, Boateng, Hummels, Alaba (46. Rafinha) – Martinez – Robben, Müller (80. James), Thiago (85. Süle), Ribery – Lewandowski
Tore: 0:1 Martinez (3.), 0:2 Lewandowski (9.), 1:2 L. Bender (16.), 1:3 Müller (51.), 1:4 Thiago (61.), 1:5 Müller (64.), 2:5 Bailey (72.), 2:6 Müller (79.)
Schiedsrichter: Siebert (Berlin)
Gelbe Karten: Retsos, Aránguiz – Boateng
Zuschauer: 30.210

Am 2. Spieltag der Ligaphase der UEFA Europa League 2026/27 gastiert die Werkself bei Lech Posen in Polen. Anpfiff ist am Donnerstag, 15. Oktober, um 18.45 Uhr. Die Bayer 04-Fanbetreuung hat vorab alle Infos zur Partie im Poznan Stadium zusammengefasst.
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