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20.10.2019Champions League

Gegner-Check: Kader im Umbruch, Taktik bleibt gleich

Die Begegnung hat fast schon Tradition: Bereits zum siebten Mal in den vergangenen neun Jahren kommt es zum Aufeinandertreffen zwischen Atletico Madrid und Bayer 04. Die Vorzeichen sind in diesem Jahr besondere beim spanischen Vizemeister, denn die Madrilenen haben im Sommer gleich drei Spieler verloren, die zuletzt eine der erfolgreichsten Phasen der Vereinsgeschichte entscheiden mitgeprägt haben. Wie Trainer Diego Simeone das aufzufangen weiß? Der Gegner-Check.
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Position

Die Lauerstellung ist Atletico Madrid mittlerweile bestens bekannt. Die letzten fünf Spielzeiten schlossen die „Rojiblancos“ jeweils auf Tabellenplatz zwei oder drei der spanischen Liga ab – oft auf Augenhöhe mit Stadtrivale Real und dem FC Barcelona, aber häufig dann doch einen Tick dahinter. Es ist also nicht die ganz große Überraschung, dass sich das Team von Diego Simeone nach neun Spieltagen in gewohnter Position wiederfindet: knapp hinter den beiden Schwergewichten des Weltfußballs auf Rang vier – zwei Zähler hinter Real (2.) und drei hinter Barca (1.). Dabei hatte man in den vergangenen Wochen eine bessere Ausgangslage zu Hause verspielt. Zuletzt gab es im Wanda Metropolitano drei Unentschieden in Folge – zuletzt ein 1:1 gegen den FC Valencia. In der Champions League hingegen holten die Spanier beim Auftakt gegen Juventus Turin einen Punkt der Moral: Nach 0:2-Rückstand kam Atletico durch zwei Standardsituationen noch zurück und glich in der Schlussminute aus. Durch den anschließenden 2:0-Auswärtserfolg bei Lokomotive Moskau liegen die Madrilenen nur durch ein Tor getrennt hinter Juve auf Rang zwei der Gruppe D.

Personal

Der Einschnitt war tief: In Stümerstar Antoine Griezmann und Abwehrchef Diego Godín verließen im Sommer die beiden neben Coach Simeone wohl prägendsten Gesichter der vergangenen, enorm erfolgreichen Jahre, den Verein. Und trotzdem gab es noch einen Spieler, dessen Weggang dem charismatischen Cheftrainer noch mehr wehtat. „Der Abgang, der uns am meisten geschmerzt hat, ist Lucas Hernández“, erklärte Simeone unlängst in einem Radio-Interview. Der französische Abwehrspieler, der gemeinsam mit Griezmann 2018 Weltmeister wurde, läuft nun in der Bundesliga für den FC Bayern auf, war zuvor aber uneingeschränkte Stammkraft in der bärenstarken Atletico-Defensive. Bei keinem europäischen Spitzenklub war der Umbruch vor der Saison so groß wie bei den „Colchoneros“, die nicht nur hochkarätige Spieler verloren, sondern auch selbst mächtig tätig wurden auf dem Transfermarkt – vor allem mit der Verpflichtung von João Félix. Atletico machte den gerade einmal 19-jährigen Portugiesen zu einem der teuersten Spieler aller Zeiten. Der hochveranlagte Techniker ist aktuell einer der heißesten Konkurrenten von Kai Havertz im Kampf um die „Golden Boy“-Auszeichnung der italienischen Sportzeitung „Tuttosport“. Félix soll nun versuchen, in die riesigen Fußstapfen Griezmanns zu treten – und die Anfänge sind vielversprechend: Der junge Dribbelkönig ist mit bislang drei Pflichtspieltoren der erfolgreichste Torschütze Atléticos in dieser Saison – obwohl er anders als Griezmann bislang zumeist auf dem Flügel eingesetzt wird. Allerdings bangt man seit dem Valencia-Spiel um den trickreichen Neuzugang. Beim 1:1 musste João Félix wegen einer Sprunggelenksverletzung zehn Minuten vor dem Ende ausgewechselt werden.

Probleme

Der personelle Umbruch mag groß gewesen sein, die Spielweise aber hat sich nicht verändert: Atletico definiert sich unter Simeone über eine kaum zu überwindende Defensive. Dem Verlust von Godín und Hernández zum Trotz blieben die „Rojiblancos“ in sechs von acht Spielen ohne Gegentor. Das geht allerdings auf Kosten der Offensiv-Abteilung: Bereits dreimal kamen die Madrilenen nicht über ein 0:0 hinaus, der Verlust eines der besten Angreifers der Welt ist da nicht unbedingt förderlich. Besonders das etatmäßige Sturm-Duo aus Álvaro Morata (Neuzugang vom FC Chelsea) und Diego Costa leidet unter der defensiven Spielweise: Beide kommen zusammen erst auf drei Saisontore. In der bislang so starken Defensive wird Simeone gegen die Werkself ein wichtiges Puzzleteil fehlen: Stamm-Innenverteidiger Stefan Savic kehrte mit einer Muskelverletzung von seiner Länderspiel-Reise mit der Nationalmannschaft Montenegros zurück und muss vorerst passen.

Potenzial

Kaum eine Mannschaft im europäischen Spitzenfußball steht seit Jahren so klar für eine Spielphilosophie wie Atletico. Das gibt der Mannschaft gegen jeden Gegner eine Chance auf den Sieg – und Simeone mit dem Meistertitel 2014 sowie zwei Final-Teilnahmen in der Champions League Recht. Nun ist Atletico, das rein personell häufig im Schatten von Real und Barcelona steht mit dem Transfer von João Félix auch finanziell in neue Sphären vorgestoßen. Es ist der Beweis, dass die „Rojiblancos“ in jeglicher Hinsicht angekommen sind im Konzert der ganz Großen des Weltfußballs und dort – entgegen anfangs anderslautender Prognosen – wohl noch lange eine gewichtige Rolle spielen werden.

Prognose

Trotz aller personellen Verluste: Einen Platz in Spaniens Top drei hat Atletico quasi fest gebucht. Auch in dieser Saison dürfte die erneute Champions-League-Qualifikation kein allzu großes Problem werden, zu groß ist die Qualität im Kader nach wie vor – auch wenn die Attacke auf den zweiten Meistertitel unter Simeone ein schwieriges Unterfangen wird. Ein absoluter Titelanwärter ist Atletico aber nach wie vor in der Champions League: Sollte das Team die Gruppenphase überstehen, möchte kein Team gerne in der K.o.-Runde dieses Los ziehen. Bei optimalem Verlauf – das hat die Vergangenheit gezeigt – können die Madrilenen dann erneut sehr weit kommen.

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