
So schlecht die Kölner Saison bislang verlaufen sein mag, so überraschend kam doch die Meldung zu Beginn dieser Woche: Manager Jörg Schmadtke ist nicht mehr Manager des FC – nach vier Jahren erfolgreicher Zusammenarbeit, in der Schmadtke den Klub gemeinsam mit Cheftrainer Peter Stöger von der 2. Liga bis in den Europapokal geführt hat. „Mit diesem Schritt möchte ich den Weg frei machen für einen neuen Impuls“, so Schmadtke zur Trennung, die in beiderseitigem Einvernehmen erfolgte, aber auch eine Konsequenz des enttäuschenden Saisonstarts der Kölner gewesen sein dürfte: Aus neun Bundesligaspielen holten die Domstädter gerade einmal zwei Punkte und liegen auf dem letzten Tabellenplatz in der Bundesliga. In der Europa-League-Gruppenphase, die Köln durch Platz fünf in der Vorsaison erreicht hatte, verlor Stögers Team ebenfalls alle drei Spiele und steht vor dem Aus. Mittwoch gab es aber wenigstens im DFB-Pokal einen ersten Lichtblick: Der FC gewann 3:1 bei Hertha BSC und fuhr nach dem 5:0 in Runde 1 gegen den Fünftligisten Leher TS den zweiten Pflichtspielsieg dieser Saison ein.
Wie auch in den vergangenen Jahren setzt Trainer Stöger in erster Linie auf eine kompakte Defensive und gezielte Vorstöße nach vorne – bislang mit überschaubarem Erfolg. Das liegt auch an zahlreichen Blessuren, die den FC, der in dieser Saison erstmals seit langer Zeit wieder dauerhaft englische Wochen zu absolvieren hat, hartnäckig beeinträchtigen. Schlüsselspieler und Identifikationsfigur Jonas Hector fällt längerfristig aus, ebenso wie der Ex-Leverkusener Marcel Risse und Sommerneuzugang Jhon Cordoba, der eigentlich den Abgang von Anthony Modeste hätte kompensieren sollen. Für die Position des Mittelstürmers wurde deshalb Ende September noch der mittlerweile 39-jährige Claudio Pizarro reaktiviert. Der Peruaner verpasste sein Startelfdebüt für die Kölner am vergangenen Sonntag aber kurzfristig, da er sich – bezeichnend für die Kölner Saison – beim Aufwärmen verletzte. Pizarro fehlte gegen seinen Ex-Klub Werder Bremen damit ebenso wie die etatmäßige Doppelsechs, bestehend aus Matthias Lehmann und Marco Höger. Etwas Positives hat die Verletztenmisere beim FC aber doch: Tim Handwerker, bei Bayer 04 ausgebildet und bis zum Sommer für die Leverkusener U19 im Einsatz, wurde in den drei vergangenen Bundesligaspielen jeweils eingewechselt und machte auf der linken Seite mit ordentlichen Leistungen auf sich aufmerksam.
Schwächste Offensive der Liga (3 Tore, gemeinsam mit Bremen), schwächste Defensive der Liga (17 Gegentore, gemeinsam mit Freiburg und Mönchengladbach) – die Probleme der Kölner scheinen derzeit über das gesamte Feld verteilt. Bei den teilweise ansprechenden Leistungen fehlte dem FC dann auch noch das nötige Matchglück – wie beim 1:2 in Stuttgart, als beim Stand von 1:1 in der Nachspielzeit zunächst ein Elfmeter für Stögers Elf zurückgenommen wurde und der VfB quasi im Gegenzug zum Siegtreffer kam. Dass die Domstädter die knappen Spiele, anders als im vergangenen Jahr, verlieren, liegt aber auch daran, dass der Mann, der 2016/2017 oft den Unterschied machte, nun in China seine Tore schießt: Anthony Modeste, mit 25 Treffern Garant für den Erfolg in der letzten Saison, konnte nicht adäquat ersetzt werden. Köln fehlt dadurch im Angriff bislang jegliche Durchschlagskraft. Bezeichnend, dass die beiden einzigen Punktgewinne in der aktuellen Saison jeweils durch ein 0:0 zustande kamen.
Das wurde in der vergangenen Saison mit Rang fünf und dem erstmaligen Einzug in den Europacup nach 25 Jahren beinahe komplett ausgeschöpft. Die daraus resultierende Euphorie und die finanziellen Vorteile, die aus den Europa-League-Fernsehgeldern sowie dem millionenschweren Modeste-Verkauf resultierten, muss der Verein jetzt zu seinem Vorteil nutzen. Durch die Trennung von Manager Schmadtke bricht nun aber eine neue Ära in der Domstadt an. Die Nachfolge ist derzeit ebenso ungewiss wie der Ausgang dieser turbulenten Zeit am Geißbockheim. Ob der FC langfristig ernten kann, was in den vergangenen vier Jahren von Schmadtke und Stöger kontinuierlich gesät wurde, hängt maßgeblich vom Ausgang der aktuellen Saison ab.
Auch wenn nach dem Abgang von Modeste kaum einer dem FC eine Wiederholung der vergangenen Saison zugetraut hatte – das bisherige Abschneiden von Stögers Mannschaft, die unter dem Österreicher in vier Jahren bislang stets gefestigt wirkte, überrascht doch. Die Qualität, einen gesicherten Mittelfeldplatz zu erreichen, haben die Kölner allemal; doch bei bereits fünf Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz und den zahlreichen verletzungsbedingten Ausfällen von Stammspielern tut man in der Metropole am Rhein gut daran, sich auf einen harten Abstiegskampf einzustellen. Wenn die Flaute in vorderster Front schnell behoben werden kann, stehen die Chancen zumindest nicht schlecht, dass auch in der nächsten Saison wieder zwei Rhein-Derbys steigen.

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