Nach dem Aufeinandertreffen am Donnerstagabend mit physisch starken Italienern rechnet Seoane auch bei der kommenden Partie gegen den FC erneut mit einer vor allem robusten Spielweise des Gegners: „Wir haben gestern gesehen, dass wir daran arbeiten müssen, uns auch an ein physisch geprägtes Spiel anzupassen.“
Man könne zwar nicht innerhalb von zwei Tagen alle analysierten Themen aus der vergangenen Partie aufarbeiten, räumt der 43-Jährige ein, jedoch sei es wichtig, diese klar zu benennen: „Wir müssen lernen, trotz Widerstand Bälle weiter zu behaupten, um so aus Situationen selbst Profit schlagen zu können“, so der Schweizer.
Dafür sieht Seoane vor allem individuelle und mannschaftliche Dominanz als entscheidenden Faktor an: „Es muss unser Ziel sein, dem Gegner unser Kombinationsspiel und unser Tempo aufzudrücken. Wir müssen auch in den Momenten, in denen es etwas harzig wird, unsere Stärken zeigen“, sagt Seoane. „Dass wir schnell und direkt mit wenig Ballkontakten auf hohem Niveau Fußball spielen können, wissen wir. Aber bei gewissen Gegnern braucht es manchmal eben auch andere Skills, zum Beispiel wie man seinen Körper einsetzt.“
Man habe allerdings sowohl in München als auch jetzt in Bergamo bereits gesehen, „dass wir im Verlaufe eines Spiels unser System abändern und gut damit umgehen können“, sagt Seoane. Mit welchem System – mit Dreier- oder Viererkette als letzte Linie – Schwarz-Rot gegen den FC auflaufen wird, darauf wollte er sich jedoch noch nicht festlegen: „Ich habe noch nicht zu hundert Prozent entschieden, in welcher Grundformation wir spielen werden. Wir analysieren heute noch die letzten Daten und Bilder und warten auf die Rückmeldung der medizinischen Abteilung.“
Ähnlich wie Atlanta erwartet der Fußballlehrer auch die Kölner als offensivstarkes Team: „Sie stehen zurecht dort in der Tabelle. Sie haben viele gute Spiele gemacht, spielen offensiv, aktiv und mutig.“ Daran nicht unbeteiligt sei laut Seoane vor allem das Flankenspiel und die Kopfballstärke, unter anderem von FC-Stürmer Anthony Modeste: „Wir werden nicht alles verhindern können, aber wir müssen es schaffen, die Wahrscheinlichkeit auf ein Minimum zu reduzieren. Indem wir sie stören, sodass sie ihr Spiel nicht wie gewohnt praktizieren können“, sagt Seoane.
Für den Schweizer wird zudem vor allem die Mentalität ausschlaggebend sein: „Wir wissen, was von Köln kommen wird – Energie, Pressing. Wir sind überzeugt von unserer spielerischen Qualität, aber unsere Hauptaufgabe wird sein, eine mindestens gleichwertige Power und Intensität an den Tag zu legen.“
Dabei freut sich Seoane auf Derby-Atmosphäre in heimischen Gefilden: „Auch wenn es mit den aktuellen Begebenheiten in der Welt schwierig ist, freuen wir uns auf das Spiel, auf den Bus-Empfang der Fans und die Emotionen am Sonntag.“ Erwartet werden 22658 Zuschauer in der BayArena – was einer Auslastung von 75 Prozent entspricht. Mehr lässt die aktuelle Corona-Schutzverordnung für NRW nicht zu.
Erfreulich: Personell muss Seoane voraussichtlich keine weiteren Verletzungen aus der Bergamo-Partie verzeichnen. Zudem steht Kerem Demirbay, der wegen seiner Rot-Sperre nicht nach Bergamo gereist war, wieder zurück im Kader der Werkself. Die Nr. 10 von Schwarz-Rot absolvierte am Mittwoch gemeinsam mit Karim Bellarabi und einigen Nachwuchsspielern eine komplette Einheit. Mittelfeldmotor Robert Andrich machte den ersten Teil des Trainings mit, trainierte zudem gestern gemeinsam mit Athletiktrainer Daniel Jouvin individuell. Auch am Freitagvormittag waren Andrich und Bellarabi auf dem Platz.
Ein Kader-Comeback der beiden Profis sieht Seoane als realistisch an: „Alle beide haben diese Woche eine sehr gute Entwicklung gemacht. Physisch sollte ein Einsatz grundsätzlich möglich sein. Aber es ist immer eine Gratwanderung, wie viel Risiko man direkt mit dem ersten Spiel gehen will. Da braucht es immer eine enge Abstimmung mit der ärztlichen Seite.“

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