
Doch bevor das soweit ist, gilt alle Aufmerksamkeit unterm Bayer-Kreuz dem Überraschungsteam aus Hannover. Von Saisonbeginn an begründeten die Niedersachen ihre sofortige Bundesliga-Rückkehr, zwischenzeitlich grüßte der Aufsteiger sogar von Platz drei des Klassements. Nach 16 Spieltagen sind die 96er Zehnter und haben 22 Punkte auf dem Konto. 14 davon holte die Mannschaft von André Breitenreiter in der heimischen HDI-Arena. Verständlich, dass der Leverkusener Chefcoach auf der Pressekonferenz am Freitag dem kommenden Gegner eine Menge Respekt zollte. „Ich glaube nicht, dass sie sich Sorgen machen, am Sonntag zu Hause gegen uns zu spielen“, sagte der 46-Jährige und erinnerte dabei an den 2:0-Sieg der Hannoveraner in ihrem jüngsten Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim. Auch die Siege gegen den FC Schalke 04 (1:0) und Borussia Dortmund (4:2) ließ Herrlich nicht unerwähnt und mahnte davor, den Aufsteiger zu unterschätzen: „Sie haben also bereits gezeigt, dass sie Mannschaften schlagen können, die vorne mit dabei sind. Und deshalb werden sie auch vor uns keine Angst haben.“
Besonders die Spielweise der 96er hat es dem Cheftrainer der Werkself angetan: „Ich habe Hannover beim Ligaspiel in Mönchengladbach gesehen. Mich hat wahnsinnig beeindruckt, wie sie als Aufsteiger den Ball über den Torwart hinten ’raus gespielt haben. Das habe ich zuletzt bei Bayern München unter Pep Guardiola gesehen.“ Damals, am 7. Spieltag, unterlagen die Roten letztlich den Gladbachern knapp mit 1:2 – aufgrund eines verwandelten Foulelfmeters in der Nachspielzeit. „Eigentlich hätte Hannover das Spiel gewinnen müssen“, so Herrlich und rechnete: „Dann hätten sie nochmal drei Punkte mehr als die 22, die sie jetzt schon haben.“ Entsprechend nahm er seine Mannschaft in die Pflicht: „Zehn ihrer insgesamt 20 Tore haben sie nach Standards erzielt. Die haben wir in den vergangenen Spielen ganz gut verteidigt bekommen, da müssen wir auch diesmal wieder hellwach sein.“
Insgesamt müsse seine Mannschaft in Hannover ihr Bestes abrufen. „Wir wollen natürlich dahinfahren und drei Punkte mitnehmen“, so Herrlich. Deswegen sei es wichtig, dass sein Team wieder „ganz nah an die 100 Prozent des Leistungsvermögens“ herankommt.
Dass die Werkself dank der anhaltenden Erfolgsserie aus elf Bundesliga-Spielen ohne Niederlage selbst auf den vierten Tabellenplatz geklettert ist, stellt für Herrlich indes nur eine Momentaufnahme dar. Zu viel Lob von außen blockt der gebürtige Mannheimer ab: „Wir sind auf einem guten Weg. Aber es gibt genügend Ansätze, um Kritikpunkte zu finden. Gerade im Bremen-Spiel war unsere Chancenverwertung nicht ideal, sodass wir bis zum Schluss zittern mussten." Das habe Kampfgeist und Kraft gekostet. Genau das soll in Hannover nicht passieren – ebenso wenig wie ein Abreißen der Erfolgsserie. Die gilt übrigens auch für das direkte Duell mit den 96ern: Die Werkself hat keines der vergangenen sieben Partien gegen die Niedersachsen verloren (sechs Siege, ein Unentschieden).
Für das Spiel in der HDI-Arena am Sonntag, in dem rund 950 Anhänger Bayer 04 unterstützen werden, kann Heiko Herrlich personell erneut weitgehend aus dem Vollen schöpfen. Neben dem rotgesperrten Wendell und dem am Fuß verletzten Vladlen Yurchenko muss er ferner weiter auf Charles Aránguiz verzichten. Der Chilene hat nach seinem Muskelfaserriss zwar wieder das Training aufgenommen, ein Einsatz in Hannover käme laut Herrlich allerdings noch zu früh: „Wir schauen von Tag zu Tag. Möglicherweise wird er bis zum Pokalspiel am Mittwoch wieder fit, für Hannover spielt er defnitiv noch keine Rolle.“


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