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19.11.2021Bundesliga

Ilja Kaenzig: Leverkusen kann die dritte Kraft sein

Als Nachwuchsleiter und Manager war Ilja Kaenzig zwischen 1998 und 2004 unter dem Bayer-Kreuz aktiv. Anschließend arbeitete der gebürtige Schweizer unter anderem für Hannover 96 und den französischen Zweitligisten FC Sochaux. Seit Februar 2018 ist der heute 48-Jährige Sprecher der Geschäftsführung des VfL Bochum 1848. Vor dem Bundesliga-Duell in der BayArena sprachen wir mit ihm über die Gründe, die zum Aufstieg der ehemals „Unabsteigbaren“ führten, seinen Landsmann Gerardo Seoane und wie er über Bayer 04 denkt.
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Herr Kaenzig, Ihr letztes Spiel gegen Bayer 04 in verantwortlicher Position liegt inzwischen mehr als 15 Jahre zurück. Am 5. Spieltag der Saison 2006/07 gab’s ein 1:1-Remis gegen Hannover 96, wo sie damals als Manager tätig gewesen sind. Mit welchen Erinnerungen und Gefühlen geht es jetzt zurück in die BayArena?

Kaenzig: Dass es überhaupt zu einer Rückkehr kommt, freut mich am meisten. Das wäre ohne den Aufstieg – mal abgesehen vom DFB-Pokal – ja nicht möglich gewesen. Darüber hinaus freue ich mich auf das Wiedersehen mit der ehemaligen Wirkungsstätte und alten Bekannten. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wie Gerold Grips in der Buchhaltung, Silke Steinhausen im Marketing, Petra Braun-Hahn in der Presse-Abteilung oder Stephan Rehm als Veranstaltungsleiter arbeiten schon sehr lange für Bayer 04, was für personelle Kontinuität im Klub spricht. Auch einige meiner Bochumer Kollegen pflegen zu den Mitarbeitern von Bayer 04 einen sehr guten Kontakt.

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Nicht nur für Sie ist es ein Comeback an der Bismarckstraße, auch der VfL Bochum ist nach elf Jahren zurück auf der Bundesliga-Bühne. Wie wichtig war der Aufstieg für den Klub, der auf 34 Jahre Erstklassigkeit zurückblicken kann?

Kaenzig: Die Ambitionen waren immer da, die Mittel waren allerdings nicht vergleichbar mit denen von der Konkurrenz. Teil der Bochumer DNA ist es jedoch, aus wenig viel zu machen. Allerdings waren wir überzeugt davon, dass uns der Aufstieg irgendwann gelingen wird. Erfolg ist im Fußball meiner Meinung nach planbar – nur der Zeitpunkt nicht. Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie und der sehr starken Bundesliga-Absteiger aus Bremen und Gelsenkirchen ist uns der Aufstieg zum optimalen Zeitpunkt gelungen. Natürlich gehört auch Glück dazu, aber das gebührt bekanntermaßen den Tüchtigen. Jetzt wollen wir den Klub da etablieren, wo er hingehört. Der VfL ist nicht aufgestiegen, er ist zurückgekehrt!

Im Frühjahr 2018 haben Sie beim VfL Bochum Ihre Arbeit aufgenommen. Damals steckte die Mannschaft im Abstiegskampf, zwei Jahre später startete die Truppe nach dem Corona-Lockdown durch und stieg 2021 auf? Welche Gründe waren ausschlaggebend für diese herausragende sportliche Entwicklung?

Kaenzig: Wir als Verantwortliche sind vor etwa vier Jahren in einer schwierigen Zeit für den Klub angetreten. In unseren Augen ist Kontinuität zum Erfolgsfaktor Nummer eins im modernen Fußball geworden. Kontinuität entsteht durch notwendige Ruhe, und die Ruhe nur aus gegenseitigem Vertrauen, und Vertrauen wiederum gedeiht nur unter klaren Strukturen. Dies alles ist uns – mit kleinen Ausschlägen – von Beginn an gelungen. Der Trend war auf und auch neben dem Platz durchweg positiv. Die Umsätze konnten gesteigert werden, der Zuspruch der Fans nimmt stetig zu. Wir werden auch in der Bundesliga weiter auf Kontinuität setzen – damit sind wir bislang ja nicht allzu schlecht gefahren.

Welche Rolle spielt der Trainer Thomas Reis in diesem Gesamtkonstrukt?

Kaenzig: Er ist der richtige Mann am richtigen Ort zur richtigen Zeit. Er verfügt über viel Fingerspitzengefühl. Bei Klubs wie Bochum ist die Menschenführung elementar – der VfL hatte traditionell schon immer starke Charaktere im Team, eine bunt gemischte Truppe. Jung, alt, national, international. Diese Mannschaft führt Thomas hervorragend. Er lässt niemanden fallen, dennoch gilt das Leistungsprinzip. Die tägliche Zusammenarbeit mit ihm ist sehr angenehm.

Ist es vor diesem Hintergrund dann auch kein Zufall, dass sowohl Cheftrainer Thomas Reis als auch Sportvorstand Sebastian Schindzielorz eine Vergangenheit als Spieler beim VfL haben?

Kaenzig: Da würde man allen unrecht tun, die diese nicht hatten. Robin Dutt (Vorgänger von Thomas Reis, Anm. d. Red.) beispielsweise hat auch einen hervorragenden Job gemacht. Für Thomas und Sebastian war es natürlich ein Vorteil, dass sie zu Beginn ihrer Tätigkeit einen Vertrauensvorschuss bekamen. Aber ich bin mir sicher, dass sie auch an anderen Standorten Erfolg hätten.

Das große Ziel ist sicherlich der Klassenerhalt. Sollte der gelingen, was ist die mittelfristige Zielsetzung eines Klubs wie dem VfL Bochum 1848?

Kaenzig: Wenn wir die Klasse halten, ist das ein riesiger Erfolg für alle Beteiligten. Und dann wird es noch schwerer. Dessen sind wir uns bewusst. Im dritten Bundesliga-Jahr ist man größtenteils etabliert – siehe Union Berlin. Wir wollen die Lücke zu den Klubs vor uns schneller schließen als sie in den elf Jahren unserer Zweitklassigkeit entstanden ist. Das ist am Standort Bochum definitiv möglich, auch wenn es eine große Herausforderung ist.

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Das Ruhrgebiet verfügt mit Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04 über zwei Leuchttürme. Welchen Platz nimmt da der VfL ein?

Kaenzig: Wir stellen in gewisser Weise ein Alternativ-Produkt dar. Unser Fußball soll Volkssport bleiben, während er bei anderen Teil der Unterhaltungsindustrie geworden ist. Das ist keine Kritik, sondern geschieht zwangsläufig. Wir wissen, wo wir hingehören – und wollen in dieser Nische auch bleiben. Alles andere wäre auch nicht glaubwürdig, nicht authentisch.

Während der VfL um den Klassenerhalt kämpft, will die Werkself ins internationale Geschäft. Wie bewerten Sie den Saisonverlauf Ihres ehemaligen Klubs und was trauen Sie der Mannschaft von Cheftrainer Gerardo Seoane zu?

Kaenzig: Leverkusen ist mit dem Kader, der äußerst interessanten Transferpolitik und dem Trainer ein Top-Team. Dazu herrscht die notwendige Kontinuität im Klub und die Ruhe im Umfeld. Das Potenzial ist da, früher oder später werden sie ihre ambitionierten Ziele auch realisieren. Davon bin ich überzeugt. Für mich ist, kann und muss Leverkusen die dritte Kraft im deutschen Fußball sein.

Seoane ist ein Landsmann von Ihnen. Haben Sie seine bisherige Karriere verfolgt? Hat er das Zeug dazu, um ähnlich erfolgreich in der Bundesliga zu arbeiten wie Lucien Favre oder Urs Fischer?

Kaenzig: Mit Gerardo Seoane ist eine exzellente Wahl getroffen worden, auch wenn seine Trainer-Karriere gerade erst begonnen hat. Er gehört zu den besten Trainern in ganz Europa und hat nicht nur große kommunikative Fähigkeiten, sondern ist vor allem im taktischen Bereich absolut auf der Höhe mit den Besten seines Fachs. Mit ihm ist Bayer 04 bestens gerüstet.

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