
Manchmal kann Freundschaft eben auch wehtun. In tiefer Verbundenheit stehen die Anhänger des 1. FC Nürnberg und des FC Schalke 04 zueinander, bildeten vor Anpfiff sogar durch eine gemeinsame Choreographie eine Einheit. Auf dem Rasen aber zeigte sich ein recht ungleiches Duell, in dem der Aufsteiger aus Franken letztlich eine 2:5-Schlappe hinnehmen musste – obwohl Trainer Michael Köllner seiner Mannschaft im Anschluss attestierte, „ein gutes Spiel gemacht“ zu haben. Und nicht nur das war für den FCN am Ende des Wochenendes positiv: Da auch die Konkurrenz im Tabellenkeller nicht punktete, verblieb der „Club“ dennoch genau da, wo man auch am Ende der Saison stehen will – Platz 15, über dem Strich. Dass dies durchaus möglich ist, zeigte die Köllner-Elf durch einige couragierte Auftritte – auch, wenn der Trend zuletzt in die falsche Richtung zeigte. Seit sechs Spielen wartet Nürnberg in der Bundesliga auf einen Sieg. Einziges Erfolgserlebnis der vergangenen Wochen: der Einzug ins DFB-Pokal-Achtelfinale durch einen Sieg über den Drittligisten Hansa Rostock im Elfmeterschießen.
Auch als Aufsteiger und Außenseiter verfolgt Köllner ein durchaus offensives Spielsystem, agiert nicht selten mit zwei Stoßstürmern. Herz der Mannschaft ist jedoch – unabhängig von der Taktik – Kapitän Hanno Behrens (im Bild oben), der als Antreiber im zentralen Mittelfeld die Fäden im Aufbauspiel zieht, sich aber auch immer wieder gefährlich ins Offensivspiel mit einschaltet und letztlich auch als Bindeglied zum Defensivverbund fungiert. Ihm zur Seite stellte Köllner zuletzt häufig etwas überraschend den erst 20-jährigen Simon Rhein. Der laufstarke Sechser verbrachte fast seine komplette Jugendzeit bei Bayer 04, durchlief insgesamt zwölf Jahre lang die U-Mannschaften in Leverkusen, ehe er im vergangenen Jahr in die fränkische Metropole wechselte, wo Coach Köllner nun von Rheins Ausbildung unterm Bayer-Kreuz profitiert. Bei einer anderen Personalie des Nürnberger Kaders muss sich hingegen Bayer 04 gewissermaßen beim Club bedanken. Kurz vor Ende der Transferperiode holten die Franken nämlich den Niederländer Virgil Misidjan von Werkself-Gruppengegner Ludogorets Rasgrad und sorgten so indirekt dafür, dass dieser seine enorme Klasse, die ihn in den vergangenen Jahren zum wohl besten Spieler der bulgarischen Liga gemacht hatte, nicht in der Europa League gegen Leverkusen zeigen konnte. Diese Prüfung steht dem Team von Heiko Herrlich dafür am Montag bevor. Auch, wenn Misidjan zuletzt nicht immer von Beginn an ran durfte, zeigte er nämlich bereits, dass der Sprung aus Bulgarien in die Bundesliga nicht zu groß war.
Sieben Gegentore in Dortmund, sechs in Leipzig und zuletzt fünf bei zuvor häufig harmlosen Schalkern: Um die Problemzone im Nürnberger Spiel zu finden, muss nicht lange gefahndet werden. Mit insgesamt 29 Gegentoren stellen die Franken die schwächste Abwehr der Liga, gerade auswärts macht der FCN dem Gegner das Toreschießen bisweilen viel zu einfach. Da trifft es sich alles andere als gut, dass Köllner gegen die Werkself auch noch auf zwei Stammkräfte seiner Defensive verzichten muss. Rechtsverteidiger Robert Bauer handelte sich auf Schalke eine Gelb-Rote Karte ein und wird gesperrt fehlen; Torhüter Christian Mathenia blieb bei einem Klärungsversuch vor dem 0:1 im Rasen hängen und zog sich eine Kapsel-und Sehnenverletzung im Knie zu – das Hinrunden-Aus für den Schlussmann. Anstelle von Mathenia wird gegen Bayer 04 nun wieder Fabian Bredlow zwischen den Pfosten stehen, der die Saison als Stammkeeper begonnen hatte, nach den beiden deutlichen Niederlagen in Dortmund und Leipzig seinen Platz aber hatte räumen müssen.
Als Köllner im März 2017 seinen Job als Cheftrainer des FCN antrat, war er zunächst auch noch in Personalunion für das Nachwuchsleistungszentrum des Clubs verantwortlich. Seine Vergangenheit als Jugendtrainer – unter anderem betreute Köllner die deutsche U15-Nationalmannschaft sowie die bayrische Landesauswahl – soll sich nun auch bei der Profi-Mannschaft bemerkbar machen. Die Beförderung von Simon Rhein aus der zweiten Mannschaft in die Bundesliga-Startelf ist so eine Maßnahme, auch Eigengewächs Lukas Mühl förderte Köllner konsequent und machte den mittlerweile 21-jährigen Innenverteidiger zu einem unverzichtbaren Teil der Mannschaft. Auch für junge, entwicklungsfähige Spieler, die nicht aus dem eigenen Nachwuchs stammen, will Nürnberg eine Top-Adresse bleiben, schließlich brachte der Verein nicht nur Bayer 04-Ikone Stefan Kießling hervor, sondern verhalf auch Ilkay Gündogan oder zuletzt Niclas Füllkrug zum nächsten Karriereschritt.
Dass die fetten Jahre beim neunmaligen nationalen Meister vorbei sind, ist in Nürnberg jedem bewusst. Der ehemalige Rekordmeister ist nun „nur“ noch Rekordabsteiger aus der Bundesliga sowie seit Mai zugleich Rekordaufsteiger ins Oberhaus. Das Ziel bei den Franken ist klar: Wenn möglich, sollen beide Zahlen vorerst nicht mehr ansteigen, der traditionsreiche Club will sich nach vierjähriger Abstinenz wieder in der deutschen Elite-Klasse festsetzen. Eine Aufgabe, die bereits im ersten Jahr knifflig werden könnte und dem Verein wohl einen Kampf bis in den späten Frühling hinein abverlangen wird. Dennoch hat Köllners Elf vor allem in den Duellen gegen die direkte Konkurrenz gezeigt, dass sie in den entscheidenden Momenten voll da ist und den Abstiegskampf ab der ersten Sekunde angenommen hat.

Werkself-TV zeigt die TV-Highlights des 2:1-Derbysiegs der Bayer 04-Frauen gegen den 1. FC Köln am 18. Spieltag der Google Pixel Frauen-Bundesliga 2025/26.
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Dank einer abgezockten Leistung haben die Bayer 04-Frauen am Karnevalsfreitag ihren rheinischen Nachbarn in der Bundesliga-Tabelle distanziert. In einem stimmungsvollen Derby schlug die Mannschaft von Trainer Roberto Pätzold den 1. FC Köln 2:1 (2:0) und eroberte damit mindestens bis Sonntag Rang drei zurück. Vanessa Fudalla (17.) und Sofie Zdebel (37.) erzielten die Treffer für die Werkself, die mit 31 Zählern nun sechs Punkte vor dem FC liegt.
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Bayer 04 sichert sich zur kommenden Saison die Dienste des serbischen U19-Nationalspielers Aleksa Damjanovic. Der 17 Jahre alte Mittelstürmer wechselt im Sommer von Roter Stern Belgrad nach Leverkusen und unterschreibt einen langfristigen Vertrag. Das 1,98 Meter große Sturm-Juwel gilt als eines der vielversprechendsten Angreifer-Talente Europas und überzeugte zuletzt mit starken Leistungen im Profi- und Nachwuchsbereich. Geschäftsführer Sport Simon Rolfes und Direktor Fußball Kim Falkenberg loben besonders seine Abschlussstärke, Kopfballqualitäten und physische Präsenz im Strafraum.
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