Gegnercheck: Junuzovic und das Heimspiel-Finale

Ein letztes Mal auswärts: Für die Werkself, die nur einen Punkt hinter den Champions-League-Plätzen liegt, geht es im letzten Gastspiel der Saison bei Werder Bremen (Samstag, 5. Mai, 15.30 Uhr) um drei ganz wichtige Punkte. Ganz anders die Gastgeber aus dem Norden, die Bayer 04 in dieser Spielzeit bereits zweimal schlagen konnte. Gelingt es am Samstag wieder? Leicht wird es in jedem Fall nicht, denn Bremen hat derzeit einen Torwart in Topform und einen Kapitän, der sich mit einem Sieg von den Werder-Fans verabschieden will. Auch ein alter Bekannter ist neuerdings zurück an der Weser. Der Gegnercheck.
Junuzovic_imago34460261h.jpg

Position

Für Mittelfeldmann Jerome Gondorf war er „wie eine Wand“, für Gegenspieler Marco Reus „ganz klar Weltklasse“. Nach dem 1:1 der Bremer gegen Borussia Dortmund am vergangenen Sonntag kam kaum einer der Beteiligten darum herum, über Jiri Pavlenka zu sprechen. Mit mehreren Glanzparaden und einer der besten Torwartleistungen der kompletten Bundesligasaison hatte der tschechische Schlussmann seiner Mannschaft gegen den Champions-League-Aspiranten in Schwarz-Gelb einen Punkt gerettet. Und das, obwohl es für die Werderaner – ganz im Gegensatz zum BVB – eigentlich um nichts mehr geht in dieser Saison. Durch die Niederlage des VfL Wolfsburg am Tag zuvor war der Klassenerhalt des SVW bereits vor Anpfiff besiegelt. Eine durchaus bemerkenswerte Errungenschaft des im Herbst gekommenen Trainers Florian Kohfeldt, wenn man bedenkt, dass das Team noch beim Hinspiel in der BayArena Mitte Dezember mit nur 14 Zählern auf Rang 17 gelegen hatte. Das 0:1 damals war die erste von zwei Werder-Niederlagen in Leverkusen in dieser Saison, denn: Auch im DFB-Pokal mussten die Grün-Weißen im Viertelfinale auswärts bei der Werkself die Segel streichen – 2:4 nach Verlängerung.

Personal

Wie die Kohfeldt-Elf gegen Dortmund eindrucksvoll zeigte, ist sie nicht bereit, den verbleibenden Gegnern irgendetwas zu schenken – zumal die Partie gegen Bayer 04 eine besondere für einen außergewöhnlichen Werder-Spieler ist. Kapitän Zlatko Junuzovic (im Bild oben), das wurde in der vergangenen Woche bekannt, wird Bremen nach sechseinhalb Jahren als Leistungsträger, Führungsspieler und Identifikationsfigur am Ende der Saison verlassen, die Partie gegen die Werkself wird somit das letzte Heimspiel des Österreichers im Weserstadion. Wohin es ihn zieht, will Junuzovic erst nach dem Spiel öffentlich machen. Jetzt schon klar ist hingegen, dass sich der Mittelfeldmann mit einem Erfolgserlebnis von den Fans verabschieden will und die Mannschaft ihren Kapitän nach Kräften unterstützen wird. Die personelle Ausgangslage für das Duell mit B04 jedenfalls dürfte Kohfeldt optimistisch stimmen: Abwehrchef Niklas Moisander steht nach muskulären Problemen wieder zur Verfügung, auch Abräumer Philipp Bargfrede sowie Flügelspieler Florian Kainz kehren nach abgesessenen Gelb-Sperren in den Kader der Grün-Weißen zurück. Vom Stammpersonal fehlt damit einzig Offensivmann Fin Bartels, der sich bereits beim Hinspiel gegen Dortmund im Dezember einen Achillessehnenriss zuzog und in dieser Saison nicht mehr zum Einsatz kommen wird.

Probleme

Nach einer überragenden Serie Anfang der Rückrunde mit zwischenzeitlich sechs Siegen aus acht Spielen geriet der Motor der Bremer zuletzt ein bisschen ins Stottern. In den letzten vier Partien blieb Werder sieglos. Das lag auch an der zuletzt glücklosen Offensivabteilung. Max Kruse, zweifellos ein Ausnahmekönner im Werder-Angriff, wartet seit über sechs Wochen auf ein Pflichtspieltor – auch, weil er zu oft nicht nur den Mittelstürmer, sondern in Personalunion auch den Spielgestalter geben muss und somit oft erst gar nicht in Abschlusssituationen kommt. Um ihn herum tummeln sich zwar durchaus begabte Fußballer wie Kainz oder Winterneuzugang Milot Rashica, die allerdings zu wenig Torgefahr ausstrahlen. Bezeichnend: Nur einen der letzten fünf Werder-Treffer erzielte ein Offensivspieler – und auch der ist schon fast einen Monat her: Ishak Belfodil am 6. April in Hannover.

Potenzial

Am Montag wurde offiziell wieder zusammengeführt, was für alle Fußballinteressierten in Deutschland einfach zusammengehört: Thomas Schaaf arbeitet wieder für Werder Bremen. Die Vereinsikone, die die Grün-Weißen von 1999 bis 2013 trainierte, 2004 das Double gewann und insgesamt 41 Jahre im Verein verbrachte, wurde als Technischer Direktor vorgestellt und wird künftig eng mit seinem ehemaligen Kapitän, dem jetzigen Werder-Manager Frank Baumann, zusammenarbeiten. Laut Pressemitteilung soll Schaaf eine Schlüsselstelle in der Verzahnung zwischen Profi-und Ausbildungssektor beim Klub von der Weser einnehmen. Gerade diese Schnittstelle scheint in der aktuellen Lage wichtig. Finanziell kann Werder nach wie vor keine Bäume ausreißen, ist somit auf eine gute Jugendarbeit angewiesen. In Kohfeldt, vor seiner Cheftrainertätigkeit Coach der U23 und diverser Juniorenteams bei Werder, hat der Verein einen, der den eigenen Nachwuchs gut kennt und auf ihn setzt. Die Voraussetzungen sind also gegeben, um sich in den kommenden Jahren die Leistungsträger wieder selbst zu machen. Das war den Bremern in der Vergangenheit zu selten gelungen. Vielleicht bringt Schaaf nun den entscheidenden Impuls zurück – und unter Umständen auch den Erfolg aus seiner eigenen Zeit als Werder-Coach.

Prognose

In dieser Saison geht es für die Grün-Weißen nur noch um die berühmte Goldene Ananas. Interessant zu beobachten sein wird nun, wie die durch die Installation Schaafs neu strukturierte Führungsebene in der spielfreien Zeit agieren wird. In Junuzovic verlässt ein absoluter Schlüsselspieler die Mannschaft, bis auf einige Leih-Rückkehrer stehen noch keine Neuzugänge für die neue Saison fest. Vertraut man Kohfeldt und seinen jungen Spielern wie Maximilian Eggestein, oder versucht Baumann auf dem Transfermarkt mal wieder einen großen Wurf zu landen, um den Österreicher zu ersetzen? Fest steht: Durch die Personalien Schaaf und Kohfeldt hat Werder alle Möglichkeiten, sich nach Jahren der Depression wieder nach oben zu arbeiten. Ebenso klar ist aber auch: Dieser Prozess, wenn er denn gelingt, wird sehr wahrscheinlich viel Zeit in Anspruch nehmen.

Ähnliche News

Tag der Gesundheit bei Bayer 04
Nachhaltigkeit - 21.09.2026

Tag der Gesundheit in der BayArena: Interaktive Workshops und spannendes Bühnenprogramm

Werkself-Fans aufgepasst: Auch in der erstmals dreiwöchigen Länderspielpause im September und Oktober habt ihr die Chance, in die BayArena zu kommen – und das aus einem ganz besonderen Anlass. Bayer 04 veranstaltet am Samstag, 3. Oktober, von 10 bis 14 Uhr in der Premium Lounge des Stadions den Tag der Gesundheit. Gemeinsam mit Bayer Vital und Hauptsponsor BarmeniaGothaer lädt der Bundesligaklub zu einem interaktiven, kostenlosen Erlebnis rund um das Thema Gesundheit ein. Die Partner werden mit eigenen spannenden Stationen vor Ort vertreten sein. Alle Infos im Überblick.

Mehr zeigen
Dustin Buck
Jugend - 21.09.2026

Nachwuchs: Knappes Pokal-Aus für U19 – U17 verpasst dritten Sieg in Folge

In einem an Dramatik kaum zu überbietenden Pokal-Fight musste die U19 beim 1. FC Kaiserslautern erst in der Nachspielzeit den Ausgleich hinnehmen und verlor die Partie schließlich 6:4 in der Verlängerung. Späte Gegentore trotz Führung kassierte auch die U17 beim 1:2 gegen Rot-Weiß Oberhausen und verpasste so den dritten Sieg in Folge. Dafür präsentieren sich die U23-Frauen in der Regionalliga West mit fünf Siegen aus fünf Spielen weiterhin makellos – das Nachwuchs-Wochenende im Überblick.

Mehr zeigen
Titelbild
Europa League - 21.09.2026

Tickets für das UEL-Auswärtsspiel bei Lech Posen

Im Rahmen des 2. Spieltags der Ligaphase der UEFA Europa League 2026/27 gastiert Bayer 04 beim polnischen Klub Lech Posen. Die Partie steigt am Donnerstag, 15. Oktober, um 18.45 Uhr im Poznan Stadium. Alle Infos zum freien Ticketverkauf.

Mehr zeigen
U17 verliert nach Führung gegen Oberhausen
Werkself-TV - 21.09.2026

U17: Die TV-Zusammenfassung der 1:2-Niederlage gegen SC Rot-Weiß Oberhausen

Werkself-TV zeigt die Zusammenfassung der 1:2-Niederlage der U17 von Bayer 04 gegen U17: Die TV-Zusammenfassung der 1:2-Niederlage gegen den SC Rot-Weiß Oberhausen am 7. Spieltag der Vorrunde der DFB-Nachwuchsliga 2026/27...

Mehr zeigen
Dramatisches Pokal-Aus für die U19 in Kaiserslautern
Werkself-TV - 21.09.2026

U19: Die TV-Zusammenfassung der Pokal-Niederlage beim 1. FC Kaiserslautern

Werkself-TV zeigt die Zusammenfassung der Pokal-Niederlage (4:6 n.V.) der U19 von Bayer 04 beim 1. FC Kaiserslautern im Achtelfinale des DFB-Pokals der Junioren.

Mehr zeigen