
Die Partie gegen den VfB Stuttgart war so etwas wie ein Spiegelbild der gesamten bisherigen Saison des FC Bayern: gut begonnen, dann eine kaum erklärbare Schwächeperiode und am Ende doch wieder die Kurve begonnen. Trotz zwischenzeitlicher Schwierigkeiten mit dem Kellerkind aus dem Schwabenland behielten die Bayern letztlich doch souverän mit 4:1 die Oberhand und feierten den siebten Sieg in Folge. Nach einer Krise im November – mit dem 3:3 nach 3:1 gegen Düsseldorf als Höhepunkt – hat das Team von Niko Kovac wieder zurück zu alter Stärke gefunden und sendete besonders beim bärenstarken 3:1 zum Rückrundenauftakt in Hoffenheim eine klare Ansage in Richtung Tabellenführer Borussia Dortmund. Da aber auch die Schwarz-Gelben sich bislang keine Blöße geben, fehlen den Bayern noch immer sechs Punkte auf Rang eins, der siebte Titel in Folge ist also in Gefahr – und auch in der Champions League wartet mit dem FC Liverpool im Achtelfinale eine denkbar schwierige Aufgabe. Im DFB-Pokal gastiert der Rekordmeister kommende Woche bei Hertha BSC – einem der drei Teams, die den Bayern in der Hinrunde eine Niederlage beigebracht hatten.
Dass die Qualität des Bayern-Kaders in Deutschland seinesgleichen sucht, dürfte nichts Neues sein. Trotz der zwischenzeitlichen Formschwäche einiger Leistungsträger der vergangenen Jahre kann das Team an einem guten Tag jede Mannschaft der Welt schlagen. Das neueste Gesicht im Münchner Star-Ensemble ist allerdings eines, das noch nicht viele kannten: Der erst 18-jährige Kanadier Alphonso Davies stieß im Januar zur Mannschaft und feierte mit seiner Einwechslung kurz vor Ende der Partie gegen den VfB sein Bundesligadebüt. Der junge Flügelspieler ist ein Winter-Neuzugang, irgendwie neu schien aber auch Sommer-Neuzugang Leon Goretzka (oben im Bild) in den ersten beiden Rückrundenspielen zu sein. Der 23-Jährige, zuvor meist auf der Acht eingesetzt, belebte das Offensivspiel der Bayern gegen Hoffenheim und Stuttgart als klassischer Spielmacher mit Abschlussqualitäten. Gleich drei Tore steuerte der Nationalspieler in den beiden Spielen bei, bereits eines mehr als in der gesamten Hinrunde. Die offensivere Position für den hochtalentierten Goretzka könnte so etwas wie die Entdeckung der Rückrunde für die Bayern werden – und eventuell so etwas wie ein zusätzlicher Winter-Neuzugang.
Dass Youngster Davies direkt ins kalte Bundesliga-Wasser geworfen wird, war wohl nicht unbedingt geplant, ist aber nötig, da die Bayern auf den offensiven Außenpositionen derzeit etwas unterbesetzt sind. Der Grund: Die „ewige“ Flügelzange aus Arjen Robben und Franck Ribéry fehlt derzeit verletzt, auf ihre enormen Qualitäten gerade im Torabschluss kann Niko Kovac derzeit nicht zurückgreifen. Das könnte sich allerdings bald ändern: Robben, der seit Ende November nicht mehr auf dem Platz stand, absolvierte am Montag erstmals wieder Teile des Mannschaftstrainings – ebenso wie Ribéry, den zuletzt ein Muskelfaserriss außer Gefecht gesetzt hatte. Beide Routiniers könnten gegen Bayer 04 zumindest in den Kader zurückkehren, wobei vor allem bei Robben ein Startelfeinsatz doch sehr unwahrscheinlich ist. Definitiv ausfallen wird weiterhin Mittelfeldmann Corentin Tolisso (Kreuzbandriss).
An eine Bayern-Elf ohne Robben und Ribéry können sich jüngere Fußball-Fans kaum erinnern – und doch kann man sich derzeit schon einmal daran gewöhnen. Ab kommenden Sommer werden die beiden nicht mehr für den FCB auflaufen – nach dann einem gemeinsamen Jahrzehnt als eine der gefährlichsten Flügelzangen weltweit. Für den Verein bedeutet das einen Umbruch in der Offensive. Kingsley Coman und Serge Gnabry lauten momentan die beiden Namen, die die großen Fußstapfen von „Rib&Rob“ ausfüllen sollen – doch weitere Verstärkung naht. Der genauso wie Davies erst 18-jährige Callum Hudson-Odoi vom FC Chelsea soll bald in der Allianz-Arena wirbeln. Die Bayern wollen den Spieler, der Spieler will zu den Bayern – nur Chelsea spielte bislang noch nicht mit, ein Wechsel noch im Januar zerschlug sich dadurch. Gut möglich aber, dass der junge Engländer im Sommer nach München wechselt. So oder so: Die Verjüngung der Mannschaft, insbesondere der Offensive, ist ein Projekt, das nicht nur an der Säbener Straße genau unter die Lupe genommen wird.
Im Dezember und Januar präsentierten sich die Bayern genau in der Form, die sie benötigen, um die bislang so stabilen Dortmunder doch noch abzufangen. Ob es am Ende gelingt, wird wohl auch maßgeblich vom weiteren Saisonverlauf der Schwarz-Gelben abhängen. Fakt ist jedoch: Nach Jahren der Langeweile an der Spitze kann sich Fußball-Deutschland wohl mal wieder auf einen spannenden Meisterschaftskampf einstellen. Sollte es den Bayern gelingen, im Champions-League-Achtelfinale mit dem FC Liverpool eines der Schwergewichte aus dem Wettbewerb zu befördern, dürfte auch in der Königsklasse noch einiges drin sein für die Kovac-Elf.

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