Gegnercheck: Freiburg und der Faktor Streich

Sonntag, 13.30 Uhr: Eine neue Anstoßzeit für Bayer 04 in der Bundesliga. Wenn die Werkself am 7. Oktober im „Early-Bird“-Spiel beim SC Freiburg antritt, müssen Mannschaft und Fans ihren gewohnten Rhythmus etwas umstellen. Das Ziel bleibt freilich das gleiche: drei Punkte im Breisgau. Zeit für einen Blick auf den Gegner.
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Position

Die Stimmen nach den ersten beiden verlorenen Saisonspielen waren die gleichen, wie man sie in Freiburg häufig schon vor dem Start einer Spielzeit vernommen hat: Der SC ist einer der heißesten Abstiegskandidaten, die Qualität des Kaders reicht nicht aus. Doch diese Kritiker straften die Breisgauer spätestens in der englischen Woche wie so oft Lügen: Beim bis zu diesem Zeitpunkt ungeschlagenen VfL Wolfsburg gewann die Elf von Christian Streich dank starker Leistung mit 3:1, dann wurde Vizemeister Schalke 04 mit 1:0 bezwungen, ehe man am Ende mit 1:4 in Augsburg verlor. Trotz der Pleite gegen die Fuggerstädter ein mit sieben Zählern insgesamt zufriedenstellender Saisonstart für die Freiburger, die am Ende mindestens da stehen wollen, wo sie auch die vergangene Spielzeit abschlossen: Platz 15, über dem Strich.

Personal

Auch wenn er es selbst nur ungerne hört: Der Erfolg des SC Freiburg ist eng mit der Person Christian Streich verknüpft – auch in dieser Saison. An den ersten beiden Spieltagen fehlte der Coach aufgrund eines Bandscheibenvorfalls an der Seitenlinie, konnte auch bei den Trainingseinheiten nicht anwesend sein. Beide Partien gingen bekanntlich verloren, der Aufschwung erfolgte, als Streich am 3. Spieltag wieder auf die Trainerbank zurückkehrte – sieben Punkte aus vier Partien. Der 53-Jährige ist nicht nur das Gesicht des Sportclubs, er ist auch ein Grund, warum sich seit einiger Zeit Spieler für einen Wechsel nach Freiburg entscheiden, die den Weg in den Breisgau zuvor wahrscheinlich nicht gefunden hätten. Die Verpflichtung von Innenverteidiger Dominique Heintz (im Bild oben mit Christian Streich) vor der Saison etwa war für Freiburger Verhältnisse ein echter Coup. Mehrere Bundesligisten waren hinter dem ehemaligen Kölner her, den Zuschlag erhielt der SC – auch wegen Streich, wie Heintz später klarstellte. „Sie entwickeln jedes Jahr viele gute Spieler, ich kann mich dort perfekt weiterentwickeln. Streich hat schon immer ein gutes Händchen bewiesen“, sagte der 25-Jährige dem EXPRESS. Weitere nennenswerte Neuverpflichtungen des Sommers: Mittelfeldmann Jerome Gondorf aus Bremen sowie die Offensivkräfte Roland Sallai (APOEL Nikosia) und Luca Waldschmidt (Hamburger SV). Alle drei stellten prompt ihren Wert unter Beweis, kamen an den ersten Spieltagen regelmäßig zum Einsatz und trafen in der noch jungen Saison jeweils schon für ihren neuen Verein.

Probleme

In Brandon Borrello fällt der fünfte namhafte Neuzugang der Freiburger mit einem Kreuzbandriss noch lange aus, gleiches gilt für den in der vergangenen Saison im defensiven Mittelfeld gesetzten Amir Abrashi. Die Riege der Langzeitverletzten ergänzen die Offensivspieler Yoric Ravet und Tim Kleindienst. Zuletzt gesellten sich auch einige kleinere Blessuren dazu, die die Aufstellung für Streich zum Personalpuzzle machten. Rechtsverteidiger Lukas Kübler, U21-Nationalspieler Janik Haberer, Kapitän Mike Frantz – alles Stammspieler, die zuletzt passen mussten und auch für die Partie gegen Bayer 04 fraglich sind. Besonders schmerzhaft wäre der erneute Ausfall von Topstürmer Nils Petersen (Schultereckgelenkprellung). Gleiches gilt für Rechtsverteidiger Pascal Stenzel, der dieselbe Verletzung erlitt, aber immerhin schon ein wenig weiter im Genesungsprozess ist als Petersen. Es wäre Qualität, die Freiburg nicht so einfach ersetzen kann. Zwar ist der Kader in den letzten Jahren immer breiter geworden, das Gefälle zwischen den Eckpfeilern wie Schwolow, Günter, Haberer oder Petersen und den Kollegen ist jedoch noch erkennbar.

Potenzial

Die Verpflichtung von Heintz und vor allem dessen Begründung zeigt eindrucksvoll: Der SC Freiburg ist auf einem ausgezeichneten Weg. Nachdem sich in der Vergangenheit Spieler wie Matthias Ginter, Vincenzo Grifo oder Maximilian Philipp unter Streich hervorragend entwickelten und für höhere Aufgaben empfehlen konnten, ist der Breisgau eine Top-Adresse für junge, ambitionierte Spieler geworden. Das bringt Freiburg Qualität – und in der Regel auch monetären Ertrag. Dadurch entwickelt sich der Verein wirtschaftlich und strukturell weiter und ist selbst in der Lage, Investitionen zu tätigen – unter anderem in die eigene Nachwuchsarbeit, der schon in den vergangenen Jahren immer wieder Stammspieler entsprangen. Somit ist eine Erstliga-Existenz im Mittelfeld der Bundesliga langfristig gesichert – Ausreißer nach oben und unten vorbehalten.

Prognose

Für eine Saison wie vor zwei Jahren, als Freiburg völlig überraschend als Siebter in die Europa League stürmte, dürfte die Qualität in diesem Jahr wohl nicht ganz ausreichen. Dennoch ist der SC unter Streich stabil genug, um die Klasse am Ende der Spielzeit etwas souveräner zu halten als noch in der vergangenen Saison, als bis zum letzten Spieltag gezittert werden musste. Realistisch erscheint eine Platzierung zwischen Rang 10 und 13. Sollte sich das Lazarett lichten und Freiburg seine Leistungen konstant auf den Platz bringen, ist auch ein einstelliger Tabellenplatz möglich.

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