
Es hätte der Sprung auf den Relegationsplatz werden können, stattdessen wurde das Auswärtsspiel beim VfB Stuttgart für Hannover 96 zum Desaster. Beim direkten Konkurrenten aus dem Schwabenland setzte es eine 1:5-Pleite – ein Ergebnis so deutlich wie die Worte, die die Beteiligten anschließend fanden. „Ich bin ja schon lange im Geschäft, aber so einen Auftritt habe ich noch nicht gesehen“, sagte Trainer Thomas Doll (oben im Bild), der sein Amt Ende Januar angetreten hatte, um die Niedersachsen vor dem Abstieg zu bewahren. „Das, was wir abgeliefert haben, hatte nichts mit Bundesliga zu tun. Jeder, der es mit Hannover 96 hält, kann sich nur schämen“, so der Coach unmittelbar nach Abpfiff. Die sportliche Lage hat sich für 96 durch die Niederlage in Stuttgart deutlich verschärft. Von zwei Punkten Rückstand auf Relegationsplatz 16 wuchs der Abstand auf nun fünf Zähler an, sieben der vergangenen acht Spiele gingen verloren. Bereits im Nachgang des Spiels hatte Doll Konsequenzen angekündigt und fing tags darauf direkt an. Der 52-Jährige strich den trainingsfreien Tag in der Woche vor dem Spiel gegen Bayer 04.
Doch damit nicht genug der Maßnahmen: Am Dienstag sorgte Doll für ein weiteres Ausrufezeichen, indem er Marvin Bakalorz zum neuen Kapitän bestimmte und damit Waldemar Anton, mit 22 Jahren zuvor jüngster Spielführer der Bundesliga, die Binde abnahm. „Er hat es in dieser Situation als Erleichterung empfunden“, ließ Doll über das Gespräch mit dem Innenverteidiger wissen. Da Bakalorz zuletzt kein unumstrittener Stammspieler war, könnte es gut sein, dass der von Doll zum neuen Stellvertreter bestimmte Torhüter Michael Esser das Team gegen Bayer 04 aufs Feld führt. Esser war zuletzt trotz elf Gegentoren in den vergangenen drei Spielen zumeist bester Akteur bei 96 gewesen. Auf viele weitere Leistungsträger muss Doll hingegen aktuell verzichten. In Niclas Füllkrug fehlt den Hannoveranern ihr gefährlichster Stürmer noch bis Saisonende, auch die offensiven Flügel sind durch die verletzungsbedingten Ausfälle von Ihlas Bebou, Linton Maina und Noah Sarenren Bazee derzeit unterbesetzt. Bebou, einer der wichtigsten Spieler für das Angriffsspiel der 96er, trainiert zwar nach langer Ausfallzeit aktuell wieder, die Partie gegen die Werkself dürfte aber noch zu früh für den Togolesen kommen. Die relativ lange Verletztenliste der Niedersachsen wird komplettiert durch Mittelfeldmann Edgar Prib sowie die Defensivkräfte Matthias Ostrzolek, Timo Hübers und Kevin Akpoguma. Abwehrspieler Oliver Sorg sah in Stuttgart zudem die fünfte Gelbe Karte und wird gegen Bayer 04 ebenfalls nicht mitwirken können.
Sorgs Ausfall verschärft die Defensivproblematik in Dolls Team. Seit dem Stuttgart-Spiel stellt Hannover mit 55 Gegentoren die schwächste Abwehr der Bundesliga, in den vergangenen Wochen stimmten die Abstände sowie die Zuordnung häufig nicht bei den Niedersachsen. Hinzu kommt, dass sich die Abwehrreihe aufgrund der zahlreichen Ausfälle beinahe von selbst aufstellt. Neben Anton, der zuletzt im defensiven Mittelfeld agierte, bleiben nur noch Felipe, Kevin Wimmer und Josip Elez fürs Zentrum, Miiko Albornoz und Julian Korb sind derzeit die einzigen Außenverteidiger, die zum Einsatz kommen können. Vor dem Hintergrund der sich zuletzt häufenden Abstimmungsprobleme im Defensivverbund keine optimale Ausgangslage.
Die Qualität im Kader wird durch das üppig bestückte Lazarett derzeit klar beeinträchtigt, ist aber durchaus vorhanden. Vor allem die Eigengewächse machen den 96ern Hoffnung für die Zukunft. Innenverteidiger Anton schwang sich in jungem Alter zum Stamm-und Führungsspieler auf, die beiden derzeit verletzten Flügelspieler Maina und Sarenren Bazee deuteten ebenfalls bereits ihr großes Potenzial an und werden aktuell schmerzlich vermisst. Alle drei Spieler kommen aus dem eigenen Nachwuchs und dürften die nächsten Jahre in Hannover entscheidend mitprägen.
Die deutliche Niederlage in Stuttgart und das kleine Beben danach könnten Signalwirkung auf die Mannschaft haben – muss es aber auch. Wenn Hannover den Abstieg aus der Bundesliga noch verhindern will, ist eine Trendwende in den kommenden Wochen unausweichlich. Noch hält sich der Rückstand auf den Relegationsplatz in aufholbaren Grenzen, doch Leistung und Ergebnisse müssen sich schnellstens ändern. Entscheidend für das Gelingen der Mission Klassenerhalt dürfte wohl auch sein, ob sich die Verletztenliste schnell verkürzt und die Rekonvaleszenten wieder an ihre Bestform anknüpfen können.


Ein Überblick über die aktuellen Ticket-Verkäufe der Heim- und Auswärtsspiele der Werkself in der Saison 2026/27.
Mehr zeigen
Im Rahmen des 1. Spieltags der Ligaphase der UEFA Europa League 2026/27 empfängt Bayer 04 den slowenischen Meister NK Celje in der BayArena. Die Partie steigt am Mittwoch, 16. September, um 21 Uhr. Alle Infos zum freien Ticketverkauf. Hinweis: Der Stehplatz-Bereich SG1-SG3 gehört zu diesem Spiel ebenfalls zum Heimbereich.
Mehr zeigen
„Diaby! Diaby! Diaby!“ hallte es nach dem überzeugenden 4:0-Heimerfolg gegen den 1. FC Union Berlin lautstark durch die BayArena, als die Werkself vor der Nordkurve geschlossen zum Feiern antanzte. Kapitän Edmond Tapsoba schob seinen neuen – und alten – Teamkollegen dabei leicht nach vorn in die erste Reihe, direkt vor die Kurve. Der Bayer 04-Rückkehrer bedankte sich gewohnt bescheiden, dafür mit einem umso breiteren Lächeln im Gesicht, bei den Fans. Sie hatten auch in den 90 Minuten zuvor ihren großen Anteil am gelungenen ersten Bundesliga-Nachmittag der neuen Saison in der BayArena.
Mehr zeigen
Werkself-TV zeigt die Pressekonferenz nach dem 4:0-Erfolg gegen den 1. FC Union Berlin am 2. Bundesliga-Spieltag 2026/27 mit den beiden Cheftrainern Mauro Lustrinelli und Carles Martínez...
Mehr zeigen