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14.03.2019Bundesliga

Gegnercheck: Bremer Serientäter auf dem Weg nach oben

Sonntagsbrunch in der BayArena: Zur immer noch etwas ungewohnten Zeit von 13.30 Uhr empfängt die Werkself am Sonntag, 17. März, den SV Werder Bremen. Das Team von Trainer Florian Kohfeldt befindet sich derzeit im Aufwind und kommt mit mehreren beeindruckenden Serien im Rücken nach Leverkusen – allerdings auch mit akuter Personalnot auf einer Position.
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Position

Der Blick richtet sich nach oben an der Weser. Nach zuvor drei Unentschieden in Folge schlugen die Grün-Weißen am Freitag Schalke 04 mit 4:2 und verbesserten sich auf den neunten Tabellenrang. Platz sieben, der unter Umständen für die Qualifikation zur Europa League reichen könnte, ist gerade einmal drei Punkte entfernt. Ausschlaggebend für die Bremer Europapokal-Träume: zwei beeindruckende Serien. Seit acht Spielen hat Werder in der Bundesliga nicht mehr verloren und ist in der kompletten Rückrunde noch ungeschlagen – als einziges Team der Liga neben Eintracht Frankfurt. Auch in einer anderen Kategorie sucht eine Serie der Bremer ligaweit ihresgleichen. Nicht die Star-Ensembles aus München oder Dortmund oder die hochgelobten Offensivreihen aus Frankfurt, Hoffenheim und Leverkusen bilden den verlässlichsten Angriff im deutschen Oberhaus, sondern das Team von Florian Kohfeldt. Als einzige Mannschaft der Bundesliga hat Bremen in jedem einzelnen Saisonspiel mindestens einmal getroffen.

Personal

Eine dritte beeindruckende Serie fand beim Heimspiel gegen Schalke seine Fortsetzung. Werder-Kapitän Max Kruse verwandelte einen Strafstoß zum wichtigen 2:1 – es war sein 13. Treffer vom Punkt im 13. Versuch in der Bundesliga, nur zwei Spieler der Bundesliga-Historie traten noch häufiger zum Elfmeter an, ohne einen Fehlschuss zu fabrizieren. Doch nicht nur seine Nervenstärke vom Punkt macht Kruse für Bremen unverzichtbar. Werder-Coach Kohfeldt (im Bild oben mit Max Kruse) sagte nach dem Schalke-Spiel am Eurosport-Mikrofon: „Es war mal wieder so ein Tag, an dem jeder gesehen hat, wie wichtig Kruse für uns ist.“ Der 30-Jährige glänzt bei Bremen als Spielmacher und Torjäger in Personalunion, ist sowohl bester Torschütze als auch bester Vorlagengeber – und das in einer Offensive, in der Trainer Kohfeldt über ein vielseitiges Angriffsarsenal verfügt: Neben Kruse wären da noch der extrem schnelle Milot Rashica, mit sechs Toren in der internen Torjägerliste gleichauf mit Kruse, der arbeitsame Martin Harnik, die beiden unbekümmerten Youngster Josh Sargent (19) und Johannes Eggestein (20) sowie Routinier und Vereins-Legende Claudio Pizarro. Der 40-Jährige musste zwar am vergangenen Wochenende den Titel des besten ausländischen Torschützen der Bundesliga-Historie an Robert Lewandowski abtreten, sicherte sich aber Mitte Februar mit seinem Last-Minute-Treffer gegen Hertha BSC als „ältester Torschütze der Ligageschichte“ einen Platz in den Geschichtsbüchern. Ob er am Wochenende mit ins Rheinland reist, stand jedoch Mitte der Woche noch nicht fest. Pizarro erlitt am Mittwoch eine Oberschenkelverletzung. Dafür kann Kohfeldt auf einen anderen Offensivmann von Format wieder zurückgreifen: Der flinke Fin Bartels feierte gegen Schalke mit seiner Einwechslung kurz vor Ende sein Comeback nach fast 15-monatiger Verletzungspause und stellt für Kohfeldt gegen die Werkself sicher wieder eine gefährliche Option als Joker dar.

Probleme

Alle Anhänger von Bayer 04 werden sich noch gerne an das Hinspiel erinnern, als die Werkself im Bremer Weserstadion groß auftrumpfte und mit 6:2 gewann. Zwar kassierte Werder in der laufenden Saison nicht noch einmal annähernd so viele Tore wie gegen die damals entfesselnd aufspielende Leverkusener Offensive, dennoch ist in einer durchweg stabilen Mannschaft die Abwehrreihe noch am ehesten als Achillesferse zu bezeichnen. Nach dem Schalke-Spiel fand Florian Kohfeldt deutliche Worte in Richtung Linksverteidiger Ludwig Augustinsson. „Bei aller Liebe, das geht nicht. Das habe ich selten gesehen“, sagte der Werder-Coach über den Schweden, nachdem dieser bei einer Ecke dem Ball den Rücken zugedreht und somit dem Schalker Breel Embolo den zwischenzeitlichen Anschlusstreffer zum 2:3 ermöglicht hatte. Problematisch für das Spiel gegen Bayer 04: Milos Veljkovic handelte sich seine fünfte Gelbe Karte ein und fehlt in Leverkusen gesperrt. Da sein Backup Sebastian Langkamp noch verletzt ausfällt, ergibt sich in der Innenverteidigung ein akuter Personalmangel für Kohfeldt, der die vakante Stelle neben Niklas Moisander wohl mit einer fachfremden Lösung wie dem von Bayern München ausgeliehenen Außenverteidiger Marco Friedl besetzen könnte.

Potenzial

In Kohfeldt hat Bremen einen jungen Trainer und eine echte Identifikationsfigur gefunden, mit der der Verein kontinuierlich vom Abstiegskandidaten zurück zum Europapokal-Teilnehmer werden will. Zentraler Baustein für Kohfeldt, der zuvor selbst Werders Jugendmannschaften sowie die U23 betreute: ein umfangreiches Nachwuchskonzept, das nachhaltig Spieler aus den eigenen Reihen an die Profimannschaft heranführen soll. Paradebeispiel für einen solchen Weg ist Mittelfeldmann Maximilian Eggestein, der sogar schon in das Blickfeld des Bundestrainers geraten ist. Eggesteins jüngerer Bruder Johannes glänze in dieser Saison ebenfalls bereits mit drei Toren, außerdem stand in Jean-Manuel Mbom (19) ein weiteres Eigengewächs zuletzt erstmals im Profikader.

Prognose

Werder wirkt außerordentlich stabil, die variable Offensive ist immer für ein Tor oder auch mehrere gut. Sollte auch die Abwehr konstant bleiben, könnte die Rückkehr aufs internationale Parkett nach neunjähriger Abstinenz Realität werden – ob über Platz sieben in der Liga oder über das Erreichen des Pokalfinals. Denn auch hier ist Werder nach dem dramatischen Sieg im Elfmeterschießen über den BVB noch vertreten und trifft im Viertelfinale auf den FC Schalke 04.

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