
Zunächst noch einmal zurück zum Sieg gegen den VfB Stuttgart: Wie enorm wichtig die drei Punkte für den FC St. Pauli im Kampf um den Klassenerhalt sind, zeigt schon allein ein Blick auf die Tabelle. Zwar stehen die Hamburger immer noch auf einem Abstiegsplatz, aber dank der gleichzeitigen Niederlagen des SV Werder Bremen (0:1 beim SC Freiburg) und des VfL Wolfsburg (1:2 gegen Borussia Dortmund) beträgt der Rückstand auf den Relegationsrang statt zuvor vier jetzt nur noch zwei Punkte. Und selbst Platz 15 ist nur noch zwei Zähler entfernt und nicht mehr fünf. „So ein Sieg gibt dir immer einen Schub und Energie, vor allem nach einer längeren Durststrecke“, sagte Mittelfeldakteur Mathias Rasmussen. „Heute haben wir Charakter und Mentalität gezeigt“, betonte Schienenspieler und Torschütze Manolis Saliakas. „Wir sind zurück.“
Die Braun-Weißen hatten sich mit viel Leidenschaft den Erfolg gegen die Schwaben verdient, für die es die erste Niederlage im neuen Jahr war. Nach dem 1:0 von Saliakas vor der Pause erhöhte Stürmer Danel Sinani kurz nach dem Seitenwechsel per Elfmeter auf 2:0. Stuttgart gelang durch Jamie Leweling in der 90. Minute nur noch der Anschlusstreffer am Millerntor. Mann des Spiels war St. Paulis Kapitän Jackson Irvine, der trotz großer Schmerzen im operierten Fuß über die volle Distanz ging. Der Australier stand erstmals in diesem Jahr in der Startformation und bekam ein Sonderlob von Trainer Alexander Blessin: „Wir wollten ihn eigentlich nur eine Halbzeit spielen lassen, in der Pause haben wir uns zusammengetan und haben gesagt, dass eine Viertelstunde guttun würde. In der Summe waren es dann 96 Minuten. Er hat es durchgezogen, unter großen Schmerzen. Das muss man einfach mal würdigen. Er hat uns gutgetan. Es war eine top Performance, wir sind froh und glücklich, dass wir uns für ein gutes Spiel endlich auch mal belohnt haben.“
Irvine selbst war „total happy“ und gestand hinterher: „Es war vielleicht eines der härtesten Spiele meiner Karriere.“ Dass der 32-Jährige auf die Zähne beißt, ist angesichts der angespannten Personallage bei den Kiezkickern umso wichtiger. Beim Auswärtsspiel in Leverkusen wird Blessin unter anderem auf seinen pfeilschnellen Angreifer Ricky-Jade Jones verzichten müssen. Der hatte sich beim 0:3 im Pokal-Viertelfinale in der BayArena Anfang des Monats einen Syndesmosebandriss zugezogen und wird seinem Klub mehrere Monate fehlen. Darüber hinaus müssen weiterhin Verteidiger David Nemeth (Adduktoren-OP), Mittelfeldspieler Connor Metcalfe (Knieprobleme) und Stürmer Andreas Hountondji (Haarriss im Sprunggelenk) passen. Fraglich ist zudem, ob in der Defensive die zuletzt vermissten Hauke Wahl (Innenbandzerrung) und Eric Smith (Fersenprobleme) zurückkehren können. Auch Mathias Pereira Lage und Joel Chima Fujita stehen möglicherweise nach muskulären Problemen noch nicht in der Startelf.
Trotz anhaltender Verletzungssorgen rechnen sich die Norddeutschen etwas aus in der BayArena. „Es wird ein schwieriges Spiel“, glaubt Mathias Rasmussen. Im Rückblick auf das letzte Duell mit der Werkself vor anderthalb Wochen sagt der Norweger aber auch: „Wenn wir unsere Chancen nutzen, können wir auch Leverkusen schlagen. Wir müssen versuchen, dass sie keine Lösungen finden und frustriert werden. Sie sind ein starkes Team, haben defensiv aber noch ein paar Probleme. Wir müssen immer wach sein und können es uns nicht erlauben, in manchen Momenten abzuschalten. Das wird bestraft. Wir müssen also wachsam sein, aber dürfen dennoch keine Angst haben, unsere eigenen Momente zu kreieren.“
Diese eigenen Momente hatte der FC St. Pauli beim 0:3 in der BayArena durchaus. Vor allem in der ersten Halbzeit besaßen die Hanseaten durch Martijn Kaars (4./40.) und Fujita (23.) gute Tormöglichkeiten. Das Blessin-Team kombinierte ansehnlich und blieb bei einigen Umschaltaktionen gefährlich. Effizienter war jedoch die Werkself, die Martin Terrier (32.) in der ersten Hälfte in Führung gebracht hatte. Im zweiten Durchgang hatte Bayer 04 das Geschehen weitestgehend im Griff. Patrik Schick (63.) und Joker Jonas Hofmann (90.+2) schraubten das Ergebnis auf 3:0 und besiegelten damit das Pokal-Aus der Kiezkicker.
Auch in der Bundesliga-Hinrunde mussten sich die Hamburger den Gästen aus Leverkusen geschlagen geben. Schwarz-Rot siegte am Millerntor durch Treffer von Edmond Tapsoba und Ernest Poku bei einem Gegentreffer von Hauke Wahl mit 2:1. Geht’s nach dem FC St. Pauli, soll nun im dritten Anlauf erstmals etwas Zählbares gegen die Werkself herausspringen.

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