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20.02.2026Bundesliga

Gegner-Check: Über ein starkes Kollektiv zurück in die Erfolgsspur

Sie haben zu Hause dem FC Bayern München einen Punkt abgetrotzt, den VfB Stuttgart und RB Leipzig bezwungen: Gerade gegen die Topklubs der Liga performt der 1. FC Union Berlin in der laufenden Saison. An diesem Samstag, 21. Februar (Anstoß: 15.30 Uhr/live bei Sky und im Werkself-Radio), empfangen die Eisernen nun die Werkself, den aktuellen Tabellensechsten, im Stadion An der Alten Försterei. Und die Gastgeber bräuchten dringend mal wieder ein Erfolgserlebnis. Der Gegner-Check.
1. FC Union Berlin

Position

Der 1. FC Union Berlin hat seit sieben Bundesligaspielen in Folge nicht mehr gewonnen. Aus den vergangenen vier Partien holten die Köpenicker nur einen Punkt. Union erlebt seinen bislang schwächsten Rückrundenstart seit der Bundesliga-Zugehörigkeit 2019. „Wir sind nicht gut ins neue Jahr gekommen, sieben Spiele ohne Sieg sind nicht gut, das wissen wir selbst“, konstatiert Derrick Köhn – und hofft auf einen zeitnahen Turnaround: „Wir müssen weitermachen und versuchen, nächste Woche das Spiel zu Hause zu gewinnen.“ Gegen die Werkself also soll der Negativtrend gestoppt werden und endlich wieder ein Erfolgserlebnis her. Den bis dato letzten Sieg fuhr Union kurz vor Weihnachten am 15. Spieltag beim 1. FC Köln ein (1:0). Es folgten vier Remis und drei Niederlagen, zuletzt verlor man am vergangenen Wochenende mit 2:3 beim Hamburger SV.

Auf den ersten Blick ist damit in der Tabelle kein wirklicher Absturz verbunden. Von Platz acht ging es runter auf Rang zehn. Aber punktetechnisch sieht die Sache schon kritischer aus. Während Union Ende vergangenen Jahres nur fünf Punkte Rückstand zu einem internationalen Platz hatte, sind es nun 14. Gleichzeitig schrumpfte der Vorsprung vor dem Relegationsrang von neun auf sechs Zähler.

Dabei hatte die Saison vielversprechend begonnen für die Berliner. Das Team von Trainer Steffen Baumgart gewann unter anderem gegen Klubs aus dem oberen Tabellendrittel wie den VfB Stuttgart (2:1), Eintracht Frankfurt (4:3) und RB Leipzig (3:1). Zwischendurch beendeten die Köpenicker am 10. Spieltag die Siegesserie des FC Bayern München, den sie im Stadion An der Alten Försterei sogar am Rande einer Niederlage hatten, ehe Harry Kane in der dritten Minute der Nachspielzeit doch noch der 2:2-Ausgleich für die Münchner gelang. Und auch im Achtelfinale des DFB-Pokals lieferte Union dem Rekordmeister einen packenden Fight, verlor am Ende nach einer starken Leistung auch wegen zweier Eigentore unglücklich 2:3.

Doch im neuen Jahr ist noch der Wurm drin bei den Berlinern. „Wir machen gerade zu viele Fehler“, sagte Steffen Baumgart nach der jüngsten Niederlage in Hamburg. „Ich kann der Mannschaft nichts vorwerfen, was die Willenskraft angeht. Trotzdem verlierst du ein Spiel, wenn du diese Fehler machst. Fußball ist ein Fehlersport, aber zu viele dürfen es nicht sein, und das gilt es nächste Woche besser zu machen.” Ob die Werkself, die das Hinrunden-Duell mit 2:0 für sich entscheiden konnte, da als nächster Topklub gerade recht kommt?

Personal

In den vergangenen beiden Spielen vertraute Baumgart bis auf eine Ausnahme derselben Startelf. Gegen Hamburg rückte Stürmer Andrej Ilic für den offensiven Mittelfeldspieler Andras Schäfer ins Team. Vor Torhüter Frederik Rönnow sind in der Abwehr die Innenverteidiger Danilho Doekhi und Leopold Querfeld gesetzt. Beide standen bislang in allen 22 Bundesliga-Partien in der Anfangsformation und zählen zu den Top 20-Spielern der Liga mit den besten Zweikampfwerten. Für den seit einigen Wochen verletzten Diogo Leite (Oberschenkelprobleme) übernahm zuletzt Stanley Nsoki die linke Seite in der Dreierkette. Im zentralen defensiven Mittelfeld bilden Rani Khedira und Aljoscha Kemlein ein eingespieltes Duo. Derrick Köhn und Kapitän Christopher Trimmel kamen als Schienenspieler zum Einsatz, Woo-yeong Jeong, Ilyas Ansah und Andrej Ilic bildeten das Angriffstrio. Alternativ stehen in Mittelfeld und Sturm Spieler wie Andras Schäfer, Tim Skarke, Alex Kral, Oliver Burke oder der 21 Jahre junge Livian Burcu bereit. Verletzungsbedingt fehlen am Samstag neben Diogo Leite auch weiterhin die Verteidiger Tom Rothe (Aufbautraining) und Josip Juranovic (Wadenprobleme) sowie Mittelfeldakteur Robert Skov (Aufbautraining).

Probleme

„Wir haben jetzt in den letzten vier Spielen zehn Gegentore gefangen und das ist einfach zu viel für die Bundesliga”, übte Kapitän Christopher Trimmel nach dem 2:3 in Hamburg Selbstkritik. „Wir haben den Matchplan nicht umgesetzt und das liegt nur an uns Spielern. Da müssen wir uns an die eigene Nase fassen.“ Schienenspieler Derrick Köhn ärgerte sich über die Entstehung der Gegentreffer: „Wir fangen uns gerade zu einfach die Konter, und das darf uns eigentlich nicht passieren.“ In der Tat: Alle drei Treffer gelangen dem HSV nach Kontern. Insgesamt schlug es bereits siebenmal nach schnellen Umschaltmomenten des Gegners im Gehäuse von Frederick Rönnow ein. Nur zwei Mannschaften kassierten noch mehr Konter-Gegentore.

Was das Spiel nach vorne betrifft, fehlt es den Eisernen in manchen Bereichen an Präzision. Sowohl bei der Passquote (72 %) als auch bei der Schussgenauigkeit (37 %) belegen die Berliner den letzten Platz. Selbst das Spiel machen gegen vermeintlich schwächere Gegner liegt ihnen nicht. Union weist den geringsten Ballbesitz (38 %) auf und spielt im Schnitt die wenigsten Pässe pro Spiel (324). Vor allem zu Hause in der Alten Försterei taten sich die Köpenicker oft schwer: Sie gewannen nur drei von elf Heimspielen, holten lediglich 14 Punkte vor eigenem Publikum – und spielen damit die schwächste Heim-Saison in ihrer noch jungen Bundesliga-Geschichte. 

Prunkstück

Union kommt auch in dieser Saison übers Kollektiv. Hohe Laufbereitschaft und Intensität zählen seit jeher zur DNA der Eisernen. Dass sie die meisten Zweikämpfe (109) aller Teams pro Spiel führen, wundert daher nicht. Wenn die Berliner ihre Stärken voll ausspielen, dann kann es so laufen wie in der zweiten Halbzeit beim 3:1-Sieg gegen RB Leipzig Mitte Dezember: Nach aggressivem Pressing und schnellem Umschalt- und Kombinationsspiel erzielte Union zwei seiner drei Treffer. Das letzte Tor war zudem eine Ko-Produktion dreier Joker – auch das spricht für ein funktionierendes Kollektiv. „Bei uns nimmt sich keiner zu wichtig“, sagte Baumgart nach der vielleicht besten zweiten Halbzeit der Köpenicker in dieser Saison. Eine zentrale Rolle nicht nur in dieser Partie nahm Mittelfeldakteur Aljoscha Kemlein ein. Der 21 Jahre alte gebürtige Berliner ist unermüdlicher Balleroberer und spielstarker Dirigent in einer Person. „Mit seiner Zweikampfstärke und seiner Ausdauer verkörpert das Eigengewächs die typischen Attribute eines Union-Fußballers, aber im Ballbesitz ist er eine Klasse besser als die meisten seiner Kollegen“, hieß es beim rbb24 (Rundfunk Berlin-Brandenburg) nach dem Sieg gegen Leipzig.

Aufpassen sollte die Werkself bei den Standards der Berliner, die schon traditionell zu ihren Stärken zählen. Zwölf seiner insgesamt 28 Treffer erzielte Union nach ruhenden Bällen, darunter zwei von Leopold Querfeld verwandelte Elfmeter. Dessen Innenverteidiger-Kollege Danilho Doekhi traf ebenfalls nach Standards zweimal beim 2:2 gegen den FC Bayern. Es war bereits der zweite Doppelpack des Niederländers in dieser Saison. Bester Vorbereiter bei den Eisernen ist mit neun Assists Stürmer Andrej Ilic, dem am vergangenen Wochenende in Hamburg auch sein erster Saisontreffer gelang.

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