
Seit fünf Spielen ist Holstein Kiel in der Bundesliga ohne Sieg. Überhaupt konnten die Norddeutschen in ihrer ersten Saison im deutschen Fußball-Oberhaus bislang von 22 Partien nur drei gewinnen. Auf den ersten Sieg musste die Mannschaft von Trainer Marcel Rapp bis zum 9. Spieltag warten, an dem ihr ein 1:0 gegen den 1. FC Heidenheim 1846 gelang. Zwei weitere Erfolge fuhr sie ebenfalls zu Hause im Holstein-Stadion gegen den FC Augsburg (5:1) und Borussia Dortmund (4:2) ein. Ansonsten stehen vier Remis und 15 Niederlagen zu Buche. Durch das 1:3 am vergangenen Wochenende bei Eintracht Frankfurt rutschten die Störche erstmals seit dem 5. Spieltag wieder auf den letzten Tabellenplatz ab. „Uns ist es gelungen, phasenweise gut mitzuspielen, aber wir haben insgesamt zu viele Fehler gemacht – mich eingeschlossen“, bekannte Innenverteidiger David Zec nach der Partie selbstkritisch. „Mein Fehlpass vor dem dritten Gegentor tut mir leid, aber wir müssen jetzt nach vorne schauen und versuchen, die positiven Dinge mitzunehmen.“ Auch Stürmer Fiete Arp gibt sich kämpferisch: „Es sind noch genug Spiele zu absolvieren, sodass wir noch weitere Möglichkeiten haben, zu Punkten zu kommen.“ Aktuell stehen 13 Zähler auf der Haben-Seite. Der Abstand zum Relegationsrang beträgt nur einen Zähler. Die TSG Hoffenheim auf Platz 15 ist allerdings bereits acht Punkte entfernt.
Vor dem kommenden Gegner Bayer 04 zeigt Fiete Arp großen Respekt: „Die Art und Weise, wie sie Fußball spielen, wie variabel sie sind, wie taktisch und technisch sauber diese Mannschaft spielt – das ist einfach ein Augenschmaus.“ Arp hatte in der Hinrunde in Leverkusen nach dem frühen 0:2-Rückstand und dem Anschlusstreffer von Max Geschwill schließlich per Elfmeter den 2:2-Ausgleich für die Norddeutschen erzielt. „Es war eines dieser Spiele, das uns gezeigt hat, was möglich ist, wenn wir über unser Limit gehen“, sagt Arp. Und der „Bock auf eine Wiederholung“ dieser Leistung werde am Samstag nicht nur bei ihm groß sein.
Holsteins Coach Marcel Rapp plagen arge Verletzungssorgen. Beim 1:3 in Frankfurt fielen neben den Offensivkräften Steven Skrzybski (muskuläre Probleme), Alexander Bernhardsson (Halteband der Patella gerissen) und Benedikt Pichler (muskuläre Probleme) auch Stammtorhüter Timon Weiner (Infekt) sowie die Innenverteidiger Carl Johansson (Knieprobleme) und Colin Kleine-Bekel (Aufbau nach Kreuzbandriss), Mittelfeldspieler Patrick Erras (Gehirnerschütterung) und Schienenspieler John Tolkin (Oberschenkelverletzung) aus. Letzterer war im Winter von den New York Red Bulls nach Kiel gewechselt. Für das Spiel gegen Bayer 04 muss Rapp nun auch noch auf Verteidiger Ivan Nekic (muskuläre Probleme) verzichten. Der Kroate, der vor wenigen Wochen vom NK Varazdin verpflichtet wurde, hatte erst gegen Frankfurt sein Startelf-Debüt für Holstein gegeben. Seine Position in der Abwehr könnte Marko Ivezic übernehmen. Fehlen wird am Samstag ebenfalls Mittelfeldakteur Marvin Schulz (Muskelverletzung im Adduktorenbereich).
Und ein Fragezeichen steht zudem hinter Stammkraft Finn Porath. Die Nummer 8 der Störche kam bislang als einziger Spieler seiner Mannschaft in allen 22 Bundesliga-Partien zum Einsatz. Auch der 27-Jährige hat aktuell muskuläre Probleme. Alternativ stünden Lasse Rosenboom und Dominik Javorcek für die Außenbahnen zur Verfügung. Im zentralen Mittelfeld dürften Kapitän Lewis Holtby und Armin Gigovic gesetzt sein. Für den Angriff stehen Phil Harres, Fiete Arp und Shuto Machino bereit.
Mit 57 Gegentoren stellt der Aufsteiger die schwächste Defensive der Liga. Nur einmal spielten die Schleswig-Holsteiner bislang zu Null. Kein Wunder also, dass die Störche im Tableau bis dato auch die meisten Torschüsse gegen sich zuließen (382). Anfällig ist Kiel vor allem bei Standards (15 Gegentore), Kontern (5) und in der Luft – 13 Kopfball-Gegentore sind der schlechteste Wert in der Liga. Auswärts fuhr Holstein Kiel in der laufenden Saison erst drei Punkte ein – einen davon beim 2:2 gegen die Werkself in der Hinrunde. Gewinnen konnten die Norddeutschen fernab der Heimat noch kein einziges Spiel.
Kiel steht für mutigen Offensivfußball. Der Tabellenletzte hat in 22 Spielen beachtliche 34 Tore erzielt – und damit nur zwei weniger als der Tabellenvierte RB Leipzig und eines weniger als der 1. FSV Mainz 05 auf Rang sechs. Allein in den vergangenen acht Spielen trafen die Kieler 20-mal. Aufpassen sollte die Werkself insbesondere bei Standards der Störche: Mit zehn Toren nach ruhenden Bällen liegen sie auf Platz sieben in diesem Ranking. Im Angriff verfügt Trainer Marcel Rapp über viel Qualität. Erfolgreichste Torschützen sind der Japaner Shuto Machino und Phil Harres mit jeweils sieben Treffern. Aber auch ihr Stürmerkollege Fiete Arp (2) sowie die derzeit verletzten Steven Skrzybski (4), Alexander Bernhardsson (2) und Benedikt Pichler (1) haben bereits getroffen.
Die Mannschaft beweist jedoch auch ersatzgeschwächt enorme Widerstandsfähigkeit und gibt sich nie auf. Vor allem in der Schlussviertelstunde schlägt Kiel oft noch zu. Der kicker errechnete vor dem 2:2 gegen den VfL Bochum 1848 am 21. Spieltag, dass Holstein mit 31 Punkten und 13:7 Toren Tabellenzweiter wäre, wenn nur die letzten 15 Minuten zählen würden. Beim 3:4 gegen den FC Bayern München vor drei Wochen etwa traf Skrzybski in der Nachspielzeit noch zweimal. Kiel gewann nach Rückständen immerhin sieben Punkte, nur fünf Teams haben diesbezüglich einen besseren Wert.

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