Zurück zur Übersicht
19.04.2021Bundesliga

Gegner-Check: Titel gewonnen – Trainer verloren?

Im Rahmen der Englischen Woche wartet auf die Werkself eine der traditionell größten Herausforderungen des Kalenderjahres – auswärts beim FC Bayern München. Vor dem Auswärtsspiel in der Allianz Arena am Dienstag, 20. April (Anstoß: 20.30 Uhr), gab es beim Serienmeister einen Paukenschlag.
imago1001193059h.jpg

Position

Der Sieg im Spitzenspiel: plötzlich Nebensache. Der dadurch nahende neunte Meistertitel: ebenfalls. Nach dem 3:2-Erfolg in Wolfsburg verkündete Bayern-Coach Hansi Flick, den Verein im Sommer verlassen zu wollen – und wurde damit in der deutschen Sportmedienlandschaft zum Thema Nummer eins. Dabei ist trotz Flicks klarer Ansage („Ich möchte am Ende der Saison aus meinem Vertrag raus!“) noch nicht endgültig geklärt, ob es auch so kommt. „Ich habe nur den Wunsch geäußert“, stellte der Erfolgstrainer klar. „Ich weiß auch, dass ich einen Vertrag habe.“ Und der gilt noch bis 2023.

Sollte der Abgang Realität werden, würde im Sommer eine gut eineinhalbjährige Erfolgsgeschichte enden. Flick hatte die Bayern im November 2019 zunächst interimsweise übernommen und im Anschluss alles gewonnen, was es zu gewinnen gab. Deutscher Meister, DFB-Pokalsieger, Champions-League-Sieger, DFL- und UEFA-Super-Cup-Sieger und schließlich auch noch Klub-Weltmeister – mehr geht nicht. In dieser Saison kann es nun nur noch ein Titel werden – der allerdings ist seit dem Samstag sehr wahrscheinlich. Nach dem frühen Aus im DFB-Pokal gegen Holstein Kiel und dem knappen Scheitern gegen Paris Saint-Germain im Champions-League-Viertelfinale liegt der FC Bayern voll auf Kurs 31. Meisterschaft. Die Münchner nutzten das Remis von Verfolger RB Leipzig am Freitagabend, besiegten auch die in dieser Saison so starken Wolfsburger auswärts und haben nun sieben Punkte Vorsprung auf Rang zwei. Gegen die Werkself könnte der FCB also einen großen Schritt in Richtung Schale machen. Es könnte eine Art Abschiedsgeschenk für Flick werden.

Personal

Bei all den Nebengeräuschen der vergangenen Tage rund um den FC Bayern geriet der Name Robert Lewandowski beinahe schon ein wenig in Vergessenheit. Dabei kann der aktuelle Weltfußballer noch immer die historische 40-Tore-Marke von Gerd Müller aus der Saison 1971/72 knacken. Es wäre sogar sehr wahrscheinlich gewesen, hätte der Pole sich nicht bei der Nationalmannschaft eine Bänderdehnung zugezogen. Die wird ihn aller Voraussicht nach nun auch noch das Spiel gegen die Werkself kosten. Lewandowski befindet sich mittlerweile zwar wieder im Training, wird dem Vernehmen nach aber erst am kommenden Wochenende gegen den 1. FSV Mainz 05 wieder im Aufgebot stehen.

Neben Lewandowski dürften auch noch weitere Stammspieler ausfallen. Die Einsätze von Niklas Süle (Muskelfaserriss) sowie Serge Gnabry (Coronavirus) gelten als unwahrscheinlich. Offen ist noch, ob Mittelfeldmann Leon Goretzka gegen die Werkself mitwirken kann. Der Nationalspieler galt eigentlich als Option für einen Kaderplatz in Wolfsburg, seine Oberschenkelzerrung ließ dann aber doch noch keinen Einsatz zu. Die FCB-Personaldecke war dadurch gerade in der Mittelfeldzentrale stark ausgedünnt, da auch Corentin Tolisso nach seinem im Februar erlittenen Sehnenriss noch keine Option darstellt, und Marc Roca zuletzt mit einer Knieprellung ausfiel. Zudem muss Flick gegen die Werkself aller Voraussicht nach auf Offensivmann Douglas Costa verzichten, für den das Spiel nach Haarriss im Mittelfuß wohl noch zu früh kommt.

Prunkstück

Dass die Bayern selbst ohne Weltfußballer Lewandowski und Co. noch nahe dran am Weiterkommen gegen PSG waren und das Auswärtsspiel in Wolfsburg siegreich gestalten konnten, sagt eigentlich schon alles aus über die Qualität dieses Teams. Welche ungemeine Durchschlagskraft vor allem in der Offensive steckt, zeigte vor allem die erste Hälfte gegen die Wölfe. Ohne Lewandowski, ohne Gnabry und auch ohne den zunächst geschonten Kingsley Coman gelangen den Bayern drei Treffer gegen die zweitbeste Defensive der Liga. Thomas Müller verzeichnete bereits seine 17. Torvorlage in dieser Saison und jagt damit seinen eigenen Bundesliga-Rekord aus dem Vorjahr (21), zudem glänzte der erst 18-jährige Jamal Musiala mit seinem ersten Bundesliga-Doppelpack und ist nun der jüngste Spieler der Liga-Historie mit sechs Treffern im Oberhaus. Allerdings: Sollte Werkself-Juwel Florian Wirtz bis Saisonende noch ein Tor gelingen, wäre Musiala diesen Rekord wieder los.

Probleme

Der sehr attraktive Spielstil, den die Bayern unter Flick pflegen, ging in dieser Saison häufiger auf Kosten der Defensive. Trotz eines Torwarts namens Manuel Neuer, der noch immer absolute Weltklasse verkörpert, kassierte der Tabellenführer schon 38 Gegentore und liegt damit im ligaweiten Vergleich nur auf Platz fünf – beispielsweise hinter der Werkself. In gerade einmal 7 der 29 Spiele behielt Neuer die „Weiße Weste“ – zu wenig für die Ansprüche des Rekordmeisters. Zum Vergleich: Lukas Hradecky kommt auf ein Zu-Null-Spiel mehr – obwohl er fünfmal verletzungsbedingt passen musste.

Prognose

Nach dem vergangenen Wochenende deutet alles auf die nächste Meisterschaft des FC Bayern hin. Selbst eine beispiellose Verletzungsmisere, das Champions-League-Aus und diverse Nebengeräusche konnten die Mannschaft zuletzt nicht bremsen – und die Werkself ist Bayerns letzter Gegner aus dem oberen Tabellendrittel. Viel spannender als die Frage „Meister oder nicht?“ dürfte sein, was sich personell im Sommer an der Säbener Straße tut. Der Gesprächsstoff dürfte den Bayern-Fans in den kommenden Wochen jedenfalls nicht ausgehen.

Ähnliche News

Stefan Kießling
Fans - 10.06.2026

„Ask Me Anything“ auf Reddit: Stefan Kießling über Torkanonen, Teamkollegen und 20 Jahre Bayer 04

Fans haben gefragt, Kies hat geantwortet: Beim ersten „Ask Me Anything“ (AMA) von Bayer 04 auf der Plattform Reddit stellte sich der heutige Ehrenspielführer und Klub-Repräsentant Stefan Kießling am Mittwoch, 11. Juni, den Fragen der Community und gewährte dabei persönliche, humorvolle und teils überraschende Einblicke in seine Karriere – von Erinnerungen an ein legendäres Tor in Hamburg bis hin zu seiner langjährigen Verbundenheit mit Bayer 04.

Mehr zeigen
Carlotta Wamser
Frauen - 10.06.2026

Wamser und Kramer lösen WM-Tickets: Die Länderspiel-Bilanz der Bayer 04-Frauen

Was für ein erfolgreicher Abschluss der Länderspiel-Saison der Frauen! In Carlotta Wamser und Cornelia Kramer gelang in den vergangenen Tagen gleich zwei Werkself-Spielerinnen die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2027 in Brasilien. Eine dritte Leverkusenerin darf weiter darauf hoffen. Auch für die deutschen U23-Nationalspielerinnen verliefen die letzten beiden Testspiele erfolgreich.

Mehr zeigen
Rudi Völler
Bayer 04 - 10.06.2026

„Far away in America“ – Rudi Völler über die Weltmeisterschaften 1994 und 2026

Bei der bis dato letzten Fußball-Weltmeisterschaft in den USA im Jahr 1994 war Rudi Völler noch als Spieler im Einsatz und drang mit der deutschen Nationalmannschaft bis ins Viertelfinale vor. In diesem Sommer reist der 65-Jährige als DFB-Sportdirektor zu dem Turnier, das neben den USA auch in Kanada und Mexiko ausgetragen wird. Vorab blickt Völler zurück und nach vorn...

Mehr zeigen
Malik Tillman in Diensten der USA
Bayer 04 - 10.06.2026

Tillman: „Den Fußball in den USA verändern“ – Vorschau auf die WM 2026

Fußballfans weltweit freuen sich auf die Weltmeisterschaft 2026, die vom 11. Juni bis zum 19. Juli in den Gastgeberländern USA (78 Partien), Mexiko und Kanada (jeweils 13 Spiele) ausgetragen wird. Erstmals werden 48 Nationen teilnehmen. Doch nicht nur die Anzahl der Gastgeber und der Spiele sind Rekordmarken: Die hauptsächlich in den USA ausgetragene WM wird ein Turnier der Superlative. Bayer 04-Profi und US-Nationalspieler Malik Tillman stimmt die Fans auf den 2026 FIFA World Cup ein.

Mehr zeigen
Malik Tillman
Bayer 04 - 10.06.2026

Von Reyna bis Tillman: Die namhaften US-Spieler bei Bayer 04

Als der US-Amerikaner Malik Tillman im vergangenen Sommer von der PSV Eindhoven zu Bayer 04 wechselte, verstärkte er nicht nur den Kader der Werkself – er schuf zugleich auch ein neues Kapitel einer Verbindung, die mehr als drei Jahrzehnte zurückreicht.

Mehr zeigen