
War die lange Unterbrechung sportlich gesehen nun ein Vor- oder ein Nachteil? Im Fall von Werder Bremen gibt es durchaus verschiedene Deutungsansätze. Einerseits wurde Werder durch die strengeren Auflagen für das Kleingruppen-Training nicht gerade begünstigt und wäre deshalb gerne eine Woche später in die Liga gestartet. Andererseits hatten einige Spieler während der Unterbrechung bereits betont, dass die Pause dem Team durchaus gut getan haben könnte. Denn vor dem Liga-Stopp hatten die Norddeutschen ihr großes Potenzial häufig nicht ausschöpfen können. 9 der vergangenen 11 Bundesligaspiele gingen verloren, dazu ereilte das Team kurz vor der Corona-Pause bei Eintracht Frankfurt das Aus im Viertelfinale des DFB-Pokals. Mit aktuell 18 Punkten liegt Bremen auf Tabellenplatz 17 und hat vier Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz. Allerdings: Die Hanseaten haben noch ein Nachholspiel in der Hinterhand und könnten auf diese Weise den Abstand zum rettenden Ufer verkürzen.
Wie in fast jedem Team hatten auch bei Werder einige verletzte und angeschlagene Spieler Zeit sich auszukurieren. Die Bremer können somit auf zwei defensive Säulen zurückgreifen, die beim ursprünglichen Termin der Partie gegen die Werkself Mitte März wohl nicht zur Verfügung gestanden hätten: Stammkeeper Jiri Pavlenka wird zwischen den Pfosten stehen und Ömer Toprak gegen die alten Kollegen in der Abwehr auflaufen. Von 2011 bis 2017 kickte der Innenverteidiger mit dem Kreuz auf der Brust. Neben Toprak verfügt Werder in Niklas Moisander und Kevin Vogt über zwei weitere erfahrene Abwehrspieler, dazu über ein spielstarkes Mittelfeld sowie ein reichhaltiges Angebot an Stürmern, das im Winter durch die Leihe von Davie Selke (Hertha BSC) weiter aufgestockt wurde. Ganz klar: Diese Mannschaft ist deutlich besser besetzt, als es der Tabellenplatz aussagt.
Fixpunkt der Bremer Offensive ist Milot Rashica. Der Kosovare ist mit sieben Treffern bester Torschütze im Team und hat durch seine Explosivität und Abschlussstärke bereits europaweit das Interesse der Top-Klubs geweckt. Maßgeblich beteiligt an seiner rasanten Entwicklung: Werkself-Coach Peter Bosz. Der Niederländer war Rashicas erster Trainer nach dessen Wechsel aus dem Kosovo zu Vitesse Arnheim und machte den schnellen Offensivmann direkt zum Stammspieler. Bei Werder lief der 23-Jährige in dieser Saison häufig im Sturmzentrum auf, im letzten Spiel vor der Unterbrechung (2:2 bei Hertha BSC) zog ihn Trainer Florian Kohfeldt aber wieder auf die angestammte linke Außenbahn. Bleibt abzuwarten, wo Rashica gegen die Werkself beginnen wird.

Auf drei erfahrene Eckpfeiler muss Werder gegen Bayer 04 verzichten. Dabei dürfte vor allem der Ausfall von Davy Klaassen schwer zu kompensieren sein. Der Mittelfeldstratege, den Peter Bosz 2016/17 bei Ajax Amsterdam trainierte, sah beim 2:2 in Berlin vor der Pause die 5. Gelbe Karte in der Saison und wird erst nach dem Montagabendspiel wieder ins Geschehen eingreifen können. Für Werder durchaus eine Schwächung, denn Klaassen ist nicht nur Strippenzieher in der Zentrale, sondern in der Bundesliga nach Rashica auch Bremens zweitbester Scorer. Neben Linksverteidiger Ludwig Augustinsson (muskuläre Probleme) wird Florian Kohfeldt auch auf die Joker-Qualitäten von Claudio Pizarro verzichten müssen. Die mittlerweile 41-jährige Stürmer-Ikone zog sich in dieser Woche im Training eine Muskelverletzung im Oberschenkel zu und wird mehrere Wochen ausfallen. „Das ist bitter für uns, gerade weil Claudio nach der Corona-Pause einen guten und frischen Eindruck hinterlassen hat“, klagte Kohfeldt.
Mit Europacup-Ambitionen in die Saison gestartet, nun tief im Abstiegskampf – und dennoch hält Werder an Florian Kohfeldt fest. Das Vertrauen des Vereins ist im schnelllebigen Fußballgeschäft mehr als bemerkenswert. Dass in dem Klub ein weitaus größeres Potenzial steckt als das, was die Mannschaft derzeit erreicht, ist unstrittig – und mit einer besonnenen wie unaufgeregten Vereinsführung scheint es realistisch, dass Bremen dieses Potenzial auch wieder abrufen kann. Wenn auch vollumfänglich sicherlich erst mittelfristig.
Nichts scheint nach einer zweimonatigen Liga-Unterbrechung derzeit schwerer, als verlässliche Prognosen abzugeben. So wirklich weiß wohl niemand, wo die Mannschaften im Vergleich nach Wochen des Heimtrainings stehen. Eindeutig festgehalten werden kann im Fall von Werder Bremen aber: Diese Mannschaft ist eigentlich viel zu gut um abzusteigen. Es scheint daher noch immer schwer vorstellbar, dass die Hanseaten sich am Ende nicht doch zumindest auf den Relegationsplatz retten. Dort könnte es dann übrigens womöglich zum großen Nordderby mit dem HSV kommen. Aber das ist – wie so vieles dieser Tage – bislang nur reine Spekulation…

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