Gegner-Check: Neustart mit Terzic – und ein Stürmerproblem

Ein echter Knaller gleich zum Auftakt: Am Samstag, 6. August (Anstoß: 18.30 Uhr), startet die Werkself mit dem Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund in die neue Saison. Unter Cheftrainer Edin Terzic hat sich eine Aufbruchstimmung breitgemacht beim BVB, die auch durch die Verpflichtung einiger hochkarätiger Neuzugänge genährt wird. Unser Gegner-Check.
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Position

Die erste Hürde im DFB-Pokal hat der BVB locker und souverän genommen. Nach dem 3:0-Auftaktsieg beim Drittligisten TSV 1860 München freute sich Dortmunds Cheftrainer Edin Terzic über das „sehr dominante und erwachsene“ Spiel seiner Mannschaft. Die Schwarz-Gelben hatten den „Löwen“ sehr früh den Zahn gezogen. Schon zur Pause führten die Gäste durch Treffer von Donyell Malen, Jude Bellingham und Karim Adeyemi mit 3:0. „Wir haben vom Anstoß an die richtige Körpersprache gezeigt, haben es dann durchgezogen und uns belohnt mit drei richtig schönen Toren“, lobte Terzic, der Nachfolger – und Vorgänger – von Marco Rose. In dem halben Jahr unter Interimscoach Terzic hatte die Borussia in der Saison 2020/21 die Champions-League-Qualifikation geschafft und den DFB-Pokal gewonnen. Anschließend war der 39-Jährige als Technischer Direktor für seinen Herzensverein tätig. Nun will der Klub mit Terzic und Co-Trainer-Legende Peter Hermann (70) an seiner Seite einen Neustart nach der unbefriedigenden vergangenen Saison hinlegen. Man müsse „neue Reibung erzeugen, neue Reizpunkte setzen“, betonte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Auch wenn in der Vorbereitung noch nicht alles rund lief und der BVB zwei Testspielniederlagen gegen den FC Valencia (1:3) und den FC Villarreal (0:2) hinnehmen musste, hat die Mannschaft im ersten Pflichtspiel bei 1860 München auf den Punkt geliefert und überzeugt. Einen Tag später bestritten die Dortmunder ein letztes Testspiel vor dem Bundesligastart und kamen mit einem komplett veränderten Team über ein 1:1 gegen den türkischen Erstligisten Antalyaspor (Tor: Julian Brandt) nicht hinaus.

Personal

Schon sehr zeitig hat der BVB seinen Kader für die aktuelle Saison zusammengestellt. Und der ist einmal mehr exzellent besetzt. Bereits im Frühjahr wurde der Wechsel von Innenverteidiger Niklas Süle (26) bekanntgegeben, den man vom Liga-Konkurrenten FC Bayern München verpflichtete. Auch dessen junge DFB-Kollegen Nico Schlotterbeck (22) vom SC Freiburg und Karim Adeyemi (20) von RB Salzburg unterschrieben kurz darauf beim BVB. Schlotterbeck spielte als Innenverteidiger eine sensationelle Saison mit den Breisgauern, der pfeilschnelle Adeyemi glänzte in Salzburg als Torjäger und Vorbereiter und traf auch gleich bei seinem Länderspieldebüt für die deutsche Elf im vergangenen Jahr gegen Armenien.

Fürs Mittelfeld holten sich die Borussen Salih Özcan (24) vom 1. FC Köln, einen aggressiven, laufstarken Abräumer par excellence. Schließlich kam als Nachfolger für den zu Manchester City gewechselten Erling Haaland – in den vergangenen beiden Jahren jeweils der erfolgreichste BVB-Torschütze – der ehemalige Frankfurter Sebastien Haller (28). Der Ivorer und Nationalmannschaftskollege von Odilon Kossounou erzielte in der Saison 2021/22 für Ajax Amsterdam elf Treffer in acht Champions-League-Spielen. Dass bei Haller in der Vorbereitung ein bösartiger Tumor im Hoden entdeckt wurde, löste einen großen Schock im Klub aus. Der Neuzugang muss sich einer Chemotherapie unterziehen und wird dem BVB monatelang fehlen. Angesichts des langfristigen Ausfalls des Stoßstürmers werden die Dortmunder vermutlich noch einmal auf dem Transfermarkt aktiv. „Jetzt alles nur auf Youssoufa Moukokos Schultern abzuladen – der Junge ist 17 – das wäre dann doch vielleicht ein bisschen viel“, sagt Geschäftsführer Watzke und kündigt an: „Ich denke, dass wir personell noch mal was machen.“ Moukoko, das große Talent aus der eigenen Jugend, spielte im Pokal bei den Sechzigern als einzige Spitze, flankiert von den Außen Donyell Malen und Karim Adeyemi. Gut möglich aber, dass Trainer Terzic am Samstag gegen die Werkself auch auf eine Doppelspitze setzt. Dafür käme neben Moukoko, Malen und Adeyemi auch Thorgan Hazard in Frage. Verzichten muss der BVB gegen Bayer 04 auch auf Niklas Süle, der sich im Pokalspiel an der Grünwalder Straße eine Muskelverletzung zugezogen hat und dort in der zweiten Halbzeit von Mats Hummels hervorragend ersetzt wurde. Salih Özcan hat nach überstandener Fußprellung noch Trainingsrückstand, steht aber am Samstag möglicherweise zumindest im Kader.

Prunkstück

Die Offensivpower der Schwarz-Gelben ist nach wie vor beeindruckend. In der vergangenen Saison erzielten die Dortmunder 85 Tore – so viele, wie nie zuvor in ihrer Bundesliga-Geschichte. Auch ohne Erling Haaland wird der BVB künftig im Spiel nach vorne mit Profis wie Malen, Adeyemi, Hazard, Moukoko, Marco Reus und Julian Brandt extrem hohes Tempo, technische Brillanz und viel Torgefahr auf den Platz bringen. Eine zentrale Rolle im BVB-Spiel nimmt Jude Bellingham ein. Der 19-jährige Engländer ist trotz seiner jungen Jahre sowohl als robuster Zweikämpfer wie auch als technisch versierter Vorbereiter und Torschütze (21 Scorerpunkte in 44 Pflichtspielen der Vorsaison) bereits ein Führungsspieler. Auch der lange verletzte Giovanni Reyna (19), der gegen Antalyaspor sein Comeback gab, zählt zu den offensiven Trümpfen der Borussia. Dazu gehört langfristig ebenso Außenstürmer Jamie Bynoe-Gittens (17). Das Talent aus der eigenen U19, die in diesem Jahr Deutscher Meister wurde, sammelte bereits Erfahrung bei den Profis. Auch die in der vergangenen Saison alles andere als sattelfeste Abwehr wurde durch die Verpflichtung des prominenten Innenverteidiger-Duos Süle/Schlotterbeck auf ein hohes Niveau gehoben.   

Probleme

Wie kann der BVB den langen Ausfall des erkrankten Sebastian Haller kompensieren? Ein Zielstürmer seiner Klasse fehlt, der Klub sucht derzeit nach einer möglichst schnell verfügbaren Alternative.  

Prognose

Die Erwartungen der Fans sind hoch. Chefcoach Edin Terzic ist für viele Dortmunder die große Identifikationsfigur. Er und die hochkarätigen Spieler-Neuzugänge sowie der gelungene Pflichtspielauftakt haben für eine erste Euphoriewelle beim BVB gesorgt. Nur folgerichtig, dass die Borussia in dieser Saison wieder zu den Meisterschaftsanwärtern gezählt wird. Sportdirektor Sebastian Kehl, der nun in die großen Fußstapfen seines Vorgängers Michael Zorc tritt, mahnt indes: „Wir haben einen neuen, sehr jungen Trainer und viele junge, hochtalentierte Jungs, die sich alle erst auf diesem Niveau beweisen und ihr Potenzial abrufen müssen. Das Gros dieser Spieler steht noch ganz am Anfang.“ Ein erfolgreicher Start vor ausverkauftem Haus gegen die Werkself, gegen die man im Februar dieses Jahres noch eine schmerzhafte 2:5-Niederlage hatte einstecken müssen, würde dem Umbruch Schub verleihen.

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