
Ärgerlicher hätte es für die Kölner am vergangenen Wochenende gegen den FC St. Pauli nicht laufen können. Da waren sie über 90 Minuten das bessere Team, lagen durch den sechsten Saisontreffer von Said El Mala 1:0 in Führung und hätten nach weiteren hochkarätigen Chancen längst den Deckel draufmachen können. Und dann kam, was kommen musste: Die Gäste aus Hamburg nutzten in der Nachspielzeit ihre zweite Möglichkeit im gesamten Spiel zum aus Kölner Sicht schmeichelhaften 1:1-Ausgleich. Entsprechend bedient war FC-Torhüter Marvin Schwäbe: „Wir haben alles im Griff gehabt, haben super verteidigt, zweite Bälle gewonnen. Deshalb ist es extrem bitter und tut extrem weh, am Ende mit nur einem Punkt dazustehen.“ Kölns Trainer Lukas Kwasniok haderte ebenfalls mit dem Spielausgang: „Das zweite Tor hat gefehlt. Wir müssen einfach irgendwann zwischen der 60. und 90. Minute das Licht für St. Pauli ausmachen.“ Mit dem Auftritt seiner Mannschaft war der 44-Jährige bei allem Frust dennoch zufrieden und blickte zuversichtlich aufs Spiel bei der Werkself. „Wir waren sehr stabil. Ich bin guter Dinge, dass wir mit der Leistung auch in Leverkusen etwas holen können.“
Der FC war als Aufsteiger mit zwei Siegen positiv in die Saison gestartet, konnte dann aber von den folgenden elf Spielen nur noch zwei gewinnen – auswärts bei der TSG Hoffenheim (1:0) und zu Hause gegen Mit-Aufsteiger Hamburger SV (4:1). Seit vier Ligapartien hat der Klub aus der Domstadt nicht mehr gewonnen. Im DFB-Pokal musste man sich in der 2. Runde dem FC Bayern München (1:4) geschlagen geben, wobei mutige Kölner dem Rekordmeister vor allem in der ersten Hälfte absolut ebenbürtig waren. Unter dem Strich darf der FC mit dem bisherigen Saisonverlauf zufrieden sein. Aktuell belegt er mit 16 Punkten einen Platz im Bundesliga-Mittelfeld. „Wir sind in einer Situation, zu der vor der Saison jeder gesagt hätte: Danke, nehmen wir“, sagt Kapitän Marvin Schwäbe.
Am Geißbockheim musste man in den vergangenen Wochen und Monaten einige personelle Hiobsbotschaften verkraften. Betroffen ist vor allem ein Mannschaftsteil: die Abwehr. Innenverteidiger Luca Kilian zog sich bereits im September im Training seinen insgesamt dritten Kreuzbandriss zu und wird bis auf Weiteres fehlen. Ende Oktober erlitt in Timo Hübers der nächste Innenverteidiger im Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund eine schlimme Knieverletzung. Auch der 29-Jährige wird noch lange pausieren müssen. Nur wenige Wochen später verkündete der FC den nächsten Ausfall: Beim 3:4 gegen Eintracht Frankfurt musste Abwehrspieler und Dauerbrenner Joël Schmied nach gut einer Stunde ausgewechselt werden. Spätere Diagnose: Muskelverletzung im Oberschenkel. Ende November erwischte es überdies Dominique Heintz, auch er ein Innenverteidiger, beim 1:1 in Bremen. Nach seinem Muskelfaserriss kommt ein Einsatz am Samstag in Leverkusen wohl noch nicht in Frage. So musste Lukas Kwasniok seine Defensive in den vergangenen Wochen notgedrungen häufig umbauen. Zuletzt machten die beiden Neuzugänge Sebastian Sebulonsen (Bröndby IF) und Rav van den Berg (FC Middlesbrough) gemeinsam mit Eric Martel einen guten Job in der Dreierkette.
Im defensiven Mittelfeld überzeugte Tom Krauß, den die Kölner im Sommer auf Leihbasis vom 1. FSV Mainz 05 geholt hatten. Gut möglich, dass der 24-Jährige auch am Samstag in Leverkusen als klassischer Sechser an der Seite von Denis Huseinbasic im zentralen Mittelfeld auflaufen wird. Auch der von Fortuna Düsseldorf verpflichtete Isländer Isak Johannesson hat diese Position im Zentrum schon gespielt.
In der Offensive verfügt Kwasniok über einige Alternativen. Als vielseitig einsetzbarer Spieler hat sich dort ein weiterer Neuzugang schnell unverzichtbar gemacht: Jakub Kaminski kam per Leihe (mit Kaufoption) vom VfL Wolfsburg an den Rhein, stand bislang in allen 13 Bundesliga-Saisonspielen in der Startelf und erzielte bereits fünf Tore. Sehr flexibel ist auch Jan Thielmann. Der 23-Jährige wird vorne auf dem rechten Flügel oder etwas zurückgezogener als rechter Schienenspieler eingesetzt und ist längst zur Führungskraft beim FC gereift. So weit ist das 19 Jahre junge Stürmer-Juwel Said El Mala zwar noch nicht ganz. Aber der deutsche U21-Nationalspieler und Kölner Shootingstar ist mit sechs Toren und drei Assists als Topscorer eminent wichtig. Vorne stehen zudem Luca Waldschmidt, Marius Bülter, Linton Maina und der vom 1. FC Kaiserslautern verpflichtete Ragnar Ache zur Verfügung.
Ihm fehle noch die richtige Balance zwischen Defensive und Offensive, sagte Lukas Kwasniok kürzlich in einem großen Interview mit dem kicker. Die defensive Stabilität habe auch aufgrund der Verletzungen häufiger gelitten, so der FC-Trainer. Insbesondere bei der Verteidigung von Standardsituationen fehlen nicht selten Zuordnung und Konsequenz. Zwölf Gegentore kassierte der FC nach ruhenden Bällen – so viele, wie keine andere Mannschaft. „Wir wissen, dass wir die Standards teilweise desaströs verteidigt haben, deswegen müssen wir schauen, dass wir weniger zulassen“, sagt Offensivakteur Jan Thielmann. Köln traf selbst hingegen erst dreimal nach Standards, das ist gemeinsam mit dem HSV der schwächste Wert in der Liga. Auch das Spiel über die Außenpositionen aus der eigenen Abwehr heraus sei noch nicht optimal, sagt Kwasniok. „Auf dem Flügel hast du den meisten Raum – da haben wir definitiv Luft nach oben.“ Fakt ist auch: Hätte der FC nicht schon zehn Punkte nach Führungen verspielt, stünde er in der Tabelle deutlich besser da. Nur der VfL Wolfsburg (12) verlor noch mehr Zähler nach eigener Führung.
Der 1. FC Köln tritt unter Lukas Kwasniok als gefestigte Einheit auf. „Als Team sind wir sehr gestärkt“, betont Kapitän Marvin Schwäbe. Das lässt sich nicht nur an der Arbeit gegen den Ball festmachen, die trotz der vielen Verletzungen in der Regel sehr gut funktioniert, unabhängig davon, ob man mit Dreier-, Vierer- oder Fünferkette agiert. Mit insgesamt 21 Gegentoren hat der FC nur zwei Treffer mehr hinnehmen müssen als die Werkself. Auch offensiv haben die Kölner bisher oft überzeugt. „Unser großes Plus ist: Die Jungs können immer Tore erzielen“, sagt Kwasniok. „Die Jungs“, das sind vor allem Top-Talent Said El Mala, der polnische Nationalspieler Jakub Kaminski sowie die Stürmer Marius Bülter, Luka Waldschmidt und Ragnar Ache. Das Quintett erzielte 18 der 22 Kölner Tore. Sowohl El Mala als auch der 23-jährige Kaminski bringen enormes Tempo, starkes Dribbling und eine hohe Durchsetzungsfähigkeit mit – vor allem im letzten Drittel. Kaminski treibt das Kölner Offensivspiel immer wieder mit seiner Dynamik an, egal, ob er links oder rechts vorne, als Schienenspieler oder im Mittelfeld agiert. Der kölsche Allrounder wurde von Kwasniok schon oft mit Lobeshymnen bedacht. „Unser bester Spieler“, nannte ihn der Trainer nach Kaminskis Gala gegen den Hamburger SV. Kein Wunder, dass der Pole bislang alle 13 Bundesligaspiele über die volle Distanz bestritt.

Wie bereits in den Jahren zuvor wurden im Rahmen der Tandem Young Coach-Ausbildung der Scort Foundation in Kooperation mit der Football Club Social Alliance (FCSA) auch 2026 wieder 22 Teilnehmende zu Fußballtrainern für Menschen mit Behinderung ausgebildet. Mit dabei in Karlsruhe war als langjähriger FCSA-Partnerklub auch Bayer 04. Gemeinsam als Tandem durchliefen Personen mit und ohne Behinderung die Ausbildung und lernten so aus unterschiedlichen Perspektiven voneinander. Nach spannenden und lehrreichen Tagen kehrte auch das Leverkusener Duo mit viel neuem Wissen und einem offiziellen Zertifikat zurück unters Kreuz.
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Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat die drei Kandidaten für den Titel Bundesliga-„Rookie of the Season“ 2025/26 bekannt gegeben. Zur Wahl steht unter anderem Werkself-Profi Ibrahim Maza. Fans von Bayer 04 können ab sofort und noch bis einschließlich Donnerstag, 7. Mai (23.59 Uhr), in der Bundesliga-App für ihren Favoriten abstimmen.
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