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25.05.2020Bundesliga

Gegner-Check: Mehmedi gibt die Wollmilchsau

Nun bekommt auch die BayArena ihr erstes Spiel ohne Fans: Am kommenden Dienstag, 26. Mai (Anstoß: 20.30 Uhr), bleibt das Wohnzimmer der Werkself nach zuletzt zwei Auswärtsspielen leer. Es wartet ein anspruchsvoller Gegner: Der VfL Wolfsburg befindet sich auf Kurs Europa – trotz einiger personeller Probleme.
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Position

Lange Zeit hatte dem VfL Wolfsburg in Europa kaum jemand etwas vormachen können. Erst Ende Oktober kassierten die Wölfe ihre erste Pflichtspielniederlage in der laufenden Saison, in den europäischen Top-Ligen kam nur Juventus Turin auf eine länger andauernde Erfolgsbilanz. Nach einem Zwischentief mit sieben Niederlagen aus zehn Liga-Spielen hatte das Team von Trainer Oliver Glasner zuletzt wieder die nächste bemerkenswerte Serie aufgebaut: Sieben Spiele in Folge blieb Wolfsburg ab Anfang Februar ungeschlagen – bis zum vergangenen Samstag. Aber auch beim 0:2 gegen Borussia Dortmund zogen sich die Niedersachsen durchaus achtbar aus der Affäre, schnupperten gegen den BVB zwischenzeitlich am Ausgleich. Und trotz der Niederlage bleibt Wolfsburg auf Kurs Europa. Als Tabellensechster ist der VfL hinter dem enteilten Spitzenquintett quasi „Best of the rest“ und hat somit gute Aussichten, sich erneut für die Europa League zu qualifizieren. Dort sind die Wolfsburger auch in der derzeit noch unterbrochenen Saison vertreten: Bei einer Wettbewerbs-Fortsetzung müssten die Wölfe im Achtelfinale eine 1:2-Hinspiel-Niederlage gegen Schachtjor Donezk wettmachen.

Personal

Viel verändert hat Oliver Glasner in der zweimonatigen Liga-Unterbrechung nicht. Ein Spieler unternimmt derzeit aber den zweiten Anlauf: Innenverteidiger Marin Pongracic wechselte im Winter von RB Salzburg nach Wolfsburg, war aber schnell schon wieder zum Zuschauen gezwungen, nachdem er in seiner zweiten Bundesliga-Partie, dem 1:1 gegen Düsseldorf, die Rote Karte gesehen hatte und zuschauen musste. Nun, nach der Pause, ist Pongracic wieder zurück, stand bislang in beiden Partien nach dem Re-Start an der Seite von John Anthony Brooks in der Wolfsburger Innenverteidigung und zeigte vielversprechende Leistungen.

Auch ein ehemaliger Leverkusener gehörte zuletzt zum Stammpersonal: Admir Mehmedi, zwischen 2015 und 2018 für die Werkself am Ball und in dieser Phase häufig der Mann für die wichtigen Tore, gibt in der VfL-Offensive zurzeit die eierlegende Wollmilchsau. Mal rechts, mal zentral, zuletzt links – Glasner schiebt den Schweizer nach Belieben zwischen den Positionen hin und her, zum Einsatz kommt er aber fast immer. Das liegt auch daran, dass Glasner häufig das System umstellt und dafür gerne auf taktisch variable Spieler setzt. Genau das ist Mehmedi. Dennoch sind die üppigen Einsatzzeiten in der jüngeren Vergangenheit durchaus als Vertrauensbeweis für den Angreifer zu betrachten, denn gerade auf den Außenpositionen verfügt Wolfsburg in Josip Brekalo, Joao Victor, Renato Steffen oder Felix Klaus eigentlich über einige Spezialisten für die Flügel, gegen die sich der ehemalige Werkself-Akteur Woche um Woche durchsetzt.

Probleme

Gegen Bayer 04 hat Mehmedi einen Konkurrenten weniger. Felix Klaus sah gegen Dortmund nach seiner Einwechslung die Rote Karte und wird vorerst gesperrt fehlen. Sein Trainer Glasner bewertete dies als „sehr bitter auch für uns, weil unser Kader schon sehr dezimiert ist“. Für Rechtsverteidiger William war die Saison schon vor der Unterbrechung aufgrund eines Kreuzbandrisses beendet, vergangene Woche verletzte sich auch noch der zuvor so starke Linksverteidiger Paulo Otavio im Training am Sprunggelenk. „Es deutet darauf hin, dass er uns längere Zeit fehlen wird“, bedauert Glasner, der in Yannick Gerhardt noch einen weiteren potenziellen Stammspieler ersetzen muss. Der Mittelfeldmann zog sich kurz vor dem Re-Start eine schwere Gesichtsverletzung zu und muss gegen die Werkself ebenfalls passen. Auch für Kapitän Josuha Guilavogui wird es nach einer langwierigen Knieverletzung noch eng mit dem Comeback, der Abräumer ist mittlerweile aber immerhin wieder im Mannschaftstraining.

Potenzial

Bereits unter Glasners Vorgänger Bruno Labbadia (heute Hertha BSC) hatte sich Wolfsburg nach Jahren des Abstiegskampfes stabilisiert, der Österreicher führt dies nun nahtlos fort und hat eine klare Spielphilosophie etabliert. Einige Spieler wie Brekalo oder vor allem Mittelfeldakteur Xaver Schlager verfügen noch über reichlich Entwicklungspotenzial, auch die Verpflichtung von Pongracic könnte sich langfristig auszahlen. Wolfsburg befindet sich auf dem besten Weg, sich wieder einen Stammplatz im internationalen Geschäft zu erobern.

Prognose

Angesichts von 13 Punkten Rückstand auf Rang fünf dürfte Wolfsburg derzeit kaum nach oben schauen. Dahinter befindet sich der VfL allerdings in der Pole Position, in einem engen, mehrere Teams umfassenden Rennen um den einen sicher verbleibenden Europa-League-Platz. Die absehbare Rückkehr von Kapitän Guilavogui sollte der ohnehin starken Defensive noch mehr Stabilität verleihen. Sollte das Team die restlichen Ausfälle kompensieren können, stehen die Chancen auf die erneute Teilnahme am Europapokal ausgesprochen gut.

Update (25. Mai, 15.30 Uhr): Wenige Stunden nach Veröffentlichung dieses Artikels gab der VfL Wolfsburg bekannt, dass Admir Mehmedi für das Spiel in der BayArena nicht zur Verfügung stehen wird. Den Ex-Leverkusener plagen Probleme an der Achillessehne.

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