Gegner-Check: Königsblau stark bei Standards

Das Debüt des neuen Bayer 04-Cheftrainers Xabi Alonso steht kurz bevor: Am Samstagnachmittag, 8. Oktober (Anstoß: 15.30 Uhr), steigt das 75. Bundesliga-Duell zwischen der Werkself und dem FC Schalke 04 in der BayArena. Die Königsblauen, die in diesem Jahr den direkten Wiederaufstieg ins deutsche Fußball-Oberhaus geschafft haben, befinden sich immer noch in einem großen Umbruch. Frisches Personal findet sich auf allen Ebenen. In Leverkusen will S04 sportlich eine erstaunliche Negativserie beenden. Der Gegner-Check.
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Position

Das 2:3 gegen den FC Augsburg am vergangenen Wochenende war eine in mehrfacher Hinsicht schmerzhafte Niederlage für S04. Da hatte man sich nach einem 0:2-Rückstand dank großer Moral wieder zurückgekämpft ins Spiel durch die beiden Treffer von Simon Terodde und Tom Krauß. Und dann schenkte einem der Gegner in Unterzahl – Augsburgs Mergim Berisha hatte in der 71. Minute Gelb-Rot gesehen – doch noch ein Tor ein. So äußerten sich die beiden Schalker Torschützen nach Spielende fast unisono: „Es tut extrem weh, dass wir so einen Nackenschlag bekommen“, sagte Krauß, der sich über seinen Premieren-Treffer in der Bundesliga nicht recht freuen mochte. Und auch Terodde ließ seinem Frust freien Lauf: „Wenn man in Überzahl zu Hause das 2:3 bekommt, tut das extrem weh.“

Schalkes Sportchef Rouven Schröder wollte bei aller Enttäuschung auch das Positive sehen: „Wir haben alles abgerufen. Wie wir zurückgekommen sind, das ist Schalke. Der Kopf bleibt oben. Diese Einstellung brauchen wir.“

Für die Königsblauen war es nach dem 0:1 im Revierderby bei Borussia Dortmund die zweite knappe Niederlage in Folge und die vierte insgesamt in dieser Saison. Nur gegen den VfL Bochum 1848 (3:1) konnte der Aufsteiger bislang einen Sieg einfahren. So steht die Truppe von Cheftrainer Frank Kramer nach acht Spieltagen mit sechs Punkten auf Platz 15 nur unwesentlich besser da als Bayer 04, der Gegner am kommenden Wochenende. Schmerzhaft war die Niederlage gegen die Fuggerstädter aber auch, weil sich mit Sepp van den Berg und Rodrigo Zalazar zwei wichtige Spieler in dieser Partie schwer verletzten.

Personal

Innenverteidiger Sepp van den Berg zog sich gegen die Fuggerstädter ohne Fremdverschulden eine schwere Bänderverletzung zu. Der 20-jährige Niederländer, der Ende August vom FC Liverpool auf Leihbasis nach Gelsenkirchen gewechselt war, wird in diesem Kalenderjahr nicht mehr spielen können. Gleiches gilt für den offensiven Mittelfeldakteur Rodrigo Zalazar (23). Der Uruguayer, der in der vergangenen Saison großen Anteil am Aufstieg des FC Schalke 04 hatte, erlitt im Duell mit Augsburg einen Mittelfußbruch. „Das ist extrem bitter“, sagt Rouven Schröder, schiebt aber gleich hinterher: „In der Vergangenheit haben wir bereits mehrfach gezeigt, dass wir verletzungsbedingte Ausfälle, so schwer sie wiegen, als Gruppe auffangen können – das werden wir auch dieses Mal schaffen. Wir haben absolutes Vertrauen in den Kader.“

Als Alternative auf der Innenverteidiger-Position neben dem gesetzten Japaner Maya Yoshida (34) bieten sich der Österreicher Leo Greiml (21) oder der Tscheche Alex Kral (24) an, während der Pole Marcin Kaminski (30) wegen einer Risswunde passen muss. Auf der rechten Außenposition in der Viererkette könnte am Samstag Neuzugang Cédric Brunner (28) wieder ins Team rücken. Der ehemalige Bielefelder verpasste zuletzt drei Spiele wegen muskulärer Probleme, nahm Anfang dieser Woche aber wieder am Mannschaftstraining teil. Auf der linken Außenbahn stehen Neuzugang Tobias Mohr (27, vom 1. FC Heidenheim) als offensivere Variante wie auch der Niederländer Thomas Ouwejan (26) zur Verfügung.

In der Mittelfeldzentrale vertraut Frank Kramer auf die beiden deutschen U21-Nationalspieler Tom Krauß (21) und Florian Flick (22). Krauß, zu Beginn dieser Saison von RB Leipzig an den FC Schalke 04 ausgeliehen, stand bislang in allen Spielen in der Startformation, zählt seit Wochen zu den stärksten Knappen und wurde von den Fans der Königsblauen zum „Schalker des Monats September“ gewählt. Die offensiven Akzente setzen vor allem Dominick Drexler (32), mit drei Assists bester Vorbereiter im Team, Marius Bülter (29), mit drei Treffern erfolgreichster Torschütze von S04, und der Schwede Jordan Larsson (25). In vorderster Front agiert Stürmer-Routinier Simon Terodde (34) entweder als alleinige Spitze oder wie zuletzt erstmals im Duo mit Sebastian Polter (31). Auch Marius Bülter kam schon im Angriff zum Einsatz.

Prunkstück

Die Hälfte ihrer insgesamt zehn Tore erzielten die Schalker nach Standards. Das ist der drittbeste Wert aller Bundesligisten. Die Königsblauen investieren viel in ihren Spielen, sind kämpferisch und läuferisch stark und stehen – mit Ausnahme der 1:6-Niederlage gegen den 1. FC Union Berlin – meist kompakt in der Defensive. Zudem entwickelten sich Neuzugänge wie Tom Krauß, Tobias Mohr, Maya Yoshida, Sepp van den Berg und Cédric Brunner unter dem ebenfalls neuen Coach Frank Kramer schnell zu Leistungsträgern.

Probleme

Ein eingespieltes Team können die Schalker aufgrund der vielen personellen Umstellungen noch nicht sein. Was sich auch auf die Durchschlagskraft der Offensive auswirkt. Simon Terodde, in der Vorsaison mit 30 Treffern Torschützenkönig in der 2. Liga, konnte bisher erst zweimal einnetzen. Stürmer-Kollege Sebastian Polter, Neuzugang aus Bochum, zündete bisher noch nicht wie erhofft, traf erst einmal.

Auffällig ist die anhaltende Auswärtsschwäche der Knappen, die in der Bundesliga seit nunmehr 32 Spielen sieglos sind. Damit sind sie nicht mehr weit vom Negativrekord des Karlsruher SC entfernt, der zwischen 1976 und 1981 in 35 Auswärtspartien ohne Sieg blieb. Auf des Gegners Platz gelang den Schalkern ihr letzter Dreier beim 2:1 in Bremen im November 2019. In der aktuellen Saison kassiert S04 vor allem in der zweiten Halbzeit viele Gegentore, nämlich 11 von insgesamt 17, davon alleine 6 in der Schlussviertelstunde.

Prognose

Die Ziele für die aktuelle und sogar schon die darauffolgende Saison sind von den Klub-Verantwortlichen klar definiert: „Zweimal der Klassenerhalt. 40 Punkte – zweimal“, so formuliert es Aufsichtsratsvorsitzender Axel Hefer kurz und knapp. Sollte dieses Ziel erreicht werden, hätte das „den gleichen Stellenwert wie unser Aufstieg“, betont Sportvorstand Peter Knäbel, der den Traditionsklub damit aber nicht kleinreden will: „Das ist keine falsche Bescheidenheit“. Sondern wohl eher eine realistische Einschätzung der eigenen Möglichkeiten. Die sind angesichts der immer noch angespannten finanziellen Lage des FC Schalke 04 begrenzt. Deshalb erklärt Finanzchefin Christina Rühl-Hamers: „Wir sind ein Stück handlungsfähiger geworden und bleiben ambitioniert, aber bescheiden. Wir sind auf dem richtigen Weg, aber noch lange nicht da, wo wir hinwollen.“ Langfristig müsse Schalke „wieder ein Leuchtturm sein“, fordert Vorstandsvorsitzender Dr. Bernd Schröder, der bis Ende vergangenen Jahres Direktor Marketing und Vertrieb bei Bayer 04 war. Der Verein wolle „den Fußball und die Region wieder stark machen“. Der Oktober dürfte auch diesbezüglich eine erste größere Standortbestimmung werden. Fünf Spiele stehen bis Ende des Monats auf dem Programm. Nach der Partie in der BayArena geht es für S04 zweimal hintereinander gegen die TSG 1899 Hoffenheim in Bundesliga und DFB-Pokal, anschließend folgen die Spiele bei Hertha BSC und zu Hause gegen den SC Freiburg.

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