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11.06.2020Bundesliga

Gegner-Check: Der königsblaue Blues 2020

Als frischgebackener Pokalfinalist geht es für Bayer 04 zurück in den Liga-Endspurt. Beim kommenden Auswärtsspiel beim FC Schalke 04 am Sonntag, 14. Juni (Anstoß: 18 Uhr), geht die Werkself wieder als Favorit ins Rennen – denn bei den Knappen läuft es derzeit alles andere als rund. Aber warum? Die Knappen im Check.
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Position

Zuletzt gab es immerhin einen kleinen Hoffnungsschimmer für den FC Schalke 04. Beim 1:1 beim 1. FC Union Berlin holten die Königsblauen im fünften Spiel seit dem Re-Start zumindest den ersten Punkt. „Ich bin mit dem Fight, den wir angeboten haben, absolut einverstanden“, meinte Cheftrainer David Wagner nach Abpfiff. Er weiß: Es ist diese Mentalität, über die sich seine Mannschaft derzeit die Erfolgserlebnisse erarbeiten muss. Denn die zurückliegenden Monate waren ein einziger königsblauer Blues. Dabei hatte das Jahr 2020 noch so gut angefangen. Beim ersten Rückrunden-Spiel begeisterte S04, besiegte den damaligen Konkurrenten aus Mönchengladbach verdient mit 2:0 und war klar auf Kurs Europa. Was damals noch niemand ahnen konnte: Der Erfolg über die Fohlen am 17. Januar war der bislang letzte Liga-Sieg für die Schalker. Seitdem endeten zwölf Aufeinandertreffen ohne einen königsblauen Dreier. Sollte es auch gegen die Werkself nicht funktionieren, würde das sogar einen neuen Negativrekord in der langen Klubhistorie bedeuten. Dabei zeigt der Tabellenstand auf, dass die Mannschaft eine hervorragende Hinserie gespielt hat. Denn trotz der langen Durststrecke hat S04 noch immer die Chance auf Platz sieben, der nach den Erfolgen der Werkself und dem FC Bayern im Pokal-Halbfinale nun sicher für die Qualifikation für die Europa League berechtigt.

Personal

„Das alles zeigt, wie groß unsere Not insgesamt ist“, klagte Coach Wagner nach dem Union-Spiel mit Blick auf das Improvisationstalent, das er bei der Mannschaftsaufstellung hatte aufbringen müssen. Die Schalker Misere der vergangenen Wochen ist auch bedingt durch die großen Personalsorgen, die sich mittlerweile angehäuft haben, so dass Wagner viele seiner Spieler quasi auf „fachfremden“ Positionen einsetzen muss: Gegen Union musste der etatmäßige Abwehrchef Salif Sané, der sich in dieser Woche zu allem Schalker Überfluss im Training einen Muskelfaserriss zuzog und für den Rest der Saison ausfallen wird, auf der Sechs aushelfen, dafür rutschte der Ex-Leverkusener Bastian Oczipka auf die für ihn völlig ungewohnte Position des Innenverteidigers. Auch auf der offensiven Mittelfeldposition lief mit Rabbi Matondo ein Spieler auf, der diese ansonsten eher selten bekleidet. Aber: Wagner hat eben derzeit nicht die Qual der Wahl. Von den Spielern, die in Berlin auf der Bank Platz nahmen, war der 20-jährige Ahmed Kutucu mit 34 Bundesliga-Einsätzen noch der mit Abstand Erfahrenste.

Allerdings: Für das Duell mit Bayer 04 darf Wagner wieder auf die Rückkehr einiger Leistungsträger hoffen. Definitiv wieder dabei sein wird Weston McKennie nach abgesessener Gelb-Sperre – und im Abwehrzentrum könnten gleich mehrere Spieler nach Verletzung wieder zur Verfügung stehen. Sowohl Jean-Clair Todibo als auch Matija Nastasic fielen zuletzt aus, Hoffnung auf eine rechtzeitige Rückkehr bis zum Sonntag besteht noch. Der monatelang verletzte Führungsspieler Benjamin Stambouli kann aktuell zumindest wieder Teile des Mannschaftstrainings absolvieren, ist gegen Bayer 04 aber wohl noch keine Option.

Probleme

Während sich die Lage in der Defensive wieder etwas entspannen könnte, bleibt das Lazarett in der Offensive groß. Zuletzt zog sich Guido Burgstaller einen Außenbandanriss im Knie zu und fällt für den Rest der Saison aus. Besonders bitter für Schalke 04: Die beiden wohl prägendsten Figuren im Offensivspiel fehlen. Suat Serdar und Amine Harit waren in der starken Hinrunde nicht nur für die spielerischen Momente zuständig, sondern sind auch die beiden besten Torschützen der Gelsenkirchener. Für Serdar ist die Saison aufgrund einer Knieverletzung aber schon beendet, auch ein Einsatz von Harit (Innenbandverletzung) gegen Bayer 04 gilt als unsicher. Dass die beiden Spieler den Schalkern enorm fehlen, zeigt ein Blick auf die Torausbeute: In der gesamten Rückrunde erzielte S04 erst sechs Tore – die wenigsten in der gesamten Liga.

Potenzial

Was derzeit noch ein kleines Problem sein mag, könnte sich langfristig auszahlen: Schalke 04 verfügt über zahlreiche Spieler aus der fast schon legendären „Knappenschmiede“, die gerade auf dem besten Weg sind, den Sprung von den Junioren zu den Profis zu schaffen. Neben Kutucu (20) kam auch Mittelfeldmann Nassim Boujellab (20) in dieser Saison regelmäßig zum Einsatz; Malick Thiaw (18) und Levent Mercan (19) gaben ihre Debüts, Can Bozdogan (19) gehörte in Berlin erstmals zum Kader. Die hervorragende Nachwuchsarbeit ist weiterhin ein dickes Faustpfand, auf das sich Schalke 04 auch in Zukunft verlassen kann.

Prognose

Die Qualität für einen Platz im internationalen Geschäft hat die Mannschaft trotz aller Schwächen der vergangenen Monate nach wie vor. Allerdings: Im Spiel gegen die Werkself müsste der Turnaround erfolgen, um noch einmal ernsthaft ins Rennen um Europa eingreifen zu können. Und: Das Verletzungspech dürfte die Schalker nicht mehr so hartnäckig verfolgen wie in den vergangenen Monaten. Nur, wenn sich das Lazarett schnell lichtet und der Mannschaft schnell ein erstes Erfolgserlebnis gelingt, kann S04 diese insgesamt enttäuschende Hinrunde vielleicht doch noch positiv zu Ende bringen.

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