
Einen ersten Dämpfer hat die Euphorie in der Domstadt zuletzt erhalten. Mit 0:5 verlor der 1. FC Köln seine Auswärtspartie bei der TSG Hoffenheim am vergangenen Spieltag – und Keeper Timo Horn nahm im Anschluss kein Blatt vor den Mund: „Hoffenheim hat uns so richtig vorgeführt, heute haben wir auf den Sack bekommen“, stellte der Torwart klar, gab aber sogleich auch die Marschroute für die kommenden Aufgaben vor: „Jetzt heißt es Mund abputzen, nicht zu viel darüber nachdenken und weiter geht’s.“ Schwarzmalerei wäre auch nicht angesagt in Köln, schließlich verlief der Start unter dem neuen Trainer Steffen Baumgart exzellent. Die Mannschaft, die in der Vorsaison erst in der Relegation am Abstieg vorbeigeschrammt war, verlor bis zu diesem Freitagabend in Sinsheim nur auswärts beim FC Bayern und erhielt auch damals sehr gute Kritiken für die Leistung. Unter Baumgart spielt Köln attraktiven, energiegeladenen und nach vorne gewandten Fußball, hat außerdem vor dem Derby noch kein Heimspiel verloren. Platz sieben nach dem 8. Spieltag ist für den Klub nach der schwierigen Vorsaison eine hervorragende Zwischenbilanz. Im DFB-Pokal wartet im Anschluss an das Derby gegen die Werkself ein Auswärtsspiel beim VfB Stuttgart.
Die Länderspielpause hat die Kölner ihren vielleicht wichtigsten Spieler der aktuellen Saison gekostet. Mittelfeldspieler Ellyes Skhiri verletzte sich bei einem Spiel der tunesischen Nationalmannschaft, nach einigen Unklarheiten folgte in dieser Woche die Diagnose: Das Kölner Laufwunder hat sich einen Bruch des Wadenbeinköpfchens zugezogen und wird mehrere Wochen fehlen. Ein durchaus herber Verlust, denn Skhiri war mit seiner Laufstärke bislang ein Garant für die Balance im Kölner Spiel und erzielte dazu bereits drei Saisontore. Gegen Hoffenheim wurde er auf der Sechserposition von Salih Özcan vertreten. Einiges spricht aber dafür, dass im Derby Dejan Ljubicic das Startelfmandat erhält. Der Neuzugang fehlte in Sinsheim wegen eines Infekts, kehrte in dieser Woche aber ins Training zurück. Ebenfalls denkbar erscheint, dass Baumgart vom 4-4-2 mit Mittelfeldraute abrückt und ein 4-2-3-1 mit zwei Sechsern spielen lässt.
Neben Ljubicic meldete sich in dieser Woche auch Jonas Hector zurück, der das vergangene Spiel aufgrund einer Erkältung verpasst hatte. Auch dessen Linksverteidiger-Backup Jannes Horn trainierte nach langer Verletzungspause wieder mit, dürfte aber noch keine Alternative für das Spiel am Sonntag sein. Fragezeichen stehen noch hinter Mittelfeldspieler Niklas Hauptmann sowie Mittelstürmer Sebastian Andersson, die erkrankt im Training fehlten. Sollte Andersson ausfallen, könnte beispielsweise Jan Thielmann vom Flügel ins Sturmzentrum rücken – oder Anthony Modeste gibt in einem 4-2-3-1 die einzige Spitze.
Baumgart-Fußball, das bedeutet Power, Pressing, Präsenz. Der Kölner Spielstil ist stets nach vorne gerichtet, fußt aber auch auf hoher Intensität im Spiel gegen den Ball. So bestreitet der FC ligaweit die zweitmeisten Zweikämpfe und hat dabei eine Quote von 52 Prozent gewonnenen Duellen. Die Energie des Teams ist enorm hoch und für jeden Gegner unangenehm. Eine besondere Stärke der Kölner liegt im Spiel über die Flügel, das bewusst forciert wird. Von allen Bundesligisten schlägt Baumgarts Team die meisten Flanken – wohlwissend, dass im Zentrum in Modeste und Andersson zwei exzellente Kopfballspieler warten. Nicht umsonst hat Köln bereits vier Kopfballtore in der laufenden Saison erzielt, nur Stuttgart (fünf) kommt auf mehr.
Damit das attraktive Offensiv-System des neuen Trainers funktionieren kann, braucht es eine hohe Disziplin gegen den Ball, Präsenz in den Zweikämpfen und eine hohe Konzentration mit Ball, da es bei Ballverlusten schnell an Absicherung fehlen kann. In Sinsheim fehlte all das, wie Innenverteidiger Rafael Czichos klarstellte. „Wir haben zu viele Fehler gemacht, individuelle Fehler im Spiel nach vorne“, erklärte er. „Wir waren nicht aggressiv genug in den Zweikämpfen, kamen immer einen Schritt zu spät, so kannst du nicht gewinnen.“ Bis die Mannschaft das Spielsystem vollständig verinnerlicht hat, kann es für Köln eine Gratwanderung bleiben.
Erstaunlich schnell hat Baumgarts Plan in Köln funktioniert, kleine Rückschläge wie in Hoffenheim dürfte die Klubführung mit Blick auf die Umstellung der Philosophie einkalkuliert haben. Sollte die Mannschaft von weiteren Verletzungen von Schlüsselspielern verschont bleiben, dürfte Köln in dieser Saison nichts mit dem Abstieg zu tun haben – ein Erfolg mit Blick auf die vergangene Spielzeit. Kurzfristig schaut der Klub aber natürlich auf das wichtige Derby am Sonntag. „Wir spielen zu Hause und werden alles daran setzen, dieses Spiel anders als in Hoffenheim anzugehen und zu gewinnen“, schaut Baumgart voraus.

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