
Entsprechend zufrieden zeigte sich Heiko Herrlich, der der Mannschaft anschließend gleichsam als Belohnung zwei trainingsfreie Tage bis zum Dienstag verordnete. „Wir hätten schon früher in Führung gehen können als erst kurz vor der Pause. Wir haben uns zu keinem Zeitpunkt vom Gegner rauslocken lassen. Ich bin sehr glücklich über drei Punkte gegen einen Mitbewerber auf einen internationalen Platz“, sagte der Chefcoach. Julian Brandt stellte fest, „dass wir am Ende auch in der Höhe verdient gewonnen haben“.
Heiko Herrlich hatte im Duell mit den heimstarken Hoffenheimer den gleichen 18er-Kader wie zum Rückrundenauftakt gegen die Bayern nominiert. In der Startelf indes gab es drei Veränderungen: Charles Aránguiz, Julian Baumgartlinger und Lucas Alario rückten für Dominik Kohr, Kai Havertz und Karim Bellarabi in die Anfangsformation. Einher damit ging ein taktischer Wechsel vom 3-4-3 zu einem 4-2-3-1 mit Kapitän Lars Bender als Rechtsverteidiger und Kevin Volland als hängende Spitze hinter dem Zentrumsstürmer Alario. „Wir wollen sehr kompakt stehen und wenig zulassen und dann natürlich auch selbst aktiv nach vorne werden“, lautete Herrlichs Vorgabe.
Beide Teams begegneten sich bei strömendem Regen vom Anpfiff weg mit offenem Visier und intensiver Zweikampfführung. Die Werkself setzte die ersten Akzente in der Offensive: Baileys Schuss war kein Problem für Baumann (6.), die scharfe Flanke des Jamaikaners verpasste Alario (7.). Auf der Gegenseite packte Bernd Leno bei Zubers Versuch ganz sicher zu (8.). Dann lag ein Tor in der Luft: Nach hervorragendem Solo und noch besserem Zuspiel von Leon Bailey kam Julian Brandt halbrechts in Position, zögerte aber im Anschluss vielleicht etwas zu lange und wurde beim Schuss schließlich noch geblockt (19.). Dann kamen Bailey und Alario nach Flanken von Lars Bender und Wendell nur einen Schritt zu spät (24./25.) – die Werkself schraubte ordentlich am Führungstreffer. Den hatte auf einmal aber auch Hoffenheim auf dem Fuß: Glück für den schon geschlagenen Leno, dass der Ball nach dem abgefälschten Schuss von Geiger an die Latte tropfte (26.).
Dass Bayer 04 nicht unverdient mit einer Führung in die Halbzeit ging, lag an einem Geniestreich von Leon Bailey: Nach einem herrlichen Angriff über rechts und Hereingabe von Julian Brandt nach Doppelpass mit Aránguiz stand er sieben Meter zentral vor dem Kasten mit dem Rücken zum Tor und überwand Baumann extrem listig mit der linken Hacke ins rechte Eck zum 1:0 (43.) – eine Augenweide und unglaubliche Aktion frei nach dem Motto „Frechheit siegt“. Das siebte Saisontor für Bailey, und zum 24. Mal in Folge hat die Werkself nun immer mindestens einen Treffer erzielt, Einstellung des Vereinsrekords aus der Saison 1999/2000.
Nach der Pause ging's in unveränderter Besetzung weiter – und einem krachenden Start der Kraichgauer: Rupp hatte viel Platz und knallte die Kugel aus der Distanz an den Außenpfosten (46.). Nach einem Fehlpass von Wendell zog Zuber aus aussichtsreicher Position knapp am langen Eck vorbei (49.). Die Hoffenheimer hatten sich ganz offensichtlich etwas vorgenommen in Hälfte zwei, doch die Gäste blieben ganz cool und schlugen effektiv zurück. Und wie: Nach tollem Angriff über den nie zu bremsenden Bailey legte Lars Bender für den starken Julian Baumgartlinger auf und der Kapitän von Team Austria traf aus 18 Metern mit einem ebenso überlegten wie strammen Flachschuss ins lange Ecke zum 2:0 (52.). Es war der erste Bundesliga-Treffer für Bayer 04 von „Baumi“. Die TSG reagierte mit der Hereinnahme zweier weiterer Stürmer und blies zur totalen Offensive: Kramaric und Uth kamen für Rupp und Bicakcic.
Die Werkself hätte den Sack frühzeitig zumachen müssen: Nach rasantem Konter und Zuspiel von Kevin Volland verschenkte Julian Brandt allein vor Baumann das 3:0 und zielte neben das Tor (63.). Heiko Herrlich brachte Panos Retsos für den überragenden Lars Bender (68.). Und Leon Bailey haute noch mal richtig einen raus: Nach fantastischer Vorarbeit des Flügelspielers traf Lucas Alario mit einem schönen Schlenzer ins lange Eck zum 3:0 (70.) – zugleich Bundesliga-Treffer Nummer vier für den Argentinier. Hoffenheim suchte noch einmal verzweifelt den Anschluss, doch Bayer 04-Abwehrchef Sven Bender organisierte seinen aufmerksamen Defensivverbund vorbildlich. Der Anschluss gelang den Gastgebern dennoch: Szalai traf mit einem Lupfer an Leno vorbei zum 1:3 (86.). Den Schlusspunkt aber setzten die Leverkusener: Alario war in der Nachspielzeit nach Vorarbeit von Retsos zum 4:1-Endstand erfolgreich.
Für Bayer 04 geht es in der Bundesliga mit dem Heimspiel gegen den 1. FSV Mainz 05 weiter. Anstoß am Sonntag, 28. Januar, in der BayArena ist um 15.30 Uhr.
Die Statistik:
TSG 1899 Hoffenheim: Baumann – Bicakcic (58. Uth), Vogt. B. Hübner – Kaderabek, Zuber – Rupp (56. Kramaric), Grillitsch (62. Amiri), Geiger – Szalai, Gnabry
Bayer 04: Leno – L. Bender (68. Retsos), Tah. S. Bender, Wendell (85. Henrichs) – Aránguiz, Baumgartlinger – Brandt (78. Mehmedi), Volland, Bailey – Alario
Tore: 0:1 Bailey (43.), 0:2 Baumgartlinger (52.), 0:3 Alario (70.), 1:3 Szalai (86.), 1:4 Alario (90.+3)
Schiedsrichter: Stieler (Hamburg)
Gelbe Karten: Bicakcic, Grillitsch – L. Bender
Zuschauer: 28.017

Ein Überblick über die Ticket-Verkäufe zu den Heim- und Auswärtsspielen der Werkself.
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Rüdiger Vollborn ist seit 40 Jahren im Klub, mit 401 Bundesliga-Einsätzen der Rekordspieler des Klubs und hat als einziger Bayer 04-Profi sowohl den UEFA-Cup (1988) als auch den DFB-Pokal (1993) gewonnen. Und auch nach seiner beeindruckenden Profi-Karriere blieb der gebürtige Berliner dem Werksklub weiter erhalten, arbeitete fortan neun Jahre als Torwarttrainer. Inzwischen ist Vollborn unterm Bayer-Kreuz als Fanbeauftragter und Klub-Archivar tätig. Seit Februar 2021 nimmt das personalisierte schwarz-rote Lexikon die Werkself-Fans in der Rubrik „Rudi erzählt...“ monatlich mit auf eine kleine Reise in die Geschichte von Bayer 04.
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