
„Das war ein ganz wichtiger Sieg für uns“, sagte Sportdirektor Simon Rolfes. „Wir haben sehr ballsicher agiert und Augsburg so den Zahn gezogen.“ Auch FCA-Kapitän Daniel Baier erkannte die Überlegenheit der Werkself klar an: „Wir haben keinen Zugriff bekommen, die Leverkusener waren klar besser und haben verdient gewonnen.“
Auch wenn die Leverkusener in zuvor 15 Bundesliga-Vergleichen gegen den FC Augsburg noch nie unterlegen waren, wussten sie nur zu gut, dass ihnen der Gastgeber mit breiter Brust entgegentreten würde. Ein 3:1-Erfolg beim Europa-League-Halbfinalisten Eintracht Frankfurt sowie ein 6:0-Sieg gegen den VfB Stuttgart sind schließlich mal zwei Ansagen nach dem Trainerwechsel von Manuel Baum zu Martin Schmidt. Zudem konnte der FCA mit einem Dreier gegen die Werkself den Klassenerhalt vor eigenem Anhang perfekt machen. Bayer 04-Trainer Peter Bosz nahm personell eine Veränderung im Vergleich zur Startformation zuletzt gegen Nürnberg vor: Für den am Oberschenkel verletzten Leon Bailey kam Lucas Alario in die Mannschaft und besetzte die zentrale Position im Angriff, Kevin Volland rückte dafür auf den linken Flügel.
Es dauerte nicht lange bis zum ersten Knalleffekt. Augsburg Kapitän Baier drosch aus der Distanz einfach mal volley drauf, und Lukas Hradecky wischte den scharf getretenen Ball mit den Fingerspitzen soeben noch über die Latte (4.). Gut, dass der Finne da hellwach war! Wenig später die Werkself auf der anderen Seite: Nach einer gelungenen Kombination setzte Mitchell Weiser Kai Havertz in Szene, doch Kobel meisterte dessen Flachschuss mit rechts ohne Probleme (10.). Dann hatten die Hausherren Grund zum Jubeln: Nach einem Eckball stieg Innenverteidiger Danso am höchsten und ließ Hradecky mit seinem platzierten Kopfball hoch ins Eck keinerlei Abwehrmöglichkeit – 1:0 (12.).
Das wollte Bayer 04 so nicht stehen lassen, vor allem Kevin Volland nicht. Klasse, wie sich der Kapitän nach feinem Zuspiel von Aránguiz halblinks ab- und durchsetzte und dann knallhart unter die Latte zum Ausgleich traf (15.) – sein 14. Saisontor. Fünf Minuten erneut die pure Freude in Schwarz und Rot: Sven Bender passte toll rechts raus zu Weiser, dessen scharfe Hereingabe Lucas Alario ins Tor drückte (20.) 1:2? Denkste! Der Videoassistent griff ein, Schiedsrichter Willenborg erkannte den Treffer nicht an, weil Weiser wohl hauchzart im Abseits gestanden hatte. Dennoch ein bärenstarker Spielzug der Leverkusener, die weiter an der Führung schraubten. Kai Havertz verpasste nach Vorarbeit von Julian Brandt den rechten Moment zum Abschluss, Alario schließlich donnerte den Ball dann volley weit vorbei (29.) – da war deutlich mehr drin gewesen.
Die ballsichere Werkself jetzt enorm dominant und drückend überlegen. Vor allem über den spielfreudigen Brandt liefen viele Aktionen und Angriffe. Augsburgs Keeper Kobel packte bei einer Flanke mit viel Schnitt von Brandt beherzt zu (37.), der Kopfball von Havertz flog über den Kasten (39.). Bayer 04 hatte den frühen Rückstand hervorragend weggesteckt und war in der Folge die deutlich bessere Mannschaft. Für Augsburg war das 1:1 zur Pause höchst schmeichelhaft – erst recht, nachdem Lucas Alario in der Nachspielzeit nach einer tollen Kombination über Brandt und Aránguiz nur die Latte getroffen hatte (45.+2).
Nach dem Wechsel blieb der angeschlagene Sven Bender in der Kabine, Aleksandar Dragovic übernahm dessen Part in der Innenverteidigung. Und die Werkself setzte sofort ein Ausrufezeichen: Volland setzte sich links durch und nach seiner Hereingabe ließ Kai Havertz die Kugel mit rechts ganz gekonnt über seinen Schlappen als tückische Bogenlampe ins Netz fallen – 2:1 (48.), auch für Havertz war es bereits Saisontreffer Nr. 14! Kurz darauf die Werkself zum zweiten Mal an diesem Abend dick im Pech: Ein Eigentor von Danso wird nach Videobeweis nicht gegeben, weil Jonathan Tah im Abseits gestanden haben soll (55.).
Aber weder Tah noch Bayer 04 ließen sich davon irritieren. Brandts Freistoß ließ Kobel nach vorn prallen, Tah knallte den Abpraller mit aller Wut im Bauch hoch ins Netz zum 3:1 für die Werkself (59.) – das war mal eine passende Antwort! Drittes Saisontor für den Innenverteidiger. Für die Augsburger war's ein ordentlicher Wirkungstreffer, Bayer 04 ließ fortan ganz geschickt Ball und Gegner laufen und machte den Gegner so zusätzlich mürbe und müde. Kevin Volland half zudem unermüdlich und voller Leidenschaft auch in der Defensive aus und verzeichnete so wertvolle Ballgewinne in der Rückwärtsbewegung.
Dominik Kohr durfte gegen seinen Ex-Klub auch noch ran und kam für Lucas Alario (84.). Und die Werkself hatte noch einen im Köcher: Vollands Flanke traf Kohr nicht richtig, dafür stand Julian Brandt am zweiten Pfosten umso besser und vollendete mit seinem fünften Saisontreffer zum 4:1 aus Leverkusener Sicht (88.).
Für Bayer 04 geht es mit dem 32. Spieltag und der Partie gegen Eintracht Frankfurt weiter: Anstoß am Sonntag, 5. Mai, ist um 18 Uhr in der BayArena.
Die Statistik:
FC Augsburg: Kobel – Schmid, Gouweleeuw, Danso (61. Koo), Stafylidis – Baier – Hahn, Gregoritsch, Khedira, Max (81. Teigl) – Richter (71. Schieber)
Bayer 04: Hradecky – Weiser, Tah, S. Bender, Wendell – Aránguiz, Baumgartlinger, Brandt – Havertz, Alario (84. Kohr), Volland
Tore: 1:0 Danso (12.), 1:1 Volland (15.), 1:2 Havertz (48.), 1:3 Tah (59.), 1:4 Brandt (88.)
Schiedsrichter: Willenborg (Osnabrück)
Gelbe Karte: Schmid
Zuschauer: 26.400

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