
"Das war ein gutes Spiel von uns als Mannschaft", resümierte Kapitän Kevin Volland nach Abpfiff. "In der ersten Hälfte mussten wir extrem dagegenhalten, haben Augsburg aber nicht ins Spiel kommen lassen. In der zweiten Hälfte haben wir dann den Sack zugemacht." Auch Innenverteidiger Sven Bender sprach "von einem schönen Gefühl, hier zu gewinnen." Was die Mannschaft sich vorgenommen hatte, habe gut funktioniert. "Wir haben geduldig aufgebaut und gewartet, bis unsere Chancen kommen", analysierte Bender.
Auf Seiten der Werkself gab es bereits mit dem Anpfiff etwas zu feiern: Die Premiere von Daley Sinkgraven, der von Beginn an auf dem Platz stand und sein erstes Spiel mit dem Kreuz auf der Brust absolvierte. Der Neuzugang von Ajax Amsterdam verteidigte links in der Dreierkette. Die rechte Außenbahn ging an Mitchell Weiser, der erstmals in dieser Saison in der Startformation stand. Für die beiden Debütanten mussten Wendell und Lars Bender weichen. Neben ihnen nahm auch Joel Pohjanpalo wieder auf der Werkself-Bank Platz. Erstmals nach 18-monatiger Leidenszeit stand "Danger" damit wieder im Aufgebot - eine tolle Nachrichten für alle Fans und ganz besonders natürlich für Joel.
"Augsburg wird hinten sehr kompakt stehen", hatte Peter Bosz vor dem Spiel prophezeit - und damit sollte er Recht behalten. Die Abwehr um den von Bayer 04 ausgeliehenen Tin Jedvaj präsentierte sich dicht gestaffelt, die Hausherren überließen den Leverkusenern den Ball und lauerten auf Ballgewinne. FCA-Coach Martin Schmidt hatte in Max und Iago gleich zwei nominelle Linksverteidiger aufgeboten, um für entsprechende Zweikampfstärke zu sorgen. Kein Wunder also, dass es bei der Werkself erst einmal über die eigene linke Seite ging, Kevin Volland sorgte früh für einen ersten Warnschuss (5.). Die Augsburger erwiesen sich jedoch als unangenehmer Gegner, kaum erhielt das Team von Peter Bosz Zeit und Raum, die eigenen spielerische Klasse ausbreiten zu können. Das Resultat: 86 Prozent Ballbesitz für Bayer 04 in der Anfangsphase, wirklich gefährlich wurde es in der ersten halben Stunde aber nicht vor dem Augsburger Tor. Lukas Hradecky allerdings war sogar in der gesamten ersten Hälfte quasi beschäftigungslos, das Geschehen spielte sich weit vor seinem Kasten ab.
Wie man die gut sortierten Augsburger in Bedrängnis bringen kann, zeigte schließlich Lucas Alario mit einem Geistesblitz: Bei seinem klasse Lupfer-Pass aus dem Fußgelenk auf Kevin Volland passte Augsburgs Keeper Koubek aber auf (31.), nur wenige Augenblicke später entschärfte der Tscheche im Kasten des FCA einen Aufsetzer des umtriebigen Alario (32.). Die Werkself erhöhte in dieser Phase kurz die Schlagzahl - und ging prompt in Führung. Nach einem zunächst abgewehrten Eckball brachte Nadiem Amiri den Ball scharf aus dem Halbfeld in den Strafraum, wo Augsburgs Niederlechner dem aufgerückten Sven Bender zuvorkam und die Kugel per Kopf ins eigene Netz beförderte - das 1:0 für Bayer 04 (34.). Bender hatte beim Tor den Fuß von Gegenspieler Khedira ins Gesicht bekommen und musste zunächst behandelt worden. "Ich habe vom Tor gar nichts mitbekommen", gab der Innenverteidiger nach dem Spiel grinsend zu. Wie man es von ihm gewohnt ist, zeigte sich Bayers Nummer 5 hart im Nehmen und kehrte zurück auf den Platz - der gerade erzielte Führungstreffer war da sicher Teil der Schmerzbewältigung.
Klar, dass Sven Bender auch zur zweiten Hälfte wieder auf dem Platz stand. Nach wenigen Sekunden war er mit seiner Abwehr auch gleich gefordert, Debütant Daley Sinkgraven blockte einen Schuss von Khedira (46.). Bayer 04 beeindruckte das wenig, der Ball lief nun deutlich flüssiger durch die Reihen als noch im ersten Durchgang. Ein abgefälschter Schuss von Kevin Volland landete nur am Außennetz (51.), Uduokhai blockte einen Flugkopfball von Kai Havertz nach feinem Spielzug der Schwarz-Roten (57.), einen Freistoß von Volland aus hervorragender Position sicherte sich Koubek (64.). Die Defensive der Werkself war bis zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht in die Bredouille geraten. Baumgartlinger, Dragovic und Co. machten einen souveränen Job, Lukas Hradecky verlebte bis kurz vor 17 Uhr einen ruhigen Nachmittag. Dann aber musste der Finne im Werkself-Tor eingreifen - und es spricht für seine Klasse, dass er nicht weiter warm geschossen werden musste, um den wuchtigen Schuss des erst kurz zuvor eingewechselten Schieber per Flugparade zu entschärfen (71.).
Auch Bayer 04 hatte zu diesem Zeitpunkt bereits getauscht, für Lucas Alario war nun Paulinho im Spiel, außerdem wurde der angeschlagene Sinkgraven nach vielversprechendem Bundesliga-Debüt durch Wendell ersetzt. Augsburg sah sich mittlerweile dazu gezwungen, weiter aufzurücken - und die Werkself nutzte die sich nun bietenden Räume eiskalt aus: Bei einem Gegenstoß spielte Nadiem Amiri einen Steilpass, Kai Havertz legte etwas glücklich mit dem Rücken ab auf Kevin Volland - und der mittlerweile im Sturmzentrum agierende Angreifer bewies ganz viel Gefühl in seinem "schwachen" rechten Fuß und hob die Kugel aus knapp 30 Metern butterweich über den weit aus seinem Tor geeilten Koubek zum 2:0 in die Maschen (76.). Der Widerstand des FCA war daraufhin gebrochen und die Werkself zelebrierte noch einmal Kombinationsfußball in Reinkultur: Eine schnell und präzise vorgetragene Ballstafette über Amiri, Baumgartlinger, Volland und wieder Amiri landete schließlich bei Kai Havertz, der keine Mühe mehr hatte, die Kugel aus kurzer Distanz zum 3:0 ins Tor zu spitzeln (84.) - ein besonders gelungener Schlusspunkt unter dem vierten Sieg im sechsten Saisonspiel.
Bereits am Dienstagabend heißt es für Bayer 04 dann wieder: Königsklasse. Um 21 Uhr gastiert die Werkself beim italienischen Serienmeister Juventus Turin und dessen Superstar Cristiano Ronaldo. "Das sind die Spiele, für die man Fußballer geworden ist", meinte Sven Bender nach Abpfiff.
Die Statistik:
FC Augsburg: Koubek - Lichtsteiner, Jedvaj, Uduokhai, Max (80. Moravek) - Khedira, Oxford - Vargas, Iago - Finnbogason (67. Schieber), Niederlechner (87. Cordova)
Bayer 04: Hradecky – Dragovic (83. Tah), S. Bender, Sinkgraven (73. Wendell) – Baumgartlinger, Aránguiz – Weiser, Havertz, Amiri, Volland – Alario (66. Paulinho)
Tore: 0:1 Niederlechner (34., Eigentor), 0:2 Volland (76.), 0:3 Havertz (84.)
Schiedsrichter: Robert Kampka (Mainz)
Gelbe Karten: Max, Lichtsteiner, Vargas, Schieber
Zuschauer: 27113


Mit Milton Queiroz da Paixao fing 1987 alles an: Tita, wie er genannt wurde, war der erste Brasilianer unterm Bayer-Kreuz. Zahlreiche weitere Fußballer vom Zuckerhut sollten in den nächsten Jahren folgen. Viele von ihnen drückten dem Spiel der Werkself ihren eigenen Stempel auf. Rund 40 Jahre später setzt Arthur, der seit Sommer 2023 das Bayer 04-Trikot trägt, diese lange Tradition fort. Der 23-Jährige ist bereits der 24. Brasilianer der Vereinshistorie und hat sich als Teil der Doublesieger-Mannschaft von 2024 schon jetzt in die Geschichtsbücher des Werksklubs geschrieben. Ein Überblick über alle Bayer 04-Spieler aus dem Land des fünfmaligen Weltmeisters in Kurzporträts.
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