1:1 – Packendes Duell der Werkself gegen Leipzig

Das Spitzenspiel in der BayArena fand keinen Sieger: Bayer 04 und RB Leipzig trennten sich nach einem hochintensiven Schlagabtausch mit 1:1 (0:0). Vor der Pause besaßen die Gäste Vorteile und einige klare Chancen, nach dem Wechsel hatte die Werkself das Geschehen deutlich besser im Griff. Kevin Volland gelang die Führung (66.), Christopher Nkunku glich für RB aus (78.). In der Nachspielzeit vergab Volland allein vor Keeper Gulacsi den möglichen Sieg (90.+4).
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Sportdirektor Simon Rolfes hatte die packenden 90 Minuten so gesehen: „Leipzig hatte in der ersten Halbzeit einige große Chancen, aber später standen wir deutlich besser und hatten die Vorteile auf unserer Seite. Insgesamt geht das Unentschieden daher vielleicht in Ordnung.“

Die Werkself war hinlänglich gewarnt im Top-Spiel der beiden punktgleichen Verfolger (13 Zähler) von Spitzenreiter Bayern München (14): Leipzig kam mit der Empfehlung von drei klaren Auswärtssiegen (4:0 bei Union Berlin, 3:1 in Mönchengladbach und 3:0 in Bremen) in die BayArena. Bayer 04-Chefcoach Peter Bosz wählte für das Duell gegen RB eine Startelf, die sich auf drei Positionen von der Anfangsformation in der Champions League am vergangenen Dienstag bei Juventus Turin unterschied: Für Wendell, Kerem Demirbay und Lucas Alario begannen Daley Sinkgraven, Nadiem Amiri und Karim Bellarabi. Lars Bender und Leon Bailey mussten verletzt passen. Taktisch sortierte sich das auf dem Platz bei Ballbesitz in einer Art 3-4-3 ein, mit Bellarabi links offensiv. Die Hausherren traten in speziellen roten Trikots aus Anlass von 20 Jahren Blinden-Reportage in der BayArena an: Unter dem Logo des Hauptsponsors war das Wort „Barmenia“ in Braille-Schrift, der so genannten Blindenschrift, zu sehen.

Amiri noch wirkungsvoll gestört

Gerade mal vier Minuten dauerte es bis zur ersten Gelegenheit. Nach einem Schnellangriff landete der Ball über Kevin Volland bei Nadiem Amiri, der fast freie Schussbahn hatte, in letzter Konsequenz aber von Klostermann wirkungsvoll bedrängt wurde, so dass Gulacsi wenig Mühe hatte, den zu zentralen Versuch zu parieren. Auf der Gegenseite schlich sich Cunha über halblinks davon und schlenzte im Strafraum aufs lange Eck, doch Lukas Hradecky hatte den Braten rechtzeitig gerochen und faustete die Kugel aus dem bedrohten Eck (6.). Wenig später spielte Mitchell Weiser Volland am Fünfmeterraum frei, doch Demme brachte gerade noch ein Bein dazwischen und klärte in höchster Not zur Ecke, ehe Volland abziehen konnte (12.). Es ging gleich flott und munter los im Duell der beiden Spitzenteams.

Viel Tempo und Feuer im Spiel

Danach wieder Hradecky im Blickpunkt: Großartig, wie der Finne im Eins-gegen-eins gegen den enteilten Timo Werner die Ruhe behielt, lange mit einer Reaktion wartete und im kurzen Eck mit dem Fuß abwehrte (15.) – das war eine richtig gute Chance für die Gäste! Der Kopfball von Sven Bender nach Flanke Amiri flog knapp über die Querlatte, unmittelbar danach wurde Kai Havertz im Strafraum gerade noch vom Bein Upamecanos gestoppt (21.). Es war reichlich Tempo und Feuer im Spiel, beide Teams suchten permanent mit viel Zug den direkten Weg nach vorn. Als Sven Bender sich verschätzte, strebte Timo Werner über links erneut allein auf den Kasten der Werkself zu, verzog aber mit rechts doch ziemlich deutlich (26.). Puuh... Und gleich danach noch einmal Glück für Bayer 04, als Cunha mit einem geschickten Heber aus der Distanz nur die Latte traf (29.).

Der rustikale Textil-Test, den Upamecano am Strafraumeck an Karim Bellarabis Trikot vornahm, war Schiedsrichter Fritz keinen Pfiff wert (31.). Der Schuss von Halstenberg flog am langen Eck vorbei, auch der feine Schlenzer von Kevin Volland mit rechts (32.). Nach Werners flacher Hereingabe spitzelte Sabitzer die Kugel knapp am kurzen Eck vorbei (33.). Leipzig lauerte immer wieder an der Schnittstelle zur Abseitsposition und wurde so brandgefährlich. Cunhas Flachschuss indes bedeutete kein Problem für den sicher zupackenden Hradecky (38.). Der sehr aufmerksame Daley Sinkgraven klärte die gefährliche Hereingabe von Forsberg (41.). Nach vielen Höhepunkten, aber ohne Tore ging es in die Pause.

Mit Beginn der zweiten Hälfte löste Wendell den gelb-vorbelasteten und angeschlagenen Sinkgraven auf der linken defensiven Seite ab. Bayer 04 weiter mit viel Ballbesitz, Leipzig stand tief und lauerte wie gewohnt auf die Umschaltmomente. Einige Nachlässigkeiten am Ball und mangelnde Präzision im Passspiel erschwerten den Leverkusenern die Spielkontrolle. Leipzig nahm zwei Wechsel in der Offensive vor, Nkunku kam für Timo Werner (59.), wenig später Schick für Sabitzer (63.).

Toller Angriff zur Führung

Das Ausrufezeichen im Abschluss kam aber von der Werkself. Karim Bellarabi, der auf die rechte Seite gewechselt war, spielte schnell und steil auf Charles Aránguiz und dessen scharfe Hereingabe von rechts verwertete Kevin Volland mit seinem vierten Saisontreffer zur 1:0-Führung (66.). Ein Klasse-Angriff der Hausherren, schnörkellos initiiert und effektiv abgeschlossen! RB-Coach Nagelsmann zog seinen letzten offensiven Trumpf, brachte Poulsen für Cunha (70.). Vorne hatte Leipzig mit Poulsen und Schick jetzt zwei körperlich extrem starke Brecher im Sturmzentrum. Das Duell legte jetzt noch mal zu an Intensität, Poulsen und Weiser sahen in kurzen Abständen Gelb (73.). Bei Bayer 04 kam Moussa Diaby für Bellarabi (75.).

Aránguiz mit der Trage vom Platz

Grundsätzlich hielt die Werkself ihren Gegner jetzt viel besser vom eigenen Kasten fern als noch vor dem Wechsel und gestattete Leipzig bis dahin keine einzige Möglichkeit in Halbzeit zwei. Bis zur 78. Minute: Dann behauptete sich Nkunku nach einer Linksflanke von Halstenberg technisch fein auf engem Raum erst gegen Sven Bender und überwand auch Hradecky mit einem Heber zum 1:1-Ausgleich (78.). Als der Torschütze gegen Aránguiz bei dessen Schussversuch übel den Schlappen draufhielt, musste der Chilene erst lange ärztlich versorgt und dann mit der Trage vom Platz getragen werden (85.). Für ihn kam Kerem Demirbay. „So, wie er ihn trifft, kann man da auch die Rote Karte zeigen“, klagte Bayer 04-Sportdirektor Simon Rolfes. Schiri Fritz indes zückte nicht mal den Gelben Karton.

Volland hat den Jackpot vor Augen

Es gab fünf Minuten Nachspielzeit in diesem packenden Schlagabtausch. Und die Werkself hatte noch ein dickes Ding im Köcher: Nach einem starken Ballgewinn von Baumgartlinger chippte Havertz die Kugel auf Volland, doch der Stürmer scheiterte gleich zweimal aus ganz kurzer Distanz an Gulacsi (90.+4). Das wäre am Ende um ein Haar noch der lucky Punch gewesen. Aber auch so hat Bayer 04 mit 14 Punkten aus den ersten sieben Spielen den besten Saisonstart seit 2013 hingelegt.

Die Bundesliga legt jetzt eine Länderspielpause ein. Danach geht es für Bayer 04 mit der Partie des achten Spieltages bei Eintracht Frankfurt am Freitag, 18. Oktober, um 20.30 Uhr weiter.

Die Statistik:

Bayer 04: Hradecky – Tah, S. Bender, Sinkgraven (46. Wendell) – Weiser, Baumgartlinger, Aránguiz (89. Demirbay), Amiri – Havertz, Volland, Bellarabi (75. Diaby)

RB Leipzig: Gulacsi – Klostermann, Upamecano, Orban, Halstenberg – Laimer, Demme – Sabitzer (63. Schick), Forsberg – Cunha (70. Poulsen), Werner (59. Nkunku)

Tore: 1:0 Volland (66.), 1:1 Nkunku (78.)

Schiedsrichter: Marco Fritz (Korb)

Gelbe Karten: Sinkgraven, Weiser – Demme, Poulsen

Zuschauer: 26.355

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