
„Ich bin ein bisschen enttäuscht und hätte gern hier gewonnen. Aber Union hat es auch gut gemacht und uns nur sehr wenige Möglichkeiten gestattet. Wir hatten sehr wenige Räume, da war es schwer, unsere offensiven Stärken auf den Platz zu bringen“, sagte Florian Wirtz nach dem Spiel.
Bayer 04-Chefcoach Xabi Alonso nahm zwei Veränderungen in seiner Startelf im Vergleich zum 2:0-Erfolg gegen RB Leipzig vor. Edmond Tapsoba rückte nach überstandenen muskulären Problemen für Kerem Demirbay in die Anfangsformation, zudem kehrte Florian Wirtz ins Team zurück und besetzte den Platz von Amine Adli. Die überraschende Variante in taktischer Hinsicht: Xabi Alonso brachte Tapsoba nicht etwa auf seiner gewohnten Position in der Innenverteidigung, sondern beorderte ihn ins zentrale defensive Mittelfeld neben Robert Andrich. Verzichten mussten die Leverkusener im Stadion An der Alten Försterei auf die verletzten Patrik Schick und Exequiel Palacios sowie den nach der fünften Gelben Karte gesperrten Nadiem Amiri.
Welch dickes Brett die Werkself bei den Eisernen zu bohren hatte, machte der Blick auf die Heimbilanz der Hausherren deutlich: Seit 20 Bundesligaspielen war Union saisonübergreifend auf eigenem Platz ungeschlagen. Doch auch Bayer 04 ging nach wettbewerbsübergreifend 13 Partien ohne Niederlage mit breiter Brust in die Begegnung mit dem Tabellendritten. Die Berliner verbuchten den ersten Abschluss, Sheraldo Becker zog aus der Distanz ab, sein Versuch bereitete Lukas Hradecky aber keine Probleme (5.). Der Stürmer stand auch in der nächsten Szene im Blickpunkt, als ihn Odilon Kossounou im Eins-gegen-Eins gerade noch entscheidend stören und den Abschluss blockieren konnte (8.). Kossounou klärte auch gegen Jordan Siebatcheu (11.), dessen Kopfball kurz darauf am Leverkusener Kasten vorbeiflog (12.). Die ersten Möglichkeiten eröffneten sich den Gastgebern.

Wenig später die erste gute Gelegenheit der Werkself, nach resolutem Ballgewinn von Robert Andrich und Zuspiel von Florian Wirtz war Moussa Diaby am linken Strafraumeck frei, doch der Schuss des Franzosen rauschte über die Latte (17.). Bayer 04 war um Ballkontrolle und stabilen Stand bemüht, hatte aber Mühe, mit Tempo in den Rücken des Gegners zu gelangen, der mit 31 Gegentoren die beste Abwehr der Liga stellt. Nach gut einer halben Stunde ein schöner Konter über Mitchel Bakker auf links, doch Diaby traf die Kugel nicht voll nach der flachen Hereingabe des Niederländers (32.). Auf der Gegenseite brachte Kossounou erneut ein Bein bei Haberers Schuss dazwischen (39.). Nach einer von viel Taktik geprägten ersten Hälfte ging es torlos in die Pause.
Jeremie Frimpong kam nach dem Wechsel aussichtsreich zum Abschluss, setzte den Ball aber klar übers kurze Eck (47.). Auch Unions Laidouni zielte bei seiner Volleyabnahme zu hoch (48.). Die Partie blieb wie schon im ersten Durchgang sehr umkämpft, bei beiden Teams stand dabei die Fehler- und Risikovermeidung an erster Stelle. Beckers Schlenzer aufs lange Eck verfehlte das Ziel deutlich (59.). Xabi Alonso nahm in der Offensive zwei Wechsel vor, Amine Adli und Sardar Azmoun kamen positionsgetreu für Diaby und Adam Hlozek (62.).

Robert Andrichs wuchtiger Schuss aus dem Hinterhalt hätte Union-Keeper Rönnow durchaus vor Probleme stellen können, wurde aber von einem Berliner Abwehrbein noch im Strafraum geblockt (74.). Beide Abwehrreihen ließen nichts anbrennen, bei Bayer 04 ließ sich Jonathan Tah auch durch ständige Pfiffe der Union-Fans nicht aus der Ruhe bringen und lieferte erneut eine blitzsaubere Leistung ab. In der Schlussphase stellten die Leverkusener das aktivere Team und waren auf die eine entscheidende Lücke im Berliner Abwehrverbund aus. Bei Bakkers Kopfball nach Flanke Frimpong tauchte Rönnow rechtzeitig ab und parierte (86.). Azmoun wurde nach Vorarbeit von Piero Hincapie im letzten Moment entscheidend am Schuss gehindert (88.). Kurz darauf ertönte der Abpfiff – und am Ende hatten beide Serien Bestand: Union blieb auch im 21. Bundesliga-Heimspiel nacheinander ohne Niederlage, die Werkself baute ihre aktuelle Bilanz auf 14 ungeschlagene Spiele aus.
Für Bayer 04 geht es mit dem 31. Bundesliga-Spieltag und dem Derby am Freitag, 5. Mai, um 20.30 Uhr in der BayArena gegen den 1. FC Köln weiter. Am Donnerstag darauf, 11. Mai, folgt um 21 Uhr das Halbfinal-Hinspiel in der UEFA Europa League bei der AS Rom.
Die Statistik:
Union Berlin: Rönnow – Doekhi, Knoche, Diogo Leite – Juranovic, Khedira, Roussillon (90. Gießelmann) – Laidouni (69. Schäfer), Haberer (78. Thorsby) – Becker, Jordan Siebatcheu (78. Michel)
Bayer 04: Hradecky – Kossounou, Tah, Hincapie – Frimpong, Andrich, Tapsoba, Bakker – Diaby (62. Adli), Hlozek (62. Azmoun), Wirtz
Gelbe Karten: Diogo Leite – Kossounou
Schiedsrichter: Marco Fritz (Korb)
Zuschauer: 22.012 (ausverkauft) im Stadion An der Alten Försterei

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