
Als Fenerbahce-Trainer Mustafa Denizli am Vormittag des 11. September 2001 im Kölner Hyatt-Hotel, dem Mannschaftsquartier des türkischen Traditionsklubs, gemeinsam mit seinen Spielern Derelioglu Oktay und Mustafa Dogan vor Journalisten über das anstehende Champions-League-Spiel gegen Bayer 04 Leverkusen spricht, kann noch niemand ahnen, dass die Partie am Tag darauf nicht stattfinden wird. Auf der anderen Rheinseite gibt Bayer 04-Coach Klaus Toppmöller wenig später bei der Pressekonferenz in der BayArena Auskunft über den Stand der Dinge bei der Werkself. Und Reiner Calmund redet ausführlich über „das Theater mit den Karten“. Denn nicht nur bei den Fenerbahce-Fans in Deutschland und den angrenzenden europäischen Ländern herrschte eine riesige Nachfrage nach Tickets. Auch die türkischen Journalisten hatten Karten-Kontingente gewünscht, die das übliche Maß deutlich überstiegen. Manch eine Zeitung hatte bis zu 13 Pressekarten angefordert. „Alle kommen rein, aber wer davon im Pressebereich sitzt und wer auf der Haupttribüne, das entscheiden wir“, erklärt Calmund.
Das erste Spiel gegen einen türkischen Klub auf internationaler Ebene ist für Bayer 04 eine organisatorische Herausforderung. Sein Klub, so erläutert der Manager, habe den Gästen nicht nur die ihm zustehenden fünf Prozent des Kartenkontingentes zur Verfügung gestellt, sondern darüber hinaus weitere Tickets etwa für das Präsidium von Fenerbahce und den Kölner Fanklub. Doch die aufgeregte Karten-Diskussion sollte schon sehr bald keine Rolle mehr spielen.
Wenige Stunden nach der Leverkusener PK explodiert das erste Flugzeug im Nordturm des World Trade Center in New York. Die Terroranschläge auf die USA haben auch Auswirkungen auf den Champions-League-Spielplan. Die UEFA entscheidet, dass die Partien am 11. September noch stattfinden, sämtliche für den 12. September geplanten Begegnungen aber verschoben werden.
Knapp vier Wochen später wird der erste Spieltag nachgeholt. Die BayArena ist am 10. Oktober mit 22.500 Zuschauern restlos ausverkauft. Längst nicht alle Kartenwünsche – vor allem von in Deutschland lebenden Fenerbahce-Anhängern – konnten erfüllt werden. Bayer 04 organisiert deshalb gemeinsam mit einer Veranstaltungsagentur und in Absprache mit den Behörden und der UEFA eine Aktion im Düsseldorfer Rheinstadion. Dort wird eine 34 Quadratmeter große Leinwand aufgebaut, auf der all die, die kein Ticket mehr für die BayArena bekamen, die Live-Übertragung des Spiels in türkischer Sprache verfolgen können.
In Leverkusen ziehen derweil Fenerbahce-Fans schon Stunden vor dem Anpfiff durch die Fußgängerzone in Wiesdorf und sorgen auf den Rasenflächen zwischen Bismarckstraße und BayArena mit ihren gelb-blauen Fahnen, Schals und Transparenten mit dem Aufdruck „Fenerbahce Spor Kulübü“ für ein farbenfrohes Bild. Manche Fanklubs von Fenerbahce kommen aus den Niederlanden, sind mit Bussen aus Amsterdam und s’Hertogenbosch angereist. Einige Anhänger sind bereits am 12. September hier gewesen, weil sie zu spät von der Absage erfahren haben. Wie zum Beispiel Mehmet Soganci, der zum zweiten Mal mit dem Zug aus Wiesbaden kommt. Dem „Leverkusener Anzeiger“ erzählt der damals 22-Jährige, der in Deutschland geboren wurde, dass er zum ersten Mal seinen Lieblingsklub Fenerbahce live erlebt. Anhänger aus Wuppertal vom Fußballklub FC Fenerbahce Wuppertal verkaufen Fanartikel an einem Stand in Nähe der Südtribüne.
In diesen Stunden vor dem Anpfiff dominieren rund um die BayArena die Farben Gelb-Blau, nicht Schwarz-Rot. Es herrscht ausgelassene, bunte Volksfest-Atmosphäre. Im Stadion, wo nun auch knapp 20.000 Werkself-Fans für Stimmung sorgen, erweisen sich die Fenerbahce-Anhänger nicht nur als leidenschaftliche Supporter ihres Teams, sie bereiten auch ihrem Landsmann Yildiray Bastürk und ganz besonders Bayer 04-Torwarttrainer Toni Schumacher einen herzlichen Empfang. Schumacher hatte zwischen 1988 und 1991 für Fenerbahce das Tor gehütet, war mit dem Klub einmal Türkischer Meister geworden und genießt in der Türkei immer noch einen exzellenten Ruf. Und Leverkusens Mittelfeldakteur Bastürk wird als türkischer Nationalspieler auch von Fenerbahce-Fans überaus geschätzt.
Das Spiel in der BayArena findet unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen statt. Die sonst im Boden versenkten Zäune am Spielfeldrand werden hochgefahren. Aber trotz einer hitzig geführten Partie bleibt auf den Rängen während der 90 Minuten alles friedlich. Die Gästefans dürfen zwar früh jubeln nach dem Tor von Haim Revivo in der sechsten Minute, müssen dann aber zusehen, wie die Werkself ihrer Mannschaft die dritte Niederlage in Folge in der Königsklasse zufügt. Dennoch verabschieden sie ihr Team mit Applaus.
Und in Düsseldorf? Da hält sich das Interesse am Public Viewing im Rheinstadion doch schwer in Grenzen. Nur rund 50 Zuschauer verlieren sich bei der Live-Übertragung des Spiels vor der Groß-Leinwand. Die Rheinische Post schrieb einen Tag später: „Zum türkischen Volksfest fehlten nur die Gäste.“
Die Party hatte eben doch nur in Leverkusen stattgefunden. Und dort hinterließen die Gäste einen sehr sympathischen Eindruck.

Auf hochkarätigen Turnieren in drei Ländern traten sämtliche Junioren-Teams von Bayer 04 durchaus erfolgreich gegen den Ball: Neben dem überzeugenden Turniersieg der U15 in Essen landeten auch die U17 in Stemwede, die U14 in den Niederlanden sowie die U11 in Österreich mit Rang drei auf dem Treppchen. Derweil sorgten die U16-Juniorinnen mit einem 11:1 gegen die U17 des 1. FC Köln für klare Verhältnisse im Derby. Das Nachwuchs-Wochenende im Überblick.
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Als Bundesliga-Dritter erwischte die Werkself nach der Winterpause einen Fehlstart ins Jahr 2026, fand im Laufe der Wochen allmählich aber zurück in die Erfolgsspur und gehörte wie im Vorjahr zu den Top 16 in Europa und den Top 4 im DFB-Pokal. In der Bundesliga blieb die Werkself zudem in Sachen Champions-League-Qualifikation bis zum Ende im Rennen. Weil sich aber zwischen gute Leistungen und „big points“ immer wieder auch Rückschläge in die Auftritte der Werkself schlichen, reichte es am Schluss nicht ganz für die Königsklasse. Eine Saison mit vielen Höhen und Tiefen endete auf Rang sechs und in der Qualifikation für die UEFA Europa League. Teil II des Rückblicks auf die Saison 2025/26.
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Von der Saisoneröffnung gegen den Pisa SC bis zum letzten Heimspiel gegen den Hamburger SV haben die Bayer 04-Fans abermals ein großes Herz bewiesen: Insgesamt 31.039 Becher wurden in der Saison 2025/26 bei den Partien in der BayArena gespendet.
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Showdown zum Saisonabschluss: Die U19 von Bayer 04 trifft am Mittwoch, 27. Mai (Anstoß: 19 Uhr/Stadionöffnung: 17 Uhr), im Finale des FVM-Verbandspokals auf den FC Viktoria Köln – und kann die Spielzeit 2025/26 so mit einem Titel beenden. Tickets für die Partie im Aggerstadion in Troisdorf sind ab sofort online sowie am Spieltag an der Tageskasse erhältlich.
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