Peter Bosz erklärt „FKT“

„FKT“, kurz für Fußball-Konditions-Training, ist in Leverkusen in aller Munde. Dass es die anstrengendste Einheit der Woche ist, ist ebenfalls bekannt. Doch wie FKT genau funktioniert und warum Peter Bosz ein solcher Fan dieser Trainingsmethode ist, erklärt er nun…
crop_20200106_schueler_b04_TL_Tag3_1602.jpg

„Wenn die Spieler nach dem Training auf dem Rücken liegen, dann weiß ich: Die Einheit war gut. Wenn danach noch geredet und gelacht wird, war das FKT nicht richtig“, schmunzelt Bosz. Die FKT-Einheit im Trainingslager in La Manga schien demnach eine ziemlich gute gewesen zu sein, denn nach Abpfiff ließen sich die Werkself-Profis auf den Rasen fallen und musste erst einmal wieder zu Luft kommen. Beim FKT steht nicht die Spielweise, sondern die Kondition im Fokus:  „Am Ende geht es nur darum, wie viel jeder einzelne Spieler gelaufen und vor allem gesprintet ist“, erklärt Bosz.

In zwei Mannschaften lässt er seine Spieler auf dem halben Spielfeld in mehreren Durchgängen mit jeweils einer Minute Pause dazwischen gegeneinander antreten. Im Moment liegt die Werkself bei 4x13 Minuten. „Wir erhöhen die Zeit immer wieder. Zum Anfang der Saison haben wir mit 3x12 Minuten begonnen, haben uns dann immer weiter gesteigert auf 3x13, 4x12 Minuten usw.“, so der Niederländer. Die Intensität ist bei FKT besonders hoch, sie simuliert die Belastung wie bei einem 90-minütigen Spiel, nur ohne Unterbrechungszeit.

Auf den ersten Blick mögen 4x13 Minuten wenig klingen, doch dabei handelt es sich um so genannte Netto-Minuten, erläutert Bosz: „Ein normales Spiel hat ungefähr zwischen 52 und 58 Netto-Minuten“, in der restlichen Zeit rollt der Ball nicht. „Deswegen sind 4x13 Minuten tatsächlich sehr anstrengend.“

Die einzelnen Spielerwerte während einer FKT-Einheit werden schon während des Trainings ausgewertet. Peter Bosz selbst steht während der Durchgänge gern in der Gegend um den Mittelkreis. „Da befinde ich mich am liebsten, von dort aus hat man eine andere Perspektive und kann die Abstände der Spieler besser beurteilen. Deshalb bin ich auch der Schiedsrichter. Aber ich bin eher einer, der nicht viel pfeift, denn das Spiel muss immer laufen.“

Sollte es mal vorkommen, dass ein Profi zu wenig Kilometer auf dem Buckel hat, dann bekommt der Cheftrainer das auch am Mittelkreis mit. Sein Co-Trainer Terry Peters steht zusammen mit Dr. Malte Krüger, dem Sportwissenschaftler von Bayer 04, an der Seitenlinie mit einem iPad und beobachtet die Live-Laufwerte der einzelnen Spieler. „Es kann dann ab und an passieren, dass Terry zu mir kommt und berichtet, dass ein Spieler zu wenig macht. Den kann ich mir dann gezielt rauspicken und pushen“, so Bosz.

Grundsätzlich sinkt die Laufleistung bei einem normalen FKT-Verlauf mit jeder Runde: „Im ersten Durchgang ist alles top, dann sprintet die Mannschaft, die Werte sind immer hoch. Die normalen Abläufe zeigen, dass die gelaufene Distanz im zweiten, dritten und auch zu Beginn des vierten Durchgangs weiter sinkt. Ganz am Ende rufen die Spieler aber nochmal alles ab und die Kurve steigt wieder etwas.“

Die Trainingsmethode FKT hat sich Bosz im Übrigen vom niederländischen Fußball-Konditions-Experten Raymond Verheijen, der in früheren Jahren sein Dozent war, angeeignet. Der 48-Jährige gilt weltweit als führender Trainer im Bereich Fußball-Kondition, war für die Nationalteams der Niederlanden, Südkorea und Russland bereits an drei Weltmeisterschaften und drei Europameisterschaften beteiligt und arbeitete mit Top-Teams wie dem FC Barcelona, dem FC Chelsea oder Manchester City zusammen. „Ich hatte das Glück, Raymond zu meiner Trainer-Zeit bei Heracles Almelo kennenzulernen“, erzählt Bosz. „Ich habe ihn angerufen und gesagt: Ich möchte diese Trainingsmethode unbedingt lernen!“

Die physischen Terminologien, die an der Sporthochschule gelehrt worden sind, seien ihm egal gewesen. „Verheijen hat mit mir einfach über Fußball gesprochen.“ Und so kam es, dass fast jede Woche bei Peter Bosz „einfach Fußball“ gespielt wird – ohne große Unterbrechungszeit natürlich.

Ähnliche News

Emma Owen
Jugend - 28.06.2026

Von Bayer 04 zum FC Utrecht: Chigozie Owen wechselt in die Eredivisie

Bayer 04 hat den U19-Mittelfeldspieler Emmanuel Chigozie Owen an den FC Utrecht in die niederländische Eredivisie transferiert.

Mehr zeigen
BayArena
Bayer 04 - 26.06.2026

Neue Bestuhlung der BayArena: Umbau nimmt Form an

Es wird gebohrt, geschraubt und fleißig gearbeitet: Seit einigen Wochen laufen die Umbauarbeiten in der BayArena im Zuge des routinemäßigen Austauschs nach 17 Jahren. Immer mehr der neuen Klappsitze, die ab der kommenden Saison für deutlich mehr Komfort und eine vereinfachte Bewegung innerhalb der Sitzreihen sorgen werden, sind inzwischen montiert. Mittlerweile sind auf der gesamten Ost-Tribüne die neuen hochwertigen Stühle angebracht und verleihen der BayArena neuen Glanz. Ein Zwischenstand.

Mehr zeigen
Bayer 04
Bayer 04 - 26.06.2026

Künstler, Knipser und Strategen: Die Brasilianer unterm Bayer-Kreuz

Mit Milton Queiroz da Paixao fing 1987 alles an: Tita, wie er genannt wurde, war der erste Brasilianer unterm Bayer-Kreuz. Zahlreiche weitere Fußballer vom Zuckerhut sollten in den nächsten Jahren folgen. Viele von ihnen drückten dem Spiel der Werkself ihren eigenen Stempel auf. Rund 40 Jahre später setzt Arthur, der seit Sommer 2023 das Bayer 04-Trikot trägt, diese lange Tradition fort. Der 23-Jährige ist bereits der 24. Brasilianer der Vereinshistorie und hat sich als Teil der Doublesieger-Mannschaft von 2024 schon jetzt in die Geschichtsbücher des Werksklubs geschrieben. Ein Überblick über alle Bayer 04-Spieler aus dem Land des fünfmaligen Weltmeisters in Kurzporträts.

Mehr zeigen
„Auf dem Platz eine Kämpferin“: Erstes Interview mit Justine Brandau
Werkself-TV - 26.06.2026

„Auf dem Platz eine Kämpferin“: Erstes Interview mit Justine Brandau

Als zweite Niederländerin nach Lobke Loonen wechselt Linksverteidigerin Justine Brandau zur neuen Saison zu den Bayer 04-Frauen. In ihrem ersten Interview in Leverkusen spricht die 23-Jährige unter anderem über ihre ersten Eindrücke, die Gründe für ihren Wechsel nach Deutschland und ihre Erwartungen an die kommenden beiden Jahre.

Mehr zeigen