
„Zu Bayer 04 zu wechseln war nicht nur meine Entscheidung, sondern auch die meiner Familie. Es war schließlich eine Entscheidung, die mein Leben und auch ihr Leben verändert hatte“, erklärt der 1,74 Meter große Defensivakteur rückblickend. Knappe anderthalb Wochen nach seinem Debüt für die A-Nationalmannschaft Brasiliens Ende März gab der Werksklub die Verpflichtung des schnellen Schienenspielers bekannt. Für Geschäftsführer Sport Simon Rolfes ein „Transfer mit Weitblick“, wie er im Zuge der Verpflichtung Anfang April erläuterte.
Sein Engagement beim Bundesligisten aus Leverkusen ist dabei für Arthur, der mit vollem Namen Arthur Augusto de Matos Soares heißt, das erste außerhalb seines Heimatlandes Brasilien. Geboren und aufgewachsen ist der Werkself-Profi in Belo Horizonte. In der brasilianischen Metropole mit rund drei Millionen Einwohnern begann seine Karriere, als er in jungen Jahren mit Freunden und Familie auf der Straße das Fußballspielen für sich entdeckte.
„Ich habe früher immer in der Straße meiner Großmutter gespielt. Im Alter von sechs Jahren schickte mich mein Vater dann zu einer Fußballschule in der Nachbarschaft. Dort habe ich meine ersten Schritte gemacht“, so Arthur, der einige Jahre später und über Umwege auch seine Berufung als Außenverteidiger fand: „Meine Position habe ich nicht wirklich gewählt. Bei Cruzeiro (Cruzeiro Belo Horizonte, Anm. d. Red.) hatte mich der Trainer damals in der U14 als Außenverteidiger getestet – und am Ende war ich dort am besten.“ Ein Glücksfall für Arthur, wie sich später herausstellen sollte.
2019 zog es den damals 15-Jährigen in die Jugendabteilung des brasilianischen Erstligisten América Mineiro. Nachdem er im Folgejahr an Flamengo Rio de Janeiro ausgeliehen wurde und im Anschluss daran zu América zurückkehrte, schaffte er dort auch den Sprung in die Profimannschaft. Im April dieses Jahres folgte er dann dem Ruf von Bayer 04 und von der Bundesliga – die „Verwirklichung eines Traums“, wie der ehrgeizige Defensivspieler heute betont.
In Leverkusen hat Arthur nun die Möglichkeit, die Erfolgsgeschichte namhafter brasilianischer Profis beim Werksklub fortzuschreiben. Wendell, Lucio, Zé Roberto – nur einige der zahlreichen Brasilianer, die unterm Kreuz spielten und schnell zu Publikumslieblingen avancierten. „Oh, Zé war ein Vorzeige-Profi und ein großartiger Mensch“, weiß auch Arthur und ergänzt: „Ich möchte auf jeden Fall in seine Fußstapfen treten. Auch ich will meinen Namen in der Geschichte des Klubs hinterlassen.“





Mit Wendell, der sieben Jahre für die Werkself spielte, führte Arthur sogar intensive Gespräche, um sich bei seiner Entscheidung pro Leverkusen ganz sicher zu sein: „Ich hatte viele Angebote aus Europa und habe ihn mit Fragen zu Bayer 04 gelöchert. (lacht) Seine durchweg positiven Aussagen haben mich sehr beruhigt und mir noch mehr Vertrauen gegeben. Das Feedback über den Klub, die große Historie von Brasilianern und der Spielstil – alles hat gepasst. So fiel meine Wahl am Ende auf Bayer 04 – und ich bereue es kein Stück.“
Mittlerweile ist Arthur einen Monat in Deutschland. Anfangs begleiteten ihn sein Vater und sein Manager nach Leverkusen. Sie sind zurück nach Brasilien geflogen, als die Werkself ins Trainingslager nach Österreich aufgebrochen war. Arthur: „Im August zieht meine Familie aber endlich endgültig zu mir – meine Mutter, mein Vater, meine Schwester und ihr Verlobter. Wir waren schon immer eine sehr eng verbundene Familie und das wird sich auch jetzt nicht ändern.“
Probleme, sich im neuen Umfeld einzugewöhnen, hatte der 20-Jährige aber ohnehin nicht. Arthur begann bereits zwei Monate bevor er nach Leverkusen kam mit dem Deutsch-Unterricht, um schnellstmöglich in einen optimalen Austausch mit Verantwortlichen, Trainern und Spielern gehen zu können. Er erklärt: „Ich hatte drei Mal in der Woche geübt. Und neben den Deutsch-Stunden in Brasilien hatte ich immer Duolingo zur Hand. (lacht)
Inzwischen trainiert Arthur immer noch drei Mal wöchentlich an seinen Deutsch-Kenntnissen, im Unterricht und auch weiterhin in seiner Freizeit. Der ehrgeizige Brasilianer möchte sich noch mehr verbessern - immerhin will er irgendwann einmal sein Versprechen einlösen: „Ich glaube, ich habe sie (Simon Rolfes und Xabi Alonso, Anm. d. Red.) damit auch überzeugt, als ich sagte, ich sei der Ausländer, der am schnellsten Deutsch lernen würde“, scherzt der ehrgeizige Brasilianer.
Eine besondere Freundschaft hegt Arthur zu Mannschaftkollege Gustavo Puerta. Beide schlugen schon Anfang Juli in Leverkusen auf, als der Großteil der Werkself noch in der Sommerpause oder mit den jeweiligen Nationalmannschaften unterwegs war.





Erste Berührungspunkte hatten die beiden Werkself-Profis aber schon im Februar dieses Jahres bei der U20-Südamerikameisterschaft in Kolumbien. „Da haben Gustavo und ich gegeneinander gespielt. Brasilien gegen Kolumbien – ein Fußball-Klassiker. Wir haben uns zwar nie unterhalten, aber wir wussten, wer der andere ist. Als wir dann hier ankamen, haben uns natürlich auch die ähnlichen Sprachen verbunden (Portugiesisch und Spanisch, Anm. d. Red.). Wir haben uns gegenseitig geholfen und so ist eine Freundschaft entstanden.“
Das Turnier konnte Arthur am Ende mit Brasilien gewinnen. Beeindruckt von der Verbundenheit im Team und davon, dass sich alle einem gemeinsamen Ziel verpflichtet hatten, war es für den Außenverteidiger ein „ganz besonderer Moment“ in seinem Leben.
Ähnliche Gefühle überkamen ihn dann auch einen Monat später, als er sein Debüt für die A-Nationalmannschaft Brasiliens feiern durfte: „Als ich meinen Eltern von der Einladung erzählt hatte, haben wir alle angefangen zu weinen. Ein weiterer Traum wurde plötzlich Wirklichkeit. Und als der Trainer mich dann während der Partie gegen Marokko aufrief, um zu spielen, da raste mein Herz. Da hat das Adrenalin die Oberhand gewonnen und ich habe aufgehört nachzudenken. Nach dem Spiel kam dann ein riesiges Glücksgefühl in mir auf. Ich habe wieder vor Freude geweint.“
Für die Leverkusener Nr. 13 steht nun die erste Pflichtspielwoche mit Bayer 04 vor der Tür. Am Samstag, 12. August (Anstoß: 15.30 Uhr), trifft Arthur mit der Werkself in der 1. Runde des DFB-Pokals am Hamburger Millerntor auf den FC Teutonia 05 Ottensen. Im Anschluss wird es für ihn und seine Teamkollegen auch in der Bundesliga sowie ab dem Herbst in der UEFA Europa League zur Sache gehen.
Mit höchster Motivation schaut der eifrige Brasilianer seinem Pflichtspiel-Debüt entgegen: „Mein Ziel ist es, mit dem Team erfolgreich zu sein – in allen Wettbewerben. Ich bin ein sehr engagierter Mensch und weiß genau, was ich will. Ich werde alles geben. Neben dem Platz können die Fans mit einem freundlichen Spieler rechnen, der immer gern mit ihnen redet oder Fotos macht. Und auf dem Spielfeld können sie mein Bestes erwarten.“

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