Bierofka: Schneider, Kirsten und Co. haben mich geprägt

108 Pflichtspiele hat Daniel Bierofka zwischen 2002 und 2005 für die Werkself bestritten. Wir haben bei unserem ehemaligen Mittelfeldspieler, der am Sonntag seinen 42. Geburtstag feiert, mal nachgefragt, was er derzeit macht, welche Erinnerungen er an seine Zeit unterm Bayer-Kreuz hat und wie er die Bender-Zwillinge bei ihren Anfängen als Profis im Trikot von 1860 München erlebt hat.
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Hallo Herr Bierofka, erst einmal: Wie geht es Ihnen?
Bierofka:
Mir geht es gut, vielen Dank. Auch beruflich. Ich habe zu Beginn der Saison den Trainerjob beim österreichischen Traditionsverein Wacker Innsbruck angenommen. Wir wollen hier etwas aufbauen, den Verein möglichst schnell in die 1. Liga zurückführen und in absehbarer Zeit hoffentlich auch wieder im europäischen Wettbewerb landen.

In Ihrer aktiven Zeit als Fußballer haben Sie auch drei Jahre für Bayer 04 gespielt. Welche Erinnerungen haben Sie an die Zeit?
Bierofka: Das war eine fantastische Zeit! Ich wurde damals von Manager Reiner Calmund und Trainer Klaus Toppmöller verpflichtet und durfte in einer super Mannschaft spielen. Es war für mich ein Privileg. Die Champions-League-Abende, die ich erleben durfte, gegen absolute Top-Mannschaften aus Europa – das werde ich garantiert nie vergessen. Es war eine super Zeit in Leverkusen.

Nach einer nicht so guten ersten Saison als Tabellen-15. folgten zwei erfolgreichere Spielzeiten (3. und 5. Platz). Wie war der Start für Sie?
Bierofka: Im ersten Jahr war es nicht einfach. Die Mannschaft war im Jahr zuvor bis ins Champions-League- und DFB-Pokal-Finale gekommen, wurde in der Meisterschaft kurz vor Schluss noch abgefangen. Dann waren im Sommer 2002 einige Bayer 04-Spieler bei der WM dabei – die hatten quasi keine Pause. Zudem hatten vor meiner ersten Saison in Leverkusen Michael Ballack und Zé Roberto den Verein verlassen. Dadurch hatte die Mannschaft natürlich an Qualität verloren. Doch für mich persönlich war es kein schlechtes Jahr, ich habe die meisten Tore geschossen in dem Jahr. Obwohl ich ja eigentlich nicht als Torjäger bekannt war.


Unterm Bayer-Kreuz haben Sie mit Fußballern wie Lucio, Carsten Ramelow, Dimitar Berbatov, Ulf Kirsten und Bernd Schneider zusammengespielt. Konnte man sich von denen etwas abschauen?
Bierofka: Da waren richtige Stars des internationalen Fußballs dabei. Allein wenn man die Innenverteidigung sieht – Lucio und Juan, die Weltmeister geworden sind. Auch bei Bernd Schneider war es schon im Training ein Genuss, ihm zuzuschauen. Ulf Kirsten war zwar im Herbst seiner Karriere, aber er hat noch mit einem solchen Ehrgeiz und Willen trainiert. Als junger Spieler war es ein Privileg, mit denen zusammenspielen zu dürfen. Das hat mich geprägt und weitergebracht.

Nach zwei Jahren beim VfB Stuttgart sind Sie schließlich 2007 zu 1860 München zurückgekehrt. Dort haben Sie die Profi-Anfänge von Lars und Sven Bender miterlebt. Wie haben Sie die Bender- Zwillinge als Fußballer, aber auch als Menschen kennengelernt?
Bierofka: Die zwei Jungs kamen gerade aus der Jugend und haben die ersten Schritte im Profibereich gemacht. Ich habe natürlich versucht, sie dabei zu unterstützen. Wir hatten ein sehr gutes Verhältnis zueinander. Teilweise habe ich als Offensivspieler nach dem Training noch mit einem von beiden Zweikämpfe trainiert – sie haben verteidigt. Das sind zwei total bodenständige Menschen, die beide eine tolle Karriere hingelegt haben. Ich kann nachvollziehen, dass dann irgendwann der Punkt kommt, an dem man auf seinen Körper hören sollte. Ich wünsche ihnen nach dem Karriereende im Sommer viel Glück für ihren weiteren Weg.

Auch Julian Baumgartlinger und den ehemaligen Leverkusener Kevin Volland haben Sie bei den Löwen kennengelernt. Wie sehen Sie die Entwicklung der beiden Spieler?
Bierofka: Ähnlich positiv wie bei den Benders. Gerade Julian Baumgartlinger hat sich extrem entwickelt. Er hatte bei uns nicht immer gespielt, hat sich auf seinem Weg über Wien und Mainz zu einem richtig guten Spieler entwickelt, der auch in Leverkusen schon seine Spuren hinterlassen hat. Und auch Kevin hat sich einen Namen im internationalen Fußball gemacht. Er hat in den letzten Jahren in Deutschland sehr gut performt und macht auch jetzt in Monaco wieder einen super Job. Ich finde es schade, dass er so wenig Spiele für die deutschen Nationalmannschaft gemacht hat. Er hat in meinen Augen mehr Aufmerksamkeit und Anerkennung verdient.

Nach Ihrer aktiven Fußballer-Karriere sind Sie als Trainer an die Seitenlinie bei 1860 München gewechselt und waren dort in verschiedenen Mannschaften tätig. 2017/18 haben Sie die erste Mannschaft aus der Regionalliga zurück in den professionellen Fußball in die 3. Liga geführt. Was bedeutet Ihnen das?
Bierofka: Ich war bei dem Klub 14 Jahre als Spieler und Trainer in verschiedenen Positionen aktiv. Der Verein liegt mir schon sehr am Herzen. Nach dem Lizenz-Entzug 2017 den Wiederaufstieg in die 3. Liga zu schaffen, war sehr wichtig für den Verein, um sich wieder zu stabilisieren. Jetzt stehen sie wieder ganz gut dar, ich drücke ihnen die Daumen. Vielleicht schaffen sie den Weg zurück in die 2. Bundesliga, wo sie meiner Meinung nach hingehören.

Aktuell stehen Sie bei Wacker Innsbruck als Cheftrainer unter Vertrag. Wie fühlen Sie sich dort in Österreich?
Bierofka: Sehr gut! Die Mentalität von uns Bayern und den Tirolern ist ja sehr ähnlich. Ich fühle mich pudelwohl hier.

Verfolgen Sie eigentlich noch das aktuelle Geschehen rund um Bayer 04? Wie würden Sie die aktuelle Saison bewerten?
Bierofka: Ich verfolge alle meine Ex-Vereine weiterhin. Ich finde, dass Leverkusen gerade bis zum Winter einen tollen Fußball gespielt hat. Die Partie gegen die Bayern war ein absolutes Spitzenspiel, die Mannschaft konnte lange auf Augenhöhe mitspielen. Auch wenn zuletzt die positiven Ergebnisse ausgeblieben sind: Ich finde, die Spieler sind auf einem super Weg und haben in Peter Bosz einen überragenden Trainer. Wenn man sich die Altersstruktur der Mannschaft anschaut, kann man in der Zukunft noch einiges erwarten.

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