
Markus, du bist seit über 30 Jahren als Spieler und Trainer im Leistungsfußball tätig und hast dementsprechend schon viel erlebt. Wie ordnest du die vergangenen Monate ein?
Diese Zeit ist unvergleichbar. Es war für mich nicht vorstellbar, dass so etwas mal passieren wird. Mein Sohn Luca und ich haben Ende Oktober eine Nierentransplantation vorgenommen, er hat von mir eine Niere bekommen. Insofern gehören wir seither zur Risikogruppe. Aus diesem Grund haben wir die Entwicklungen der Pandemie privat sehr genau verfolgt. Im Nachhinein sind wir alle froh, dass die Maßnahmen so konsequent getroffen worden sind.
Vergangene Woche seid ihr nach über zweimonatiger Pause unter strengen Hygienevorschriften wieder ins Kleingruppen-Training eingestiegen. Wie war das für dich?
Ich habe mich riesig gefreut, die Jungs wieder persönlich zu sehen und mit ihnen zurück auf dem Rasen zu sein. Ich habe zwar schnell den inneren Antrieb verspürt, wieder unter voller Intensität und mit den gewohnten Abläufen zu trainieren. Allerdings haben auch wir strikte Hygienevorschriften und an die werden wir uns halten. So ist es aktuell nun mal. Unter Beachtung der Vorgaben und Maßnahmen wollen wir das Bestmögliche herausholen. Das ist unser Ansporn.

Ihr trainiert bis auf Weiteres allerdings ohne ein konkretes Ziel vor Augen. In dieser Woche verkündete der DFB den Saisonabbruch der Junioren-Bundesligen. Wie siehst du diese Entscheidung?
Für den Jugendfußball ist der Saisonabbruch in Anbetracht der derzeitigen Lage die einzig sinnvolle Entscheidung. Die deutliche Mehrheit der Leistungszentren hat sich bei der Befragung des DFB im Vorfeld auch für diesen Schritt ausgesprochen. Die Verträge der Spieler laufen bis zum 30. Juni, die Saison ist – im Sinne einer Ausbildung – bis zu diesem Datum nicht mehr sinnvoll zu beenden. Nun herrscht Klarheit. Und was die neue Saison anbelangt, müssen die Entwicklungen der Pandemie abgewartet werden.
Vor der Corona-Krise und der Aussetzung des Spielbetriebs Anfang März zeigte sich die U19 in einer sehr guten Form, holte zuletzt 13 von 15 Punkten. Wie sehr schmerzte die Pause in Anbetracht dieser Zahlen?
Wir sind mit der U19 und U17 super aus der vergangenen Spielzeit rausgegangen. Dieses Selbstvertrauen haben wir dann mit in die neue Saison genommen. Unter anderem durch die ungewohnt hohe Belastung, auch durch die Youth League, haben wir dann im Laufe der Zeit die Quittung für das unbewusste Gefühl bekommen, dass alles von alleine klappt. So haben wir zwischenzeitlich ein Stück weit unser Selbstvertrauen verloren. In diesem jungen Alter kann eine solche Phase aber auch zu einer positiven Entwicklung beitragen. Es musste eine Lösung her, um aus dieser Situation herauszukommen. Und die haben wir gefunden. In der Rückrunde hat sich die Mannschaft deutlich weiterentwickelt und war bis zur Spielpause auf einem sehr guten Weg.
Positiv zu bewerten ist auch in dieser Saison wieder die Durchlässigkeit zu den Profis. Wie empfindest du die Zusammenarbeit mit Cheftrainer Peter Bosz und seinem Team?
Es ist ein großer Vorteil, dass die Lizenzmannschaft bei Bayer 04 nach der U19 den nächsten Sprung darstellt. Das macht den Schritt einerseits natürlich sehr groß, andererseits haben die Jungs schnell die Möglichkeit, Erfahrungen bei den Profis zu sammeln und sich zu zeigen. Die Zusammenarbeit mit Peter Bosz und seinem Trainerteam ist super.
Jüngstes Beispiel ist Florian Wirtz: Der vor kurzem 17 Jahre alt gewordene Nachwuchsmann stand bei seinem Bundesliga-Debüt in Bremen prompt in der Startelf.
Ich habe ihm neulich am Telefon noch nahegelegt, seine Unbekümmertheit beizubehalten. Es geht im Fußball darum, sich im entscheidenden Moment zu zeigen. Er hat einerseits die fußballerischen Qualitäten, andererseits die mentale und charakterliche Stärke – das ist eine gute Synthese. Und natürlich hilft auch die Bereitschaft von Peter Bosz und dem ganzen Verein, jungen Spielern eine Chance zu geben. Es ist schön, das zu sehen. Wir werden an ihm noch viel Freude haben.

Für Wirtz und Co. geht der Spielbetrieb weiter, die U19- und U17-Akteure trainieren ohne zu wissen, wann die neue Saison beginnt. Wie gestaltet man als Verantwortlicher solche Wochen, ja vielleicht Monate?
Zuallererst gilt es, die Corona-Vorgaben einzuhalten. Zudem müssen wir eine Dosierung der Einheiten vornehmen. Ansonsten ist es unser Ansporn, das Maximum aus dem Möglichen herauszuholen.
Abschließend: Kannst du der Krise auf langfristige Sicht auch etwas Positives abgewinnen?
Der sportliche Ehrgeiz sagt natürlich erstmal nein (lacht). Aktuell weiß man noch nicht, wo es gesellschaftlich am Ende hingehen wird. Ich hoffe, dass das Ganze in Deutschland, Europa und auf der Welt eine vernünftige Entwicklung nimmt und alle zusammenarbeiten.
Zur Person:
Markus von Ahlen erblickte am Neujahrstag 1971 in Bergisch Gladbach das Licht der Welt. 18 Jahre später gelang ihm der Sprung aus der U19 von Bayer 04 in die Profimannschaft. Fortan spielte der Mittelfeldmann für den VfL Bochum, SV Meppen, KFC Uerdingen sowie Alemannia Aachen. 148 Zweit- und 38 Erstligapartien standen nach seinem Karriereende 2002 zubuche. Seine Laufbahn als Trainer begann in den Jugendabteilungen von Bayer 04 und des Hamburger SV, ehe er 2011 beim damaligen Drittligisten Arminia Bielefeld seinen ersten Posten als Chefcoach übernahm. Über das österreichische Kapfenberg und 1860 München landete von Ahlen schließlich wieder unterm Bayer-Kreuz, wo er seit Sommer 2016 die U19 trainiert.

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