
Lena, wie kann man sich deine reguläre Beratung für die Nachwuchsmannschaften von Bayer 04 vorstellen?
Kadlec: Meine Arbeit deckt grundsätzlich verschiedene Aspekte und Themenbereiche ab. Mir ist dabei wichtig, neben dem Staff von Bayer 04 auch den Jungs selbst und ihren Eltern das Thema Sporternährung näherzubringen. Das kann in Form von Eins-zu-Eins-Coachings erfolgen, aber auch durch informative Handouts oder Workshops, wie beispielsweise jetzt zum Ramadan.
Die Fastenzeit beginnt am Abend des 21. März und endet am 21. April. Zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang darf dann weder getrunken noch gegessen werden. Wie verändert sich deine Arbeit in dieser Zeit?
Kadlec: Das Thema Ramadan ist insofern ein Besonderes, als dass es nicht die gesamte Mannschaft betrifft. Ich habe im letzten Jahr gemerkt, dass es großen Bedarf gibt, dieses Thema nochmal aus einer ganz anderen Perspektive zu betrachten und hier aufzuklären. Nicht nur für die Spieler, sondern auch für den Trainerstab und die Eltern der Jungs. Ich habe bei diesem Workshop versucht, Tradition und Wissenschaft zu verbinden. Es gibt nur wenige Studien zu diesem Thema und die Ergebnisse sind nicht immer auf unsere Spieler übertragbar, da die Studien meist mit Erwachsenen durchgeführt wurden.
Inwieweit hat das Fasten einzelner Spieler Einfluss auf die Trainingsarbeit und auch auf die Spiele an den Wochenenden?
Kadlec: Die Spieler trainieren trotz des Fastens zwar weiter intensiv und müssen auch ihre Leistungen erbringen. Dennoch wissen Trainer und Staff natürlich, welche der Jungs gerade Ramadan praktizieren und nehmen darauf Rücksicht. Ich gebe den Jungs Ernährungsstrategien mit an die Hand, wie sie trotz herausfordernder Zeit ihre bestmögliche Leistung abliefern, aber auch ihrer Gesundheit nicht schaden.
Ex-Profifußballer Assimiou Touré ist Integrationsbeauftragter des Leistungszentrums von Bayer 04 und praktizierender Muslim. Auch er hat während seiner langjährigen Profi-Zeit gefastet und nun zusammen mit Lena Kadlec den Workshop für Trainer, Spieler und Elternteile vorbereitet.
Wie kann man sich schon vor dem Beginn der Fastenzeit auf die folgenden Wochen vorbereiten?
Touré: Das ist eine individuelle Sache, die auch von den Traditionen innerhalb der Familien abhängig ist. In manchen Familien wird teils schon vor der eigentlichen Fastenzeit gefastet, um sich an den Rhythmus zu gewöhnen. Generell verändert sich viel neben der Ernährung, auch der ganze Tages- und Schlafrhythmus. Eine Eingewöhnung kann von Vorteil sein – muss aber nicht.
Kadlec: Sporternährung bedarf generell viel Management und Organisation. Deshalb war es für uns wichtig, dass wir die Chance haben, hierbei mit den Spielern, den Trainern und auch den Eltern vorab zu kommunizieren.
Ist es eurer Meinung nach möglich, dass die Spieler trotz der Ernährungsumstellung in ihrer bestmöglichen Form bleiben?
Touré: Das ist eine individuelle Sache. Natürlich gibt es immer Pros und Kontras, die eine Ernährungsumstellung mit sich bringt. Ich selbst habe mit die besten Spiele gemacht, während ich gefastet habe. Klar bist du danach k.o., aber du merkst, wie viel mehr unser Körper und auch unser Kopf eigentlich leisten kann. Diese mentale Komponente ist etwas, das einen anspornen kann. Es kann einem eine innere Ruhe geben und die mentale Stärke ausbauen.
Kadlec: Es gibt viele Aspekte, die berücksichtig werden müssen: das Alter, die individuellen körperlichen Stärken, die familiären Hintergründe, die Erfahrung mit dem Fasten und vieles mehr. Insbesondere im Fußball ist die kognitive Leistungsfähigkeit ein wesentlicher Faktor. Ein geringer Flüssigkeitsmangel kann sich hier schon sehr schnell negativ auswirken. Zusätzlich können Symptome, wie Schwindel, Müdigkeit, Kopfschmerzen und Orientierungslosigkeit auftreten. Dennoch lässt sich nichts pauschalisieren. Unsere Spieler berichteten in unseren Mini-Workshops ganz unterschiedliche Erfahrungen aus den Vorjahren.
Wie wichtig ist es für die Spieler, dass sie nicht nur von zu Hause die Unterstützung erhalten, sondern auch vom weitern Umfeld, wie zum Beispiel durch Bayer 04?
Touré: Bei den Jüngeren ist die Unterstützung insbesondere auch für die Eltern wichtig. Vielleicht sind manche besorgt, dass das eigene Kind, wenn es gerade nicht die normale Leistungsfähigkeit abrufen kann, benachteiligt wird. Auch dafür ist der Workshop wichtig. Die Trainer werden dadurch gebrieft, was in Körper und Kopf während des Fastens passieren kann.
Kadlec: Dass das Thema Ramadan bei uns im Klub gesehen und angegangen wird, soll auch ein Signal sein. Wir setzen uns bewusst damit auseinander und wollen die Religionen und die Traditionen der Jungs wertschätzen und den Sport damit verbinden. Wir alle können dadurch viel voneinander lernen und an Erfahrung gewinnen.
Über den Ramadan:
Vom Abend des 21. März bis zum 23. April ist die diesjährige Fastenzeit im Islam. Der Ramadan gehört zu einer der fünf Säulen des Islam und bildet somit eine Grundpflicht für alle praktizierenden Muslime (Ausnahmen für besondere Personengruppen möglich). Dabei darf zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang weder getrunken noch gegessen werden. Die zwei Mahlzeiten während des Ramadans nennen sich Suhoor (vor Sonnaufgang) und Iftar (nach Sonnenuntergang). Die Zeit des Ramadans verschiebt sich von Jahr zu Jahr, findet aber immer im neunten Monat des Mondkalenders statt.
In einer Umfrage von Bayer 04- Sporternährungsberaterin Lena Kadlec im Vorfeld des Workshops wird jeder vierte Nachwuchsspieler (U12 bis U19) von Bayer 04 fasten.

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat die drei Kandidaten für den Titel Bundesliga-„Rookie of the Season“ 2025/26 bekannt gegeben. Zur Wahl steht unter anderem Werkself-Profi Ibrahim Maza. Fans von Bayer 04 können ab sofort und noch bis einschließlich Donnerstag, 7. Mai (23.59 Uhr), in der Bundesliga-App für ihren Favoriten abstimmen.
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Arthur hat seinen Vertrag bis 2031 verlängert! In Ausgabe #55 des Werkself-Magazins gibt der Bayer 04-Profi im Rahmen der Kategorie „Sag mal“ interessante Einblicke in seine Heimat Brasilien. Der 23-Jährige spricht unter anderem über seine Lieblingsorte in Rio de Janeiro, die schönsten Strände des Landes, die einheimische Küche und die brasilianische Lebensfreude – „Diga-me, Arthur“!
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