
Herr Feifel, es war eine Saison mit Höhen und Tiefen. Ihre Mannschaft hatte einen verheißungsvollen Start hingelegt, rutschte am Ende noch in den Abstiegskampf und musste bis zuletzt zittern. Welche Bilanz ziehen Sie für die abgelaufene Spielzeit?
Achim Feifel: Wenn man einen Strich drunter zieht, bin ich am Ende nicht zufrieden. Die Saison war schon eine Achterbahnfahrt. Sie hatte gut begonnen mit zwei Siegen aus drei Spielen, dann haben wir einfach zu viele Punkte liegen gelassen gegen Konkurrenten, gegen die wir eigentlich die Möglichkeiten hatten, die Spiele für uns zu entscheiden. Wir mussten eine richtige Tiefstrecke von fünf Niederlagen in Folge überwinden. Vor der Rückrunde ging es wieder aufwärts, ehe wir erneut eine Niederlagenserie hatten. Allerdings gab es auch Hochs – wie der 2:1-Sieg in München oder die Spiele im DFB-Pokal. In diesen Partien konnte man sehen, was in der Mannschaft steckt. Leider haben wir es nicht geschafft, diese Leistungen stabil von Woche zu Woche abzurufen. Die Unterschiede in den einzelnen Spielen waren zu groß. Wir müssen es in der neuen Saison schaffen, unser Potenzial insgesamt besser abzurufen.
Die FLYERALARM Frauen-Bundesliga wurde mit 17 Punkten auf dem zehnten Tabellenplatz beendet. Wie ordnen Sie die Platzierung ein?
Feifel: Unser Hauptziel, ins untere Mittelfeld zu kommen, haben wir nicht erreicht. Stattdessen mussten wir sogar bis zum Ende um den Klassenerhalt zittern. Das hatten wir uns alle anders vorgestellt. Von daher sind wir mit der Punkteausbeute nicht zufrieden. Der SC Sand auf dem angepeilten Rang acht ist elf Punkte von uns entfernt – es war also nicht knapp, sondern wir haben sie gravierend verfehlt. Aber das wird uns einen Ansporn geben für die neue Saison, dass wir endlich weiter nach vorne kommen.
Im DFB-Pokal hat sich Ihre Mannschaft bis ins Halbfinale gekämpft und hatte erstmals in der Vereinsgeschichte die Chance, in ein Endspiel einzuziehen. Mit ein paar Wochen Abstand: Ist die Enttäuschung über den geplatzten Traum größer oder der Stolz, sich als Überraschungsmannschaft präsentiert zu haben und so weit gekommen zu sein?
Feifel: Es sind beide Komponenten... Dass wir es geschafft haben, gegen hochkarätige Gegner wie Frankfurt, die bis dahin noch kein einziges Heimspiel verloren hatten, und Hoffenheim so weit zu kommen, darauf sind wir schon stolz. Direkt nach dem Ausscheiden gegen Essen waren wir natürlich enttäuscht. Vor allem, weil wir in der zweiten Halbzeit in der Endphase die Möglichkeiten hatten, das Spiel zu drehen. Im Nachhinein war das Erreichen des Halbfinals schon ein gutes Ergebnis.
Man bekam den Eindruck, dem Team lagen K.o.-Spiele mehr...?
Feifel: Das haben wir uns selbst schon einige Male hinterfragt in dieser Saison. In entscheidenden Spielen war die Mannschaft jedenfalls in der Lage, eine klasse Leistung auf den Platz zu bringen – in allen Belangen: über Bereitschaft, Zweikampfverhalten und spielerischem Niveau. Das hat sie gegen Köln gezeigt, wo es darum ging, die Liga zu halten, oder eben in den Pokal-Spielen. Prinzipiell haben wir gegen die Mannschaften, gegen die wir in der Lage gewesen wären, zu punkten, von 24 möglichen Zählern nur sieben geholt. Während wir in K.o.-Spielen oder gegen Spitzenteams befreiter aufgespielt haben. Vielleicht hat sich die Mannschaft in der Underdog-Rolle einfach ein bisschen wohler gefühlt.
Im März wurde die Saison aufgrund der Corona-Pandemie unterbrochen – eine ungewöhnliche Situation für alle Klubs. Wie haben Sie die Situation erlebt?
Feifel: Es war für alle Beteiligten schwierig, ins „Niemandsland“ zu trainieren, ohne Ziel vor Augen und zu wissen, wann und ob es überhaupt weitergeht. Irgendwann wird es schwierig, sich zu motivieren, dranzubleiben, nicht nachzulassen, sich aber trotzdem Ziele zu stecken. Als die Freigabe kam, mussten wir sehr schnell wieder in den Wettkampfmodus schalten. Es war schon extrem und hat uns alles abverlangt. Kompliment an meine Mannschaft, die dann in solch einer kurzen Zeit acht Spiele absolviert hat, mit drei englischen Wochen zu Beginn und der Verlängerung im Pokal-Spiel gegen Hoffenheim bei über 30 Grad.

Blicken wir auf die neue Saison: Es gab bislang sieben Abgänge, darunter Kapitänin Merle Barth und in Lena Uebach eine weitere Stammspielerin. Dem entgegen stehen elf Neuzugänge, vier davon aus der eigenen Jugend. Wie sehen Sie Ihr Team für die kommende Saison aufgestellt?
Feifel: In Merle und Lena haben wir zwei wichtige Spielerinnen verloren. Wir erleben gerade einen kleinen Umbruch. Ich glaube trotzdem, dass die kleine Kaderauffrischung der Mannschaft guttut. Wir haben Spielerinnen dazugewonnen, die ein gutes Potenzial und schon Erfahrung haben, so wie Nina Brüggemann beispielsweise, aber auch jüngere Spielerinnen, die wir nun schnell an das Bundesliga-Niveau heranführen wollen und von denen wir uns eine gute Entwicklung versprechen. Ich bin guter Dinge, dass wir uns einen guten Kader zusammengestellt haben, mit dem wir weiterkommen und erfolgreich sein können.
In der kommenden Woche beginnt die Vorbereitung – wie sieht die genau aus?
Feifel: Mit der „Frühstart-Gruppe“, unseren Neuzugängen und den hochgerückten Junioren-Spielerinnen, haben wir bereits in dieser Woche begonnen, um sie ein bisschen besser kennenzulernen. Mit dem gesamten Kader geht es am 3. und 4. August los mit den Leistungstest. Danach ist dann die Vorbereitung fürs ganze Team geplant. Wir hatten der Mannschaft ein paar Tage länger frei gegeben, weil wir durch den DFB-Pokal bis zum Ende der Saison einen etwas intensiveren Wettbewerb hatten. Wir wollen, dass die Spielerinnen die alte Saison verarbeiten können und voll motiviert und mit neuen Kräften wieder angreifen. Uns bleiben fünf Wochen bis zum Saisonauftakt. Zuvor wollen wir Mitte August noch in ein einwöchiges Trainingslager fahren – wohin es geht, steht noch nicht fest.
Woran werden Sie in der Vorbereitung schwerpunktmäßig mit ihrer Mannschaft für die kommende Saison arbeiten?
Feifel: Die neuen Spielerinnen müssen natürlich integriert werden, das ist ein wichtiger Punkt. Ansonsten wird der athletisch-konditionelle Bereich nach wie vor sehr wichtig sein. Letztes Jahr haben wir einen ersten Step gemacht, der nächste muss nun kommen. Ohne optimale Fitness und Athletik kann auch die technisch-taktische Leistung auf dem Platz nicht abgerufen werden. Diese ist ein weiterer Schwerpunkt. Wir wollen uns eine höhere Variabilität erarbeiten, um noch konstruktiver im Spielaufbau zu sein, bei eigenem Ballbesitz eine höhere Ballkontrolle zu haben und auch an den Umschaltmomenten dranbleiben. Generell wollen wir in der neuen Saison die Dinge ein wenig anders angehen – konsequenter und hartnäckiger. Das fängt bei uns Trainern und unserem Führungsstil an.
Welche sind die Saisonziele für die kommende Saison 2020/21?
Feifel: Die Ziele erarbeiten wir uns in den kommenden Wochen gemeinsam mit der Mannschaft, das haben wir im vergangenen Jahr genauso gemacht.
Sie sind nun seit einem Jahr Cheftrainer der Bayer 04-Frauen. Lassen Sie das Jahr einmal Revue passieren...
Feifel: Mein Fazit fällt total positiv aus. Ich fühle mich hier sehr wohl – in meinem Umfeld, in der Mannschaft, mit meinem Funktionsteam. Auch wenn es keine leichte Runde war, wir haben am Ende alle zusammengehalten und den Klassenerhalt geschafft – solche Erfahrungen schweißen zusammen. Ich freue mich schon auf die neue Saison.

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