
Das Erreichen des Achtelfinales stellt für die Glasgow Rangers zumindest einen kleinen Meilenstein in der bewegten Vereinsgeschichte dar: Seitdem der Traditionsverein aufgrund der Insolvenz seiner Betreibergesellschaft 2012 in die vierte schottische Liga abgestiegen war, waren die Rangers nicht mehr in die K.o.-Phase eines europäischen Wettbewerbs vorgedrungen. In dieser Saison gelang dem Team ein weiterer Schritt zurück zu alter Stärke. In der Vorrunde sicherte sich Glasgow in einer Gruppe mit Feyenoord Rotterdam, den Young Boys Bern sowie dem letzten Werkself-Gegner auf dem internationalen Parkett, dem FC Porto, Gruppenplatz eins. Gegen die Portugiesen gewannen die Rangers im heimischen Ibrox Stadium mit 2:0, auswärts gab es ein 1:1. Der Gegner in der folgenden Zwischenrunde kam ebenfalls aus Portugal: Gegen den SC Braga setzten sich die Schotten mit zwei Siegen (3:2, 1:0) souverän durch. Diesem Wettbewerb gilt im Verein derzeit die volle Konzentration – denn die Endplatzierung in der Liga steht drei Spieltage vor Schluss schon fest. Wie bereits in den beiden vergangenen Jahren werden die Rangers auf Rang zwei einlaufen – hinter Stadtrivale Celtic Glasgow, auf den man am kommenden Sonntag im legendären „Old Firm“ trifft.
Der bekannteste Akteur bei den Rangers sitzt zweifellos auf der Trainerbank. Steven Gerrard führte den FC Liverpool 2005 als Kapitän zum Gewinn der Königsklasse, ist nicht nur bei den Reds sondern überall auf der Insel eine Ikone des Sports. Im Sommer 2018 trat der ehemalige Mittelfeldspieler in Glasgow seine erste Station als Profitrainer an und sorgte in dieser Saison für das achtbare Abschneiden in der Europa League.
Neben Gerrard findet sich im Aufgebot der Rangers aber noch ein weiterer großer Name des internationalen Fußballs – wenn auch „nur“ der Familienname. Offensivmann Ianis Hagi ist der Sohn der rumänischen Spielmacher-Legende Gheorge Hagi. Bereits im vergangenen Sommer sorgte er bei der U21-Europameisterschaft für Furore, im Winter wechselte er auf Leihbasis vom KRC Genk nach Schottland und glänzte beim Sechzehntel-Finale gegen Braga gleich mit einem Doppelpack im Hinspiel.
Der mit Abstand beste Torschütze des Wettbewerbs auf Seiten der Rangers ist jedoch Stürmerstar Alfredo Morelos. Alleine in der Gruppenphase gelangen dem Kolumbianer sechs Tore in sechs Spielen – eine stolze Quote für den Stürmer, auf den die Werkself sicher ein Auge haben muss. Im Rückspiel gegen Braga fehlte Morelos gelb-gesperrt, für die Spiele gegen Bayer 04 steht er aber wieder Verfügung.
Auf seinen Sturmpartner wird Morelos im Hinspiel gegen die Werkself verzichten müssen. Der langjährige englische Nationalspieler Jermain Defoe, inzwischen 37 Jahre alt, ist in der schottischen Liga bester Torschütze des Teams, wird am Donnerstag aber wegen Wadenproblemen passen müssen. Allerdings: Der Routinier war in der laufenden Saison fast ausschließlich „Liga-Stürmer“ und in der Europa League nur einmal zum Einsatz gekommen. Schmerzhafter könnten da die Ausfälle von Kapitän James Travernier und Mittelfeldmann Ryan Jack werden. Die beiden Leistungsträger sind aufgrund von Knieproblemen fraglich, Gerrard verkündete zuletzt aber: „Bei den beiden gibt es eine Chance, dass sie spielen.“ Definitiv ausfallen wird in Innenverteidiger Filip Helander (langwierige Fußverletzung) – ein weiterer Spieler, der eigentlich zur Stammelf gehört.

Der Verein befindet sich nach dem Zwangsabstieg 2012 auf dem besten Weg zurück zu alter Stärke. Die Rangers haben in Gerrard einen namhaften Trainer an der Seitenlinie und dazu einige Spieler im Aufgebot, die ein großes Entwicklungspotenzial aufweisen: Hagi (21) und Morelos (23) haben sich in Glasgow bereits ins Visier größerer Klubs gespielt – ebenso wie Offensivmann Ryan Kent (23), den die Rangers im letzten Sommer vom FC Liverpool verpflichtet haben. Die Voraussetzungen, sich in den kommenden Jahren wirtschaftlich wie sportlich wieder auf dem hohen Level der Vergangenheit zu präsentieren, sind definitiv geschaffen worden.
Die Rangers können sich in dieser Saison quasi komplett auf die Europa League fokussieren – und nicht nur das macht sie zu einem gefährlichen Gegner. Zwar geht Bayer 04 als Favorit ins Rennen, doch die Schotten werden der Werkself mit ihrer Laufstärke, Zweikampfhärte und Intensität sicherlich alles abverlangen.

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