
Sein erstes Pflichtspiel als Werkself-Coach ging Gerardo Seoane mit einem Neuzugang in der Startelf an: Odilon Kossounou startete in der Innenverteidigung, an seiner Seite spielte Leih-Rückkehrer Panagiotis Retsos, der zuletzt im Dezember 2019 in einem Pflichtspiel für die Werkself auf dem Feld gestanden hatte. Mitchel Bakker fehlte - ebenso wie Edmond Tapsoba, Timothy Fosu-Mensah, Lucas Alario und kurzfristig auch Florian Wirtz (muskuläre Probleme) - verletzt, auch Jonathan Tah (Sperre aus der Vorsaison) und Paulinho (siegreiches Olympia-Finale mit Brasilien) standen Seoane nicht zur Verfügung.
Ungeachtet all der Ausfälle feierte Seoane mit seinem Team einen Start nach Maß: Karim Bellarabi entwischte auf dem rechten Flügel Gegenspieler Mehmedovic, der sich nur noch mit einem Foul zu helfen wusste. Den verhängten Elfmeter verwandelte Kerem Demirbay ganz sicher unten rechts zum ersten Pflichtspiel-Tor der neuen Saison (6.). Und nur wenig später stellte Bayer 04 die Zeichen schon ganz klar auf Sieg: Nach einer Demirbay-Ecke stieg Kossounou mustergültig hoch und verlängerte an den zweiten Pfosten, wo sich Bellarabi diesmal als Vollstrecker betätigte und - wenn auch aus abseitsverdächtiger Position - das 2:0 für die Seoane-Elf markierte (14.).
Dass Bayer 04 gleich voll drin war in der Partie, lag allerdings auch daran, dass die Hausherren aus Leipzig der Werkself früh klar gemacht hatten, dass es nur mit 100 Prozent gehen würde. Der Regionalligist hatte vor beiden Leverkusener Toren durch Salewski (4.) und Heynke (12.) gute Möglichkeiten gehabt, das Spielgeschehen womöglich doch anders zu gestalten. So aber kontrollierte die Werkself die Partie im Anschluss mit großer Sicherheit und kam durch Patrik Schick (17.) und den sehr agilen Bellarabi (25.) zu weiteren Halbchancen.
Der Rechtsaußen war nicht nur aufgrund seiner beiden Torbeteiligungen der klare Aktivposten in der ersten halben Stunde der Partie - und so war es umso bitterer, dass sich Bellarabi bei einem Sprint am rechten Oberschenkel verletzte und frühzeitig ausgewechselt werden musste. Für ihn kam Wendell in ungewohnter Linksaußen-Position ins Spiel, Moussa Diaby rückte auf den rechten Flügel. Auch ohne Gefahrenherd Bellarabi blieb die Werkself aber klar tonangebend: Nadiem Amiri prüfte Lok-Keeper Sievers mit einem strammen Distanzschuss (43.), die Defensive geriet durch konzentriertes Vorgehen und eine hohe Ballsicherheit kaum noch in die Bedrängnis.

Und auch im zweiten Durchgang änderte sich zunächst wenig an den Kräfteverhältnissen, Schick kam früh zu einer ersten Möglichkeit (48.). Zwar engagierten sich die Sachsen nun gelegentlich wieder im Offensivspiel, wurden dabei aber nicht wirklich gefährlich. Anders die Werkself: Diaby bediente nach feinem Dribbling Amiri, der erneut an Sievers scheiterte (61.). Erst in der 66. Minute wurde es plötzlich unübersichtlich gefährlich im Werkself-Strafraum, doch erst klärte Kossounou stark, dann stand Retsos richtig - und schließlich brachte Jeremie Frimpong im richtigen Moment noch den Fuß an den Ball.
Für Leipzig bedeutete diese Aktion noch einmal einen Weckruf, die Sachsen suchten nun mutiger den Weg nach vorne, doch die neuformierte Viererkette der Werkself machte ihren Job weiterhin sehr abgeklärt und verteidigte die Bemühungen des Underdogs stets konzentriert. Somit war Bayer 04 weiterhin näher dran am dritten Tor des Tages, Sirch rettete stark gegen den durchgebrochenen Daley Sinkgraven (77.).
Nur einmal wurde es in der Schlussphase noch einmal kurz brenzlig für die Werkself. Nach einem Eckball der Leipziger kam Sirch am zweiten Pfosten zum Abschluss - doch Lukas Hradecky war bei seiner ersten echten Prüfung des Tages hellwach und verhinderte den Anschlusstreffer (84.). Stattdessen beseitigte Demirbay die letzten Zweifel am Weiterkommen von Bayer 04: Einen Freistoß rechts vom Strafraum schlug der Regisseur aus klassischer Flankenposition ganz frech direkt aufs Tor und überraschte damit Sievers - Doppelpack, 3:0, der würdige Schlusspunkt unter einen souveränen Pokal-Auftritt (87.).
Gegen wen Bayer 04 nun ranmuss, zeigt sich erst am 5. September, wenn die 2. Pokalrunde ausgelost wird. Zunächst wartet auf die Werkself aber noch der Bundesliga-Start: Am kommenden Samstag, den 14. August (Anpfiff 15.30 Uhr) gastiert Gerardo Seoane zum Liga-Debüt mit seinem Team bei Union Berlin.
Die Statistik:
Lok Leipzig: Sievers - Berger, Sirch, Heynke, Mehmedovic (87. Eglseder) - Piplica, Abderrahmane (76. Ziane) - Rangelov (82. Voufack), Pfeffer, Salewski (82. Ogbidi) - Nattermann
Bayer 04: Hradecky – Frimpong (88. Weiser), Kossounou, Retsos, Sinkgraven (88. Baumgartlinger) - Demirbay, Aránguiz - Bellarabi (36. Wendell), Amiri (73. Palacios), Diaby - Schick (73. Pohjanpalo)
Tore: 0:1 Demirbay (6./Foulelfmeter), 0:2 Bellarabi (14.), 0:3 Demirbay (87.)
Gelbe Karten: Pfeffer, Rangelov
Schiedsrichter: Florian Lechner (Hornstorf)
Zuschauer: 6.185

Mit einem gewaltigen Distanzschuss und einem Traumtor schossen Carsten Ramelow und Dimitar Berbatov die Werkself im Dezember 2003 zum knappen, aber verdienten Auswärtssieg gegen den VfB Stuttgart. Am Ende der Saison erreichte Bayer 04 in der Tabelle einen Platz vor den Schwaben – und war damit zurück in der UEFA Champions League...
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