
Für reichlich Bewegung in der Startelf sorgte Werkself-Coach Peter Bosz nach dem 0:1 in Leipzig. Insgesamt fünf Veränderungen nahm er vor: Jonathan Tah musste gesperrt aussetzen, dazu rückten Wendell, Daley Sinkgraven, Moussa Diaby und Florian Wirtz auf die Bank. Neu in der Formation waren dafür Aleksandar Dragovic, Karim Bellarabi, Lucas Alario, Patrik Schick und - erstmals nach seiner Mitte November erlittenen Verletzung - auch Exequiel Palacios. Willkommen zurück!
Gute Nachrichten gab es auch von der Werkself-Bank: Sven Bender stand nach zweimonatiger Verletzungspause wieder im Kader, Jeremie Frimpong nach seinem Wechsel erstmals im Aufgebot der Werkself.
Auf dem Platz formierte sich Bayer 04 in einem etwas ungewohnten 3-5-2-System, erstmals standen Alario und Schick gemeinsam von Beginn an auf dem Feld. Für den ersten Abschluss der Partie sorgte aber ein Verteidiger: Geburtstagskind Edmond Tapsoba prüfte RWE-Keeper Davari mit einem harten Distanzschuss (3.). Die Hausherren formierten sich in einer Fünferkette gegen den Ball, um Bayer 04 wenig Räume zu eröffnen. Es waren also Flachpasskombinationen auf dem tiefen Rasen an der Hafenstraße nötig, um in Schussposition zu kommen. Eine solche trug die Werkself bereits früh mustergültig vor. Nach mehreren schnellen Direktpässen kam Alario links im Strafraum zum Abschluss, scheiterte jedoch an Davari. Der Nachschuss von Leon Bailey wurde geblockt (8.). Das nächste feine Zusammenspiel von Bailey und Kerem Demirbay konnte die Nummer Zehn der Werkself schließlich nicht ganz finalisieren (13.).
Bayer 04 ging die Partie entsprechend des Personals sehr offensiv an, ging in den Zweikämpfen schon früh aggressiv zu Werke und spielte sich die nächste Großchance heraus: Nach einer Maßflanke von Bellarabi nickte Schick die Kugel in der Mitte nur an den Pfosten (24.). Essen kam zwar immer wieder zu Ballbesitz in der Werkself-Hälfte, dabei aber nicht über Ansätze heraus, die Leverkusener Dreierkette lieferte einen sehr konzentrierten Job ab. Bayer 04 machte eigentlich ein richtig gutes Spiel - nur die Tore wollten einfach nicht fallen: Nach toller Hackenablage von Alario zog Charles Aránguiz flach ab, Davari zeigte eine tolle Fußabwehr (29.). Einige Minuten später parierte der erfahrene Essener Schlussmann auch einen wuchtigen Drehschuss von Alario (38.).
Essen kam im ersten Durchgang nur zu einem echten Abschluss, der war aber alles andere als ungefährlich: Kapitän Kehl-Gomez schoss nach einem schnellen Konter über rechts nur knapp am langen Eck vorbei (40.). Peter Bosz hingegen war noch vor der Pause zum Wechseln gezwungen: Bellarabi hatte sich am Oberschenkel verletzt und musste raus, für ihn kam Diaby (44.) - und der Franzose führte sich direkt mit der nächsten Großchance ein. Einen herausragenden Ball von Tapsoba über das gesamte Feld nahm Diaby technisch höchst anspruchsvoll aus der Luft und setzte ihn nur ganz knapp rechts vorbei (45.+1). Essen war mit dem 0:0 zur Halbzeit sehr gut bedient.

Zur Pause wechselte Peter Bosz erneut und stellte damit auch das System um. Wendell und Wirtz kamen für Palacios und Schick, Bayer 04 lief nun wieder im gewohnten 4-3-3 auf. Ansonsten blieb aber zunächst alles beim Alten: Die Werkself bestimmte das Spiel, konnte die Chancen aber einfach nicht nutzen: Nach einem tollen Steilpass von Demirbay traf der durchgestartete Diaby nur den Außenpfosten - Alu-Pech, die Zweite (50.) - und nur wenige Momente später zeigte der stark aufgelegte RWE-Schlussmann Davari gegen einen Tapsoba-Kopfball die nächste Glanzparade (51.).
Eigentlich war es kaum zu fassen, dass die Werkself nicht schon längst deutlich in Führung lag, aber Essens Keeper hatte auch einfach einen absoluten Sahnetag erwischt. Davari hielt auch einen Alario-Schuss (56.), war dann auch bei einem Kracher von Bailey glänzend zur Stelle (60.) und parierte einen Schuss von Wirtz im Nachfassen (68.). Mitte des zweiten Durchgangs erschwerten auch die äußeren Bedingungen zunehmend das Spiel der Werkself. Der Regen in Essen wurde immer stärker, der Platz entsprechend tiefer, die Standprobleme häufiger - und Bayer 04 rannte gegen eine Elf-Mann-Wand aus Rot-Weißen weiter unermüdlich an. Demirbays Distanzschuss flog links vorbei (78.), Fosu-Mensahs abgefälschter Versuch landete wieder in den Armen von Davari (82.), Aránguiz zielte zu hoch (87.).
Doch der Treppenwitz dieses Spiels war noch nicht zu Ende erzählt. Die 89. Minute, sie war bezeichnend für alles, was zuvor passiert war - und danach noch passieren sollte: Ein Schuss von Diaby landete am linken Pfosten, den Nachschuss von Aránguiz lenkte Davari an den rechten Pfosten. Es war schlichtweg verhext für Bayer 04: Vier Mal hatte das Team nun den Pfosten getroffen, das Essener Tor, es schien trotz der vielen Chancen wie vernagelt - und die Werkself musste tatsächlich in die Verlängerung.
Und die ging direkt so weiter, wie die reguläre Spielzeit geendet hatte: mit einer Großchance für Bayer 04. Diesmal war es nicht Davari, sondern Abwehrchef Heber, der gerade noch vor dem einschussbereiten Alario rettete (92.). Das Geschehen unterschied sich wenig überraschend auch ansonsten nicht von dem in den ersten 90 Minuten. Essen verteidigte mit allen elf Spielern, das Spiel fand ausschließlich in einer Hälfte statt. Es dauerte aber bis zur 105. Minute, ehe die Werkself den Bann brach: Nach einer Ecke flankte Demirbay in die Mitte, wo Essen zunächst noch klärte, doch Dragovic machte den Ball noch einmal scharf und brachte die Kugel zu Bailey. Der Jamaikaner stand nun frei vor Davari und ließ dem so starken Keeper diesmal keine Abwehrmöglichkeit (105.).
Doch es gehörte zur Dramatik dieses Abends, dass das Spiel damit noch nicht gelaufen war. Essen bäumte sich im nunmehr strömenden Regen noch einmal auf und glich mit der zweiten Torannäherung im kompletten Spiel aus: Einen harten Schuss des kurz zuvor gekommenen Platzek wehrte Lukas Hradecky noch ab, doch der Ball landete auf dem Fuß des ebenfalls eingewechselten Kefkir, der das 1:1 markierte (108.).
Peter Bosz wechselte noch einmal aus und brachte Frimpong zu seinem ersten Einsatz im schwarz-roten Dress. Der Neuzugang kam für Torschütze Bailey (114.) - und sorgte gleich für ordentlich Schwung. Nach einem Doppelpass mit Alario wurde er am Essener Strafraum eigentlich klar am Trikot gezogen, doch das Spiel lief weiter und Essen sorgte für den entscheidenden Lucky Punch: Nach einem Steckpass des bei Bayer 04 ausgebildeten Harenbrock nagelte Torjäger Engelmann den Ball unter die Latte (117.). Das Pech, das die Werkself an diesem Abend verfolgte, es hatte sich binnen einer Minute manifestiert - und sorgte für ein äußerst unglückliches Ausscheiden.
Weiter geht es für Bayer 04 nun wieder in der Bundesliga. Am Samstag, 6. Februar (Anstoß: 15.30 Uhr), geht es in der BayArena gegen den VfB Stuttgart.
Die Statistik:
Rot-Weiss Essen: Davari - Plechaty (106. Harenbrock), Heber, Hahn, Herzenbruch, Grund (79. Neuwirt) - Condé (62. Young), Grote, Kehl-Gomez (106. Platzek) - Young (62. Hildebrandt), Engelmann
Bayer 04: Hradecky – Fosu-Mensah, Dragovic, Tapsoba – Aránguiz - Bellarabi (44. Diaby), Palacios (46. Wirtz), Demirbay, Bailey (114. Frimpong) – Alario, Schick (46. Wendell)
Tore: 0:1 Bailey (105.), 1:1 Kefkir (108.), 2:1 Engelmann (117.)
Gelbe Karten: Engelmann - Palacios, Bailey
Schiedsrichter: Daniel Schlager (Hügelsheim)

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