
„Es war schwer, hier Fußball zu spielen, weil die Pforzheimer den Rasen extra lang gelassen haben, um unser Passpiel zu behindern. Aber wir haben uns reingekämpft, und das eine Tor hat gereicht", sagte Innenverteidiger Jonathan Tah nach dem Abpfiff.
Bayer 04 ging wie bekannt ohne Sechs in seinen Pflichtspiel-Auftakt: Lukas Hradecky (Kieferoperation), Panos Retsos (Sehnenteilriss im Oberschenkel), Joel Pohjanpalo (Durchblutungsstörung im Sprungbein), Charles Aránguiz (Achillessehnenprobleme), Leon Bailey (Erkältung) und Karim Bellarabi (Kreuzbandzerrung) mussten passen. In Rechtsverteidiger Mitchell Weiser stand ein Neuling in der Leverkusener Startformation. Benny Henrichs gehörte nicht zum Kader, dafür nahm Coach Heiko Herrlich in Sam Schreck einen weiteren Mittelfeldspieler ins Aufgebot.
Das Holzhofstadion versprühte seinen ganz eigenen Charme: Eine kleine Tribüne, alle knapp 5.000 Steh- und Sitzplätze gefühlt nur zwei Meter vom Spielfeldrand entfernt: Fußball mal ganz nahbar und zum Anfassen, der Pokal macht's möglich! Auf diese ganz speziellen Bedingungen in der sportlichen Provinz hatte Heiko Herrlich die Seinen zuvor eindringlich hingewiesen. Und die Gastgeber gaben sich vor ihrem Spiel des Jahres keineswegs unterwürfig. „Wir sind nicht hoffnungslos. Wir können jedem Gegner wehtun und werden unsere Chancen bekommen“, hatte Pforzheims Trainer Gökce forsch zu Protokoll gegeben.
Die Pforzheimer versteckten sich in der Tat nicht und tauchten schon nach gut einer Minute erstmals im Bayer 04-Strafraum auf, Sven Bender bereinigte die Situation indes resolut. Bruder Lars feuerte den ersten Schuss der Werkself ab, sein Versuch mit links rauschte aber weit über den Querbalken (4.). Die Werkself mühte sich um Kontrolle und Spielfluss, letzteres jedoch war bei sehr stumpfem Rasen und zunächst fehlender Präzision im Aufbau gar nicht einfach zu bewerkstelligen. Den Amateuren, die hinten dichten Beton anrührten, gelang es bis zur ersten Trinkpause nach 20 Minuten sehr gut, die Leverkusener vom Tor fernzuhalten. Mehr noch: Ratifo bot sich die Riesengelegenheit zur Führung, doch Rambo Özcan reagierte vorzüglich im Eins gegen eins aus elf Metern (23.) und vereitelte den drohenden Rückstand.
Kurz darauf aber die Führung für den Favoriten. Sven Bender wurde von Saito im Strafraum zu Fall gebracht, Lucas Alario verwandelte den fälligen Elfmeter sicher zum 1:0 (27.). Kai Havertz verpasste fünf Minuten später mit einem schönen Linksschuss aus halbrechter Position, der knapp am langen Eck vorbeistrich, ebenso den zweiten Hieb (31.) wie Kevin Volland, dessen Freistoß auf der Latte landete (37.). Ganz bitter dann, dass sich Julian Baumgartlinger im Zweikampf böse das linke Knie verdrehte, eine Bänderverletzung erlitt und mit der Trage vom Platz gebracht werden musste (42.). Isaac Kiese Thelin kam für ihn noch vor der Pause neu in die Partie.
Unmittelbar nach dem Wechsel drückte der Schwede die Kugel per Kopf nach Flanke von Volland ins Netz, doch Schiedsrichter Willenborg versagte dem Treffer die Anerkennung, weil Kiese Thelin Pforzheims Keeper Salz beim Luftkampf im Fünfmeterraum leicht attackiert hatte (48.). Julian Brandt hatte nach gut einer Stunde das 2:0 auf dem Fuß, traf die Kugel aber mit links allein vor dem Tor unsauber nach feiner Vorarbeit von Alario und Lars Bender (62.). Für den leicht angeschlagenen Kapitän war danach Schluss, Dominik Kohr löste ihn als Sechser ab (63.).
Dann schepperte es gleich zweimal binnen 20 Sekunden: Erst knallte Kai Havertz den Ball nach Pass von Weiser mit rechts an die Unterkante der Latte (72.), ehe Dominik Salz einen Konter für Pforzheim mit einem Schuss an den Außenpfosten abschloss. Paulinho kam für Brandt in die Partie (73.). Alario scheiterte aus kurzer Distanz an Torhüter Manuel Salz (75.), Kiese Thelin setzte einen Kopfball nach Weisers Flanke am Pfosten vorbei, Alario einen weiteren über die Latte (83.) – es blieb trotz guter Möglichkeiten beim dünnen 1:0-Vorsprung, mit dem die Werkself in die zweite Runden des DFB-Pokals einzog. Ein wenig Glück hatten die Leverkusener allerdings in der Schlussphase, dass es keinen Elfmeterpfiff gab, nachdem Sven Bender der Ball an die Schulter gesprungen war.
Für Bayer 04 geht es am Samstag, 25. August, um 18.30 Uhr mit dem zweiten Pflichtspiel und Bundesliga-Auftakt bei Borussia Mönchengladbach weiter.
Die Statistik:
1. CfR Pforzheim: M. Salz – Borac (88. Oman), Grupp, Citescu, Saito – Tardelli, Gudzevic (88. Ku. Lushtaku) – Zinram, Ratifo, Kr. Lushtaku – D. Salz
Bayer 04: Özcan – Weiser, Tah, S. Bender, Wendell – L. Bender (63. Kohr), Baumgartlinger (45. Kiese Thelin) – Volland, Havertz, Brandt (73. Paulinho) – Alario
Tor: 0:1 Alario (27./Foulelfmeter)
Schiedsrichter: Willenborg (Osnabrück)
Gelbe Karten: Gudzevic, D. Salz – S. Bender, Kiese Thelin, Wendell
Zuschauer: 4.725

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