
"Das tut weh, das müssen wir jetzt erst einmal verdauen", sagte Kapitän Lars Bender nach Abpfiff. "Wenn du auf diesem Niveau zwei Tore bekommst, wird es eben ganz schwer."
Dabei hatte der Abend höchst stimmungsvoll begonnen in Leverkusen. Über zweieinhalb Jahre hatte jeder, der es mit Bayer 04 hält, auf diesen Moment gewartet: Um kurz vor 21 Uhr erklang wieder die Champions-League-Hymne in der vom Flutlicht erhellten BayArena - Ganzköper-Gänsehaut! "Die Vorfreude ist groß", sagte Peter Bosz unmittelbar vor Anpfiff. Nicht nur bei ihm!
Die Werkself, bei der nach der Niederlage in Dortmund Leon Bailey für Nadiem Amiri zurück in die Startelf kehrte, startete enorm dominant. Gegen tiefstehende Russen waren präzise Kombinationen gefragt, um Räume zu bekommen - und eine solche zeigte die Werkself in der 8. Minute: Ein feiner Spielzug über Julian Baumgartliner und Charles Aránguiz landete bei Kai Havertz, der Moskaus Schlussmann Guilherme vor eine erste Prüfung stellte. Die Gäste waren in der Anfangsviertelstunde kaum am Ball, gingen aber mit ihrer ersten Offensivaktion prompt in Führung. Vorausgegangen war eine Unachtsamkeit der Werkself nach eigenem Einwurf, die Joao Mario auf den Plan rief. Der Europameister von 2016 steckte durch für Krychowiak und der Pole ließ Lukas Hradecky keine Abwehrchance - 0:1 (16.).
Den Russen, die kurz darauf bei einer Doppelchance von Smolov und Zhemaletdinov sogar die Chance auf ein zweites Tor hatten (18.), spielte diese frühe Führung natürlich in die Karten. Enorm kompakt verteidigten sie das eigene Gehäuse, sodass es wieder einen schnell und schnörkellos vorgetragenen Angriff der Leverkusener benötigte, um zu einer Möglichkeit und diesmal auch zum Torerfolg zu kommen: Karim Bellarabi setzte rechts Lars Bender in Szene, der mit seinem klugen Rückpass Charles Aránguiz fand. Der Chilene suchte sofort den Abschluss - und hatte Erfolg, auch weil Ex-Nationalspieler Benedikt Höwedes den Ball noch entscheidend abfälschte (25.).
Doch zu einer Leichtigkeit im Spiel der Werkself wollte dieser Ausgleichstreffer nicht so recht führen. Vor allem im Aufbauspiel schlichen sich zu viele Ungenauigkeiten ein, die Moskau zunächst weitere Möglichkeiten durch Barinov (28.) und Krychowiak (29.) und schließlich auch die erneute Führung eröffneten. Lukas Hradecky konnte ein Zuspiel nicht adäquat verarbeiten und spielte den Ball vor die Füße von Barinov, der schnell schaltete und aus der Distanz zum 1:2 ins verwaiste Tor traf (37.). Also wieder das gleiche Spiel für Bayer 04: Viel Ballbesitz, wenig Räume. Ein probates Mittel in solchen Spielen: Standardsituationen. Und tatsächlich: In der Nachspielzeit der ersten Hälfte verpasste Kevin Volland nach einer Ecke per Kopf nur knapp den Ausgleich.
Ganz klar: Mit dieser ersten Hälfte konnte keiner in Schwarz-Rot so wirklich zufrieden sein - auch Peter Bosz nicht. Der Niederländer reagierte deshalb und brachte Lucas Alario für Leon Bailey, Kevin Volland rückte dafür auf den linken Flügel. Der Angreifer war auf neuer Position auch gleich voll da und vergab die erste Schusschance nach Wiederbeginn (48.). Es war der Auftakt für ein regelrechtes Powerplay der Werkself: Kai Havertz köpfte aus fünf Metern haarscharf über den Kasten (49.), Lucas Alario zwang Guilherme mit einer Direktabnahme zur Parade (53.), Kevin Vollands Freistoß sauste am rechten Eck vorbei (60.), eine Kopfballvorlage von Havertz auf Alario klärte der Ex-Leverkusener Corluka in letzer Sekunde (61.), bei einem weiteren Volland-Kopfball war Guilherme zur Stelle (64.). Die Unterstützung von den Rängen war prächtig, die Mannschaft auf dem Rasen drückte auf den Ausgleich - aber der Ball wollte einfach nicht ins Tor.
Peter Bosz wechselte noch einmal offensiv und brachte Nadiem Amiri für Julian Baumgartlinger. Die Devise für die Schlussphase war klar: Volle Offensive! Moskau mauerte sich nun allerdings mit allen elf Spielern am eigenen Sechzehner ein, für Bayer 04 wurde die Aufgabe nicht einfacher. Die Abschlüsse erfolgten nun hauptsächlich aus der Distanz: Kai Havertz platzierte einen Flachschuss knapp neben (72.), Nadiem Amiri einen Freistoß über das Gehäuse (79.), Karim Bellarabis Versuch aus spitzem Winkel wurde von Guilherme pariert (81.). Wer es mit Schwarz-Rot hielt, kam aus dem Haareraufen quasi nicht mehr heraus - erst Recht, als Moskaus Schlussmann einen Schuss von Nadiem Amiri hervorragend parierte und den Ball anschließend auch noch Sekundenbruchteile vor dem einschussbereiten Havertz erreichte (88.). Es war die wohl größte Chance, noch zum verdienten 2:2 zu kommen - aber auch die letzte. Es blieb beim bitteren 1:2.
In der Champions League geht es für die Werkself mit dem Auswärtsspiel bei Juventus Turin am 1. Oktober weiter, der italienische Meister startete mit einem 2:2 bei Atletico Madrid in die Königsklasse. In der Bundesliga wartet für Bayer 04 am Samstagnachmittag (15.30 Uhr) das Heimspiel gegen Aufsteiger Union Berlin.
Die Statistik:
Bayer 04: Hradecky – L. Bender, Tah, S. Bender, Wendell – Baumgartlinger (71. Amiri), Aránguiz – Bellarabi, Havertz, Bailey (46. Alario) – Volland
Lokomotive Moskau: Guilherme - Ignatyev, Corluka, Höwedes, Rybus - Murilo - Barinov, Krychowiak - Zhemaletdinov, Joao Mario (90.+3 Idowu) - Smolov
Tore: 0:1 Krychowiak (16.), 1:1 Höwedes (Eigentor, 25.), 1:2 Barinov (37.)
Schiedsrichter: Paweł Raczkowski (Polen)
Gelbe Karten: Aránguiz - Barinov
Zuschauer: 26 592

Wie bereits in den Jahren zuvor wurden im Rahmen der Tandem Young Coach-Ausbildung der Scort Foundation in Kooperation mit der Football Club Social Alliance (FCSA) auch 2026 wieder 22 Teilnehmende zu Fußballtrainern für Menschen mit Behinderung ausgebildet. Mit dabei in Karlsruhe war als langjähriger FCSA-Partnerklub auch Bayer 04. Gemeinsam als Tandem durchliefen Personen mit und ohne Behinderung die Ausbildung und lernten so aus unterschiedlichen Perspektiven voneinander. Nach spannenden und lehrreichen Tagen kehrte auch das Leverkusener Duo mit viel neuem Wissen und einem offiziellen Zertifikat zurück unters Kreuz.
Mehr zeigen
Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat die drei Kandidaten für den Titel Bundesliga-„Rookie of the Season“ 2025/26 bekannt gegeben. Zur Wahl steht unter anderem Werkself-Profi Ibrahim Maza. Fans von Bayer 04 können ab sofort und noch bis einschließlich Donnerstag, 7. Mai (23.59 Uhr), in der Bundesliga-App für ihren Favoriten abstimmen.
Mehr zeigen
Freude und Enttäuschung lagen bei den Nachwuchs-Teams von Bayer 04 an diesem Wochenende nah beieinander: Während die U19 mit einem 1:3 nach Verlängerung gegen den 1. FC Heidenheim 1846 im Achtelfinale aus dem Kampf um die Deutsche Meisterschaft ausschied, eroberte die U14 mit einem 1:0 gegen Borussia Dortmund die Tabellenführung im WDFV Junioren-Nachwuchs-Cup. Bei den Juniorinnen stand den Niederlagen der U19 und U16 der Turniersieg der U13 im belgischen Beveren gegenüber, wo Schwarz-Rot unter anderem den FC Barcelona bezwang. Das Nachwuchs-Wochenende im Überblick.
Mehr zeigen
Nach dem überzeugenden 4:0-Sieg der Bayer 04-Frauen bei der SGS Essen sprechen zwei der Torschützinnen über die souveräne Leistung und den außergewöhnlichen Auswärts-Support der Fans. Doppelpackerin Kristin Kögel und Loreen Bender ordnen den vierten Dreier in Folge ein und blicken auf die letzten beiden Spiele der Saison voraus.
Mehr zeigen