
„Wir haben ein sehr gutes Spiel gemacht, wie ich finde. Wir haben so gut wie nichts zugelassen und Atletico kaum Luft gelassen. Aber im letzten Drittel haben wir oft zu schlampig gespielt, um gefährlich zu werden. Für uns kann es jetzt sicherlich in den nächsten drei Spielen nur noch darum gehen, einen Platz in der Gruppe zu klettern“, sagte Kevin Volland. Das Parallelspiel in der Gruppe D entschied Juventus Turin gegen Lokomotive Moskau nach Rückstand noch mit 2:1 für sich.
Bayer 04-Chefcoach Peter Bosz nahm drei Veränderungen im Vergleich zur letzten Bundesliga-Partie am vergangenen Freitag bei Eintracht Frankfurt vor: Für den verletzten Wendell (Zerrung) sowie Aleksandar Dragovic und Lucas Alario (beide auf der Bank) rückten Kapitän Lars Bender, Jonathan Tah und Karim Bellarabi in die Startelf. Taktisch ging die Werkself bei strömendem Regen im Wanda Metropolitano in einem 4-2-3-1-System zu Werke – mit Weiser (rechts) und Lars Bender (links) auf den Außenpositionen der Viererkette.
Die Marschroute, mit der Bayer 04 dieses dritte Gruppenspiel anging, war klar: Es musste zwingend Zählbares her beim spanischen Vizemeister. Entsprechend versteckte sich die Werkself von Beginn an nicht, sondern suchte sofort die schnellen Umschaltmomente, sobald sich die Gelegenheiten dazu auftaten. Und die Gäste hatten auch die ersten gefährlichen Szenen des Abends: Nachdem Karim Bellarabi den Ball nicht sauber getroffen hatte, kam Julian Baumgartlinger eher zufällig zum Abschluss und schoss aus 14 Metern über Oblaks Kasten: Da fehlte gar nicht so viel (9.). Nur zwei Minuten später brachte Kevin Volland über links Nadiem Amiri in gute Position, dessen Schuss Atletico mit vereinten Kräften klärte (11.) – Bayer 04 war sofort gut drin in der Partie.
Bei Atletico stockte der Spielfluss häufig, weil die Werkself den Gegner sehr aggressiv und im Verbund früh störte. Vor allem Sven Bender verbuchte eine Menge kluger Ballgewinne. Die erste halbe Stunde hatten die ballsicheren Gäste alles unter Kontrolle, wirkten stets den Tick wacher und präsenter. Madrid reagierte eher unwirsch, Amiri bekam den Unterarm von Saul Niguez ins Gesicht und musste behandelt werden (31.). Unmittelbar danach der erste Torschuss der Spanier überhaupt, doch Lukas Hradecky ging rechtzeitig auf Tauchstation und hatte keinerlei Mühe, den Flachschuss von Renan Lodi zu entschärfen (32.). Kurz vor der Pause drang Bayer 04 noch mal in die gefährliche Zone vor, doch Oblak pflückte Bellarabis Hereingabe von rechts lässig runter (45.). Dennoch, die Werkself brachte in der ersten Hälfte einen inspirierten, mutigen Auftritt auf den Platz und war die aktivere und bessere Mannschaft.
Nach der Pause bemühten sich die Spanier um mehr Vorwärtsgang, fanden aber weiterhin kaum Räume gegen eine im Kollektiv defensiv stabil stehende und verschiebende Werkself. Koke räumte Kai Havertz kurz hinter der Mittellinie übel rustikal ab und holte sich zurecht Gelb ab (55.). Nadiem Amiri zog volley aus der Distanz ab, verfehlte Atleticos Tor aber deutlich (56.). Wenig später zumindest mal der Hauch einer Chance für die Hausherren, aber Diego Costa traf die Kugel nicht richtig beim Kopfball (58.). Lukas Hradecky durfte sich zur Abwechselung dann auch mal strecken und lenkte Lemars Heber mit feinem Flug über die Querlatte (64.), es hatte allerdings eine Abseitsstellung vorgelegen.
Derweil arbeitete Sven Bender weiter voller Bravour und Geschick an einer Nominierung zum Mann des Spiels – bärenstark, was der Abwehrchef der Werkself alles abräumte. Nach vorn allerdings fehlte es Bayer 04 manches Mal an der nötigen Präzision, um einige vielversprechende Kontersituationen sauber und Gewinn bringend auszuspielen. Atleticos Coach Diego Simeone reagierte, nahm seine dritte Auswechselung vor und brachte in Alvaro Morata für Koke seinen letzten offensiven Trumpf (70.). Peter Bosz ersetzte Havertz durch Paulinho (76.).
Beinahe aus dem Nichts dann die Führung für Atletico: Renan Lodi hatte auf links zu viel Platz und Zeit zur Flanke, und Alavaro Morata drückte die scharfe Hereingabe am kurzen Pfosten unhaltbar für Hradecky ins Netz (78.). Lucas Alario kam für Demirbay, jetzt war jede Form von Angriffswucht gefragt bei den Leverkusenern in der Schlussoffensive (84.). Doch trotz aller Bemühungen blieb Bayer 04 ohne Durchschlagskraft im Strafraum der Madrilenen. Drei Minuten Nachspielzeit gab's obendrauf, ohne Ertrag für die Werkself. Kevin Volland wurde im letzten Moment noch zur Ecke geblockt, der Volleyschuss von Paulinho flog weit drüber (90.+2). Zu allem Überfluss musste Sven Bender noch angeschlagen vom Platz. Dann war Schluss – und Bayer 04 um eine Enttäuschung reicher in dieser Champions-League-Saison.
Für die Leverkusener geht es in der Bundesliga mit dem neunten Spieltag und dem Duell in der BayArena am Samstag, 26. Oktober, um 18.30 Uhr gegen Werder Bremen weiter. Drei Tage später am Dienstag, 29. Oktober, steht das DFB-Pokalspiel der zweiten Runde gegen den SC Paderborn auf dem Programm (20.45 Uhr, BayArena).
Die Statistik:
Atletico Madrid: Oblak – Trippier, Gimenez (15. Hermoso), Felipe, Renan Lodi – Koke (70. Morata), Herrera, Thomas, Saul Niguez – Correa (62. Lemar), Diego Costa
Bayer 04: Hradecky – Weiser, S. Bender (90.+2 Dragovic), Tah, L. Bender – Baumgartlinger, Demirbay (84. Alario) – Bellarabi, Havertz (76. Paulinho), Amiri – Volland
Tor: 1:0 Morata (78.)
Schiedsrichter: Artur Soares Dias (Portugal)
Gelbe Karten: Koke – Bellarabi
Zuschauer: 56.776

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