
Eigentlich hatte die Rückrunde für den VfL Wolfsburg so gut begonnen, wie die Hinrunde aufgehört hatte. Über 45 Minuten hatten die Niedersachsen beim FC Schalke 04 eine überzeugende Vorstellung geboten und waren die spielbestimmende Mannschaft gewesen. Nach dem Seitenwechsel aber konnte das Team von Bruno Labbadia diese Leistung nicht mehr bestätigen, geriet zunehmend unter Druck und unterlag durch einen Doppelpack des Ex-Wolfsburgers Daniel Caligiuri letztlich mit 1:2. „Es ist total schade. Wir haben den Gegner nach der Halbzeit mit einfachen Ballverlusten aufgebaut“, analysierte Labbadia anschließend. Sein Team büßte durch die Niederlage Tabellenplatz fünf ein, den es sich durch einen bärenstarken Jahres-Endspurt mit 19 von 21 möglichen Punkten aus den letzten sieben Hinrunden-Spielen erarbeitet hatte – ein großer Erfolg angesichts von zuletzt zwei Relegations-Teilnahmen in Folge. Auch im DFB-Pokal haben die Wölfe überwintert, allerdings wartet Anfang Februar mit dem Auswärtsspiel bei RB Leipzig eine schwierige Aufgabe auf die Grün-Weißen.
Trotz der Enttäuschung über die Niederlage brachte die Partie auf Schalke doch auch Positives mit sich – vor allem in Form von zwei Debüts. Eigengewächs Elvis Rexhbecaj (im Bild oben) glich zum zwischenzeitlichen 1:1 aus und markierte sein erstes Bundesligator. Für den 21-Jährigen war es der vorläufige Höhepunkt eines steilen Aufstiegs: Noch im Spätsommer war Rexhbecaj für die Regionalliga-Mannschaft aufgelaufen, im Verlauf der Hinrunde hatte er sich aber einen Stammplatz im zentralen Mittelfeld der ersten Mannschaft erkämpft und war zu einer der positiven Erscheinungen bei den Wölfen geworden. Zu einer solchen will sich nun auch der zweite Debütant aus dem Schalke-Spiel aufschwingen: Flügelmann Felix Klaus war zwar schon im vergangenen Sommer aus Hannover nach Wolfsburg gewechselt, verletzte sich aber direkt zu Beginn der Vorbereitung am Schambein, musste operiert werden und fiel fast die komplette Hinrunde aus. Auf Schalke reichte es immerhin zu einem Joker-Einsatz über sechs Minuten – seine ersten in einem Pflichtspiel im VfL-Trikot. „Es ist geil, wieder auf der Wiese zu stehen“, berichtete Klaus trotz Niederlage anschließend. Dass Labbadia den Offensivspieler gegen die Werkself von Beginn an bringt, erscheint allerdings eher unwahrscheinlich. Zurzeit haben auf den offensiven Außen andere Spieler wie die beiden Schweizer Renato Steffen und Admir Mehmedi (von 2015 bis 2018 bei Bayer 04) die Nase vorn. Als Einwechselspieler kann Klaus mit seinem Tempo und seiner Zielstrebigkeit aber in jedem Fall eine gefährliche Option werden.
Die Winter-Vorbereitung hielt eine echte Hiobsbotschaft für den VfL parat. Im Testspiel gegen den kroatischen Klub HNK Rijeka musste Angreifer Daniel Ginczek verletzt vom Feld – und die ersten Befürchtungen bestätigten sich: Sprunggelenksverletzung, mindestens zweieinhalb Monate Pause. Bitter nicht nur für den hochveranlagten, aber in der Vergangenheit immer wieder von Verletzungen geplagten Ginczek, sondern auch für die ganze Mannschaft: Vor allem in der Endphase der Hinrunde hatte der 27-Jährige geglänzt, insgesamt fünf Tore und drei Vorlagen zur gelungenen Halbserie beigetragen. Länger fehlen wird dem VfL auch noch Abräumer Ignacio Camacho. Der Spanier war bereits im Oktober am Sprunggelenk operiert worden und muss jetzt erneut unters Messer. Noch fraglich ist der Einsatz von Kapitän Joshua Guilavogui, der auf Schalke mit einer Zerrung aussetzen musste.
Im Mai feiert der VfL das zehnjährige Jubiläum seiner ersten und bislang einzigen Deutschen Meisterschaft. Erinnerungen daran wurden in Wolfsburg spätestens wach, als der mittlerweile 39-jährige Grafite, in der Meistersaison mit 28 Treffern Torschützenkönig, seinem Ex-Klub in der Winterpause einen Besuch abstattete. Vom damaligen Glanz um das Trio Grafite/Dzeko/Misimovic ist der Verein derzeit zwar ein Stück entfernt, gleichzeitig veranschaulicht der Triumph von 2009 sowie der DFB-Pokalsieg 2015, was in Wolfsburg aufgrund der Gegebenheiten nach wie vor möglich ist, wenn die Personalpolitik stimmt. Aktuell befindet sich der Verein nach Jahren der Rückschläge jedenfalls wieder auf einem hervorragenden Weg, an erfolgreichere Zeiten anzuknüpfen.
Der Ausfall von Ginczek raubt dem VfL eine wichtige Waffe. Wenn Wout Weghorst, der einzig verbliebene Stoßstürmer im Kader, an seine Produktivität aus der Hinrunde (sechs Tore) anknüpfen kann und auch Rückkehrer Klaus früher oder später zur erhofften offensiven Verstärkung wird, stehen die Chancen dennoch gut, dass die Wölfe in der kommenden Saison erstmals seit dem Champions-League-Viertelfinale gegen Real Madrid 2016 wieder die internationale Bühne betreten dürfen. Ob es am Ende reicht, wird wohl auch davon abhängen, ob Labbadias Elf in den Heimspielen konstanter auftreten und punkten kann als noch in der Hinrunde (nur zwölf Punkte aus neun Spielen).

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