
Deutlich ausgeruhter dürfte Fortuna Düsseldorf in jedem Fall in die Partie gehen. Während Bayer 04 noch am Sonntag nach anstrengender Rückreise aus Rasgrad gegen Mainz 05 antreten musste, bestritt der Aufsteiger seine Bundesligapartie bereits am Freitagabend beim VfB Stuttgart – und hätte den zweiten Sieg in Folge durchaus verdient gehabt. Vor allem eine starke Leistung von VfB-Keeper Ron-Robert Zieler verhinderte am Ende den ersten Auswärtsdreier der Fortuna in dieser Saison. Bereits zuvor hatten die Düsseldorfer in der Liga den Topteams die Stirn geboten: Champions-League-Teilnehmer Hoffenheim wurde mit 2:1 geschlagen, auswärts bei RB Leipzig holte die Elf von Friedhelm Funkel (oben im Bild) dank einer starken Leistung ein 1:1. Der Lohn für bislang couragierte Auftritte des Aufsteigers: fünf Punkte und Platz neun trotz anspruchsvollem Auftaktprogramm. Auch im Pokal gab sich F95 keine Blöße: Mit 5:0 bei Rot-Weiß Koblenz zog das Team in die 2. Runde ein, wo nun das Überraschungsteam aus Ulm wartet.
Die Mannschaft, die im vergangenen Jahr eindrucksvoll als Zweitliga-Meister ins Oberhaus marschierte, konnte die Fortuna größtenteils zusammenhalten. Schmerzhaft, aber bereits frühzeitig einkalkuliert waren die Abgänge der Leihspieler Florian Neuhaus und Genki Haraguchi. Dafür holte Düsseldorf einige Akteure aus der zweiten Reihe von Bundesliga-Teams wie Matthias Zimmermann aus Stuttgart oder Kenan Karaman aus Hannover und verstärkte sich außerdem mit Spielern, die im vergangenen Jahr in der 2. Bundesliga überzeugt hatten, allen voran den letztjährigen Torschützenkönig Marvin Ducksch. Große Hoffnungen setzen die Verantwortlichen aber auch in Außenbahnspieler Dodi Lukebakio, der für ein Jahr vom Premier-League-Klub FC Watford ausgeliehen wurde und mit gerade einmal 20 Jahren beim Sieg über Hoffenheim schon Verantwortung übernahm und den entscheidenden Treffer vom Elfmeterpunkt aus erzielte. Zuletzt blieb für Lukebakio trotzdem nur die Joker-Rolle – auch, weil Trainer Friedhelm Funkel zu großen Teilen seiner Aufstiegsmannschaft vertraute. Gut möglich aber, dass der 64-Jährige in der englischen Woche rotieren wird, und Spieler wie Lukebakio ihre Chance von Beginn an erhalten. Funkel zeigte sich zuletzt auch taktisch flexibel, ließ sein Team je nach Gegner mit Dreier- oder Viererkette antreten. Man darf also gespannt sein, was sich der Trainer-Routinier in seinem 462. Bundesligaspiel an der Seitenlinie gegen die Werkself einfallen lässt.
Die Fortuna macht es den gegnerischen Teams bislang vor allen Dingen durch ihre Zweikampfstärke schwierig und kommt nach Balleroberungen immer wieder in gefährliche Umschaltsituationen. Das Manko: Diese Konter spielt Düsseldorfs Offensive bislang häufig unsauber zu Ende. Vor allem die beiden Stürmer Marvin Ducksch und Rouven Hennings kommen häufig nicht in Abschlusssituationen. Die Konsequenz: Alle vier bisherigen Ligatore erzielten Mittelfeldakteure. Sowohl Ducksch als auch Hennings haben ihr Können in der 2. Liga zwar schon hinlänglich unter Beweis gestellt, kommen gemeinsam in der Bundesliga aber auf gerade einmal 2 Treffer in 39 Spielen. In der laufenden Saison wirkte auch Torhüter Michael Rensing, der in der Saison 2012/13 vier Pflichtspieleinsätze für Bayer 04 absolvierte, nicht immer sicher.
Nach dem kurzen Bundesliga-Intermezzo 2012/13 will sich Fortuna Düsseldorf diesmal länger im deutschen Oberhaus halten. Nachdem der Traditionsklub die 2000er Jahre hauptsächlich in der Regionalliga und Oberliga verbrachte, haben die Verantwortlichen es geschafft, in der 2. Liga ein wirtschaftlich solides Fundament zu errichten, das reicht, um sich langfristig unter den besten 25 Vereinen Deutschlands zu etablieren. Aktueller Fixpunkt ist Trainer Friedhelm Funkel, der mit seiner Ruhe und Erfahrung eine positive Wirkung auf den gesamten Verein hat. Dennoch: Allzu große Sprünge sind von der Fortuna noch nicht zu erwarten, talentierte Jungprofis kann Düsseldorf bislang beispielsweise nur durch Leihen an den Rhein locken.
Der Saisonstart macht große Hoffnungen auf den Klassenerhalt, weckt aber auch Erinnerungen an die letzte Bundesligaspielzeit: 2012 war Düsseldorf in den ersten sechs Saisonspielen ungeschlagen geblieben, in den ersten fünf hatte die Fortuna nicht einmal ein Gegentor hinnehmen müssen. Nach einer Niederlagenserie zum Ende der Saisons trat F95 dennoch den Weg zurück in die Zweitklassigkeit an. Die Hoffnung, dass dieser Schritt in diesem Jahr verhindert wird, nährt einerseits die höhere Qualität des Kaders, andererseits auch die bislang sehr reife Spielanlage unter Funkel. Sollte Düsseldorf diese auch im Duell gegen direkte Konkurrenten an den Tag legen, stehen die Chancen gut, dass die Fortuna in diesem Jahr drei Mannschaften hinter sich lässt.



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