
Etwas über einen Monat ist es erst her, da stand RB Leipzig im Halbfinale der Champions League – der bislang größte Erfolg der noch jungen Vereinsgeschichte. Doch viel Zeit, die starke Saison zu resümieren, blieb nicht. Nur 25 Tage nach dem 0:3 gegen Paris Saint-Germain stand für die Sachsen schon wieder ein Pflichtspiel auf dem Programm – in einer neuen Spielzeit. Das DFB-Pokalspiel beim Zweitligisten 1. FC Nürnberg gewann RB souverän mit 3:0 – und auch zum Bundesliga-Auftakt gab sich das Spitzenteam keine Blöße. Nach einer dominanten Vorstellung hieß es 3:1 gegen den FSV Mainz 05 – eine Leistung, die die großen Ambitionen der Elf von Julian Nagelsmann untermauerte. „So motiviert, wie wir heute aufgetreten sind, sind wir wieder bereit, ganz oben in der Tabelle mitzuspielen“, erklärte Spielgestalter Emil Forsberg selbstbewusst. Es ist auch der klar definierte Anspruch eines Vereins, der erst vor einigen Tagen nur ein Spiel entfernt vom Champions-League-Finale war.
„In der Liste der schwierigen Transfers ist das einer, der relativ weit oben landen wird“, meinte Sportdirektor Markus Krösche. Doch am Dienstag konnte RB Leipzig Vollzug vermelden: Alexander Sörloth hat bei RB Leipzig einen Vertrag bis 2025 unterschrieben. Der 1,95 Meter große Mittelstürmer kommt mit der Empfehlung von 24 Toren aus 34 Ligaspielen für den türkischen Erstligisten Trabzonspor und galt als europaweit begehrter Angreifer. Ob der Norweger gegen die Werkself allerdings gleich von Beginn an stürmen darf, ist wenige Tage nach dem Wechsel eher fraglich, eine Joker-Rolle realistisch. Sollte Sörloth in der BayArena gleich auflaufen, könnte er dabei auf seinen Vorgänger im Leipziger Sturmzentrum treffen: Den Platz als klassischer Mittelstürmer besetzte bei RB in der vergangenen Saison Patrik Schick, der nun für die Werkself stürmt.
Neu in Leipzig ist außer Sörloth auch ein alter Bekannter: Benjamin Henrichs wechselte im Juli zunächst auf Leihbasis zu den Sachsen, wurde in den beiden bisherigen Pflichtspielen jeweils eingewechselt. Das Leverkusener Eigengewächs durchlief ab der U8 alle Nachwuchsmannschaften am Kurtekotten, absolvierte für die Profimannschaft 76 Pflichtspiele und reifte bei der Werkself zum Nationalspieler. Nun trifft er erstmals auf den Verein, bei dem er insgesamt 14 Jahre verbracht hat. Dritter namhafter Sommer-Neuzugang ist Hee-chan Hwang, der aus Salzburg kam und beim Pokalspiel gegen Nürnberg gleich ein Tor und eine Vorlage beisteuerte.
Definitiv verzichten muss RB-Coach Julian Nagelsmann gegen die Werkself auf drei Spieler: Der Österreicher Konrad Laimer, in der Vorsaison ein enorm wichtiger Akteur für die Balance im Spiel, fehlt nach einer Knie-OP. Marcel Sabitzer zog sich einen Muskelfaserriss zu. Und auch für Innenverteidiger Ibrahima Konaté kommt die Partie nach einer langwierigen Hüftverletzung noch zu früh.
Das RB-Konzept: In den vergangenen Jahren haben im Verein sehr viele Menschen einen ausgezeichneten Job gemacht. Leipzig hat zahlreiche vielversprechende Talente an Land gezogen, dazu eine einheitliche Spielphilosophie implementiert, die Ralf Rangnick bereits weiterentwickelt hat und nun von Julian Nagelsmann, einem der vielversprechendsten jungen Trainer weltweit, auf ein neues Level gehoben wurde. Vom Scouting über die weltweit vernetzte Infrastruktur bis hin zur Taktik der Profis: Bei RB greift ein Rädchen ins andere. Der Lohn: das Champions-League-Halbfinale im August. Es könnte erst der Anfang gewesen sein.
Einen Timo Werner ersetzt man nicht im Vorbeigehen. Ganze 28 Tore erzielte der Nationalstürmer in der abgelaufenen Bundesliga-Saison, ehe es ihn – wie Kai Havertz – zum FC Chelsea zog. Da auch Patrik Schick (zehn Bundesligatore in nur 22 Spielen) nun für die Werkself stürmt, fehlen RB damit die beiden treffsichersten Spieler der vergangenen Saison. Schicks Abgang soll nun wohl durch Sörloth aufgefangen werden – aber Werner? „Wir haben Hee-chan Hwang geholt, können Timo aber natürlich nicht eins zu eins ersetzen“, sagte Nagelsmann im August der „Sport Bild“. „Wir müssen seine Scorerpunkte auf mehrere Schultern verteilen.“ Alles andere als eine leichte Aufgabe für den RB-Coach. Fest steht: Mit Werners Tempo und Dynamik bei Kontern fehlt Leipzig künftig ein wichtiges Element des Offensivspiels.
Der große Angriff auf die Bayern wird angesichts der Dominanz des Rekordmeisters sowie des Werner-Abgangs für Leipzig wohl schwer zu realisieren sein. Doch die Qualität der Mannschaft ist noch immer extrem hoch. Auch in der Champions League ist RB ein ähnlicher Lauf wie in der vergangenen Saison zuzutrauen – und in der Liga dürfte eine Position unter den ersten drei erneut realistisch sein.


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