
Nach dem unglücklichen 2:3 gegen den 1. FSV Mainz 05 ging es schnell beim 1. FC Köln. Noch am selben Abend wurde die Zusammenarbeit mit Trainer Markus Gisdol beendet, schon am Montag stand in Friedhelm Funkel sein Nachfolger bereit. Mit Routine und Erfahrung zum Klassenerhalt – so lautet nun also die Devise am Geißbockheim. Denn davon bringt Funkel vermutlich mehr mit als jeder andere noch aktive Coach in Deutschland. Wobei: Eigentlich hatte Funkel seine Trainer-Karriere Anfang 2020 nach dem Ende bei Fortuna Düsseldorf für beendet erklärt. Doch den Ruhestand hatte er sich anders vorgestellt, die Pandemie schlug zu – und der mittlerweile 67-Jährige ist zurück in der Bundesliga. Zumindest für sechs Spiele.
In denen soll Funkel nun noch den Klassenerhalt schaffen, mit einer Mannschaft, die keines der vergangenen acht Spiele gewinnen konnte und durch die Niederlage gegen Mainz zum zweiten Mal in dieser Saison auf einen direkten Abstiegsplatz gerutscht ist. „Es ist wichtig, Ruhe zu bewahren und vertrauensvoll mit der Mannschaft zu arbeiten“, machte Funkel bei seinem Amtsantritt am Montag klar. Dem Team könne er in dieser schwierigen Phase nun „Sicherheit mitgeben“. Und wem, wenn nicht Funkel nimmt man dies ab? Das Derby gegen die Werkself wird sein 511. Spiel als Bundesliga-Trainer sein, nur fünf Coaches leiteten mehr Spiele im deutschen Oberhaus. Außerdem schließt sich für Funkel ein kleiner Kreis: Denn sein bislang letztes Bundesliga-Spiel absolvierte er im Januar 2020 mit Düsseldorf gegen – genau – Bayer 04.
Funkel übernimmt den FC zu einem zumindest personell nicht ungünstigen Zeitpunkt. Denn das Lazarett, das Vorgänger Gisdol lange Zeit durch die Saison schleppen musste, hat sich zuletzt gelichtet. So feierten Sebastian Andersson und Florian Kainz gegen Mainz jeweils nach längerer Verletzungspause ihr Startelf-Comeback und gehörten direkt zu den auffälligsten Offensivspielern. Stoßstürmer Andersson war zuvor über drei Monate lang mit einer Knieverletzung ausgefallen und bringt nun endlich wieder die Präsenz eines echten Mittelstürmers ins Spiel der Kölner, die ohne ihn häufig mit „falscher Neun“ angetreten waren. Für Außenbahnspieler Kainz war es sogar der erste Startelf-Einsatz in der kompletten Saison. Der Österreicher hatte nach einer Knie-OP neun Monate nicht auf dem Feld stehen können und war mit seinem Tempo schmerzlich vermisst worden.
In Innenverteidiger Sebastiaan Bornauw kehrte gegen Mainz noch eine weitere wichtige Stütze des Teams zurück – wenn auch nur als Einwechselspieler. Der Belgier, der mit einer komplizierten Rückenverletzung rund zweieinhalb Monate ausfiel, könnte aber unter Umständen gegen die Werkself eine Option von Beginn an sein. Somit fehlt Funkel nur ein echter Stammspieler: Kreativposten Ondrej Duda sah gegen Mainz die 5. Gelbe Karte in dieser Saison und muss gesperrt zuschauen. Zudem verletzte sich am Montag Außenbahnspieler Ismail Jakobs. Der U21-Nationalspieler zog sich eine Bänderverletzung zu und muss am Wochenende auf jeden Fall zuschauen.
Das defensive Mittelfeld ist in dieser Saison der wohl stärkste Mannschaftsteil. An Jonas Hector und Ellyes Skhiri liegt es jedenfalls eher weniger, dass die Kölner da stehen, wo sie aktuell stehen. Hector ist als Kapitän und langjähriger Nationalspieler mit seiner Erfahrung und Spielübersicht unverzichtbar für den FC, Nebenmann Skhiri hat sich in der Bundesliga bereits den Ruf als Laufwunder erarbeitet. Der tunesische Nationalspieler hat unter allen Spielern in dieser Saison die mit Abstand größte Distanz zurückgelegt. Im Durchschnitt kommt er sogar auf einen schier unfassbaren Wert von 12,89 Kilometer pro Spiel. Zudem ist Skhiri vor allem nach Standardsituationen brandgefährlich, erzielte in dieser Saison bereits fünf Treffer und ist damit geteilt bester Torschütze der Kölner. Auch beim 2:3 gegen Mainz war er per Kopf erfolgreich – auf Freistoßvorlage von Nebenmann Hector.
Gerade ohne Duda wird Köln womöglich das kreative Element im Offensivspiel fehlen – so wie es bereits beim Aufeinandertreffen in der Hinrunde der Fall war. Auch da musste der Slowake mit einer Sperre passen, und der FC spielte sich beim fulminanten 4:0-Sieg der Werkself kaum Chancen aus dem Spiel heraus. Mit fünf Toren ist Duda nicht nur gemeinsam mit Skhiri und Elvis Rexhbecaj bester Torschütze im Kader, sondern mit fünf Vorlagen auch der beste Vorbereiter des Teams. Den Ideengeber zu ersetzen, könnte eine unangenehme Aufgabe werden, zumal Köln ohnehin schon die drittwenigsten Tore ligaweit auf dem Konto hat. Ebenfalls problematisch für eine Mannschaft, die tendenziell eher wenig Ballbesitz hat: Als einziges Team der Bundesliga hat der 1. FC Köln noch kein Tor nach einem Umschaltmoment erzielt.
Die Installation Funkels macht aus Kölner Sicht durchaus Sinn. Der Trainer-Routinier verschafft dem Team einen Erfahrungsvorteil in Sachen Abstiegskampf, schließlich hat er diesen schon häufiger erfolgreich bestritten. Dass es auch dieses Mal wieder so kommt, ist trotz der drei Punkte Rückstand auf Platz 16 alles andere als ausgeschlossen. Bereits in den vergangenen drei Partien unter Gisdol zeigte Köln eine aufsteigende Tendenz und gute Leistungen – auch wenn die Ergebnisse ausgeblieben sind. Durch die Rückkehrer Bornauw, Kainz und Andersson hat Funkel nun außerdem noch mehr Qualität zur Verfügung. Keine schlechten Voraussetzungen für eine Wende, aber auch keine Garantie. Jedem am Geißbockheim ist klar: Das wird ein hartes Stück Arbeit in den nächsten Wochen.

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