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29.08.2025Bundesliga

Gegner-Check: Werders schwieriger Start mit vielen Rückschlägen

Der SV Werder Bremen musste nach dem Pokal-Aus beim DSC Arminia Bielefeld auch zum Bundesliga-Auftakt bei Eintracht Frankfurt eine Niederlage einstecken. Vor ihrem ersten Heimspiel gegen die Werkself am Samstag, 30. August (Anstoß: 15.30 Uhr/live in der Konferenz bei DAZN und im Einzelspiel bei Sky Sport sowie WOW), sind bei den Grün-Weißen nun auch die personellen Nöte noch größer geworden. Der Gegner-Check.
Horst Steffen

Position

Keine Frage: Den Saisonstart haben sie sich an der Weser ganz anders vorgestellt. Raus im Pokal, eine deutliche Niederlage zum Bundesliga-Auftakt – für den SV Werder Bremen ging‘s unter seinem neuen Trainer Horst Steffen mit Enttäuschungen los. „Es läuft vieles nicht in die richtige Richtung“, bekannte Kapitän Marco Friedl nach dem 1:4 in Frankfurt ohne Umschweife. Es ist gleich ordentlich Druck auf dem Kessel bei den Grün-Weißen. Denn schon in der Vorbereitung taten sich die Werderaner in den Testspielen schwer, verloren je zweimal gegen die TSG Hoffenheim (0:1; 0:3) und Udinese Calcio aus Italien (0:1; 1:2). Und einen Tag nach dem 0:1 in der ersten Pokalrunde bei Zweitligist Bielefeld musste sich der SVW auch in einem letzten Test dem VfL Osnabrück 1:2 geschlagen geben.

Das Ausscheiden bei der Arminia war ein Déjà-vu-Erlebnis für die Bremer, die auch in der vergangenen Saison auf der Alm beim späteren Pokalfinalisten die Segel hatten streichen müssen. Dabei hatte Werder bis zum Platzverweis von Leonardo Bittencourt (54.) eine gute Partie gezeigt und durch Marco Grüll, Justin Njinmah und Felix Agu einige Hochkaräter vergeben. In Unterzahl sahen sich die Gäste aber zunehmend stärker werdenden Bielefeldern gegenüber, die in der Nachspielzeit noch den Lucky Punch setzen konnten.

Weniger ausgeglichen gestaltete sich am vergangenen Wochenende die Partie bei Eintracht Frankfurt. Die Hessen dominierten das Spiel gegen den SVW, der offensiv wenig Gefahr ausstrahlte und in der Defensive fehleranfällig war. „Wir haben die Angriffe ordentlich vorbereitet, dann am Strafraum aber die Finten, den Pass oder den Schuss nicht angebracht, weil wir in der Entscheidungsfindung nicht gut waren“, resümierte Steffen nach dem 1:4. Nach dem zwischenzeitlichen 0:3 sorgte Justin Njinmah mit seinem Treffer zwar noch einmal für etwas Hoffnung und eine kurze Druckphase der Gäste. Die SGE machte aber schließlich mit dem Tor zum Endstand den Deckel drauf. Bremens Mittelfeldspieler Senne Lynen sagte schon mit Blick auf den Heimauftakt seiner Mannschaft gegen die Werkself am 2. Spieltag: „Wir wissen, dass alles etwas besser werden muss.“

Personal

In Bielefeld hatte er noch das Tor des SVW gehütet, eine Woche später waren seine ehemaligen Mannschaftskollegen die ersten Gegner: Michael Zetterer, der insgesamt zehn Jahre bei Werder aktiv war, stand nun für Eintracht Frankfurt zwischen den Pfosten, während Bremens bisherige Nummer 2, der 21 Jahre alte Mio Backhaus, sein Bundesliga-Debüt für die Grün-Weißen gab. Bei den vier Gegentoren war der gebürtige Mönchengladbacher machtlos. Die spezielle Konstellation sei eine herausfordernde Situation für Backhaus gewesen, sagte Steffen nach der Partie und lobte seine neue Nummer 1: „Ich finde, er hat das ganz cool und souverän gemacht.“ Auch für Steffen selbst war es der erste Auftritt als Werder-Coach in Deutschlands höchster Spielklasse. Der 56 Jahre alte ehemalige Profi, der 207 Bundesligaspiele für den MSV Duisburg, KFC Uerdingen 05 und Borussia Mönchengladbach bestritt, hatte als Trainer in den vergangenen sechseinhalb Jahren die SV 07 Elversberg von der Regionalliga Südwest bis in die 2. Bundesliga geführt. Zuletzt wäre ihm mit den Saarländern fast der Aufstieg in die Bundesliga gelungen – in der Relegation scheiterten sie am 1. FC Heidenheim 1846.

In Bremen sieht sich Steffen nun gleich mit großen personellen Herausforderungen konfrontiert. Neben Zetterer hatten zuvor bereits die Offensivkräfte Marvin Ducksch und Oliver Burke den SVW verlassen. Ducksch wechselte zum englischen Zweitligisten Birmingham City. Der 31-Jährige war in der vergangenen Saison mit acht Treffern und neun Assists bester Scorer der Bremer. Sein ehemaliger Stürmerkollege Burke geht neuerdings für den Liga-Konkurrenten 1. FC Union Berlin auf Torejagd. Die Lücke, die die beiden hinterlassen haben, soll unter anderem der von Juventus Turin verpflichtete Neuzugang Samuel Mbangula schließen. Die Hoffnungen in der Offensive liegen aber auch auf Justin Njinmah, Marco Grüll und Keke Topp, die in der Vorsaison ihre Qualitäten unter Beweis stellen konnten. Letzteres gilt umso mehr für Jens Stage und Mitchell Weiser. Allerdings stehen die beiden Leistungsträger, die 2024/25 nach Ducksch die besten Scorer bei Werder waren, aktuell nicht zur Verfügung. Weiser zog sich in der Vorbereitung einen Kreuzbandriss im rechten Knie zu und wird monatelang fehlen. Jens Stage macht zwar auf dem Weg zum Comeback Fortschritte, gegen Bayer 04 wird der Däne nach seiner Fußverletzung aber noch nicht wieder einsatzbereit sein.

Langfristig ausfallen wird zudem Abwehrspieler Olivier Deman. Der Linksverteidiger erlitt im Training einen Bruch des Außenknöchels. Bereits zuvor hatte sich Defensivkollege und Neuzugang Maximilian Wöber (Leeds United/England) beim Pokal-Aus in Bielefeld eine muskuläre Verletzung im rechten Oberschenkel zugezogen. Auch Innenverteidiger Amos Pieper steht wegen einer Hüftverletzung erst einmal nicht zur Verfügung. Angesichts der personellen Notlage reagierte Werder und gab am vergangenen Dienstag die Verpflichtung von Yukinari Sugawara bekannt. Der 25 Jahre alte japanische Nationalspieler wurde vom englischen Zweitligisten FC Southampton für ein Jahr ausgeliehen. Rechtsverteidiger Sugawara hatte zuvor einige Jahre beim AZ Alkmaar in den Niederlanden gespielt und war dort Teamkollege von Bayer 04-Neuzugang Ernest Poku. Dennoch bleibt die personelle Situation am Osterdeich angespannt. Denn auch Kapitän Marco Friedl (Innenbandläsion im Knie) und Julian Malatini (Bänderverletzung im Sprunggelenk) werden möglicherweise für die Partie gegen die Werkself ausfallen.

Probleme

„Wir müssen derzeit Rückschläge wegstecken, werden aber auch in dieser Woche die Mannschaft gut vorbereiten, um gegen Leverkusen bei unserer Heimpremiere ein gutes Ergebnis zu erzielen“, sagte Horst Steffen im Vorfeld des Spiels. Vor allem in der Defensive musste der Werder-Coach sein Team angesichts der Verletztenmisere stark umbauen – und muss dies weiterhin tun. Kein Wunder, dass die Abwehr noch nicht eingespielt ist und zuletzt wenig sattelfest war. Aber auch im Angriff drückt noch der Schuh. Die Chancenverwertung lässt zu wünschen übrig. Torjäger wie einst Nick Woltemade, Niclas Füllkrug und Marvin Ducksch sind derzeit nicht in Sicht an der Weser. In den vergangenen acht Spielen gelangen den Grün-Weißen nur drei Treffer – bei 14 Gegentoren.

Prunkstück

Wie sein Vorgänger Ole Werner setzt auch Horst Steffen auf Ballbesitz-Fußball. Viele kurze Pässe, Spiel in die Tiefe, Gegenpressing und schnelles Umschalten: Der neue Cheftrainer will mit seinem Team „Begeisterung entfachen, Einsatz und Gemeinschaft zeigen“. Die Mannschaft solle „das Gefühl von Teamgeist, totaler Lust und Freude transportieren“, so Steffen. Seine Elversberger stellten in der vergangenen Saison die zweitbeste Defensive und ebenso die zweitbeste Offensive in der 2. Bundesliga. Die richtige Balance will Steffen auch beim SV Werder Bremen schnellstmöglich herstellen. Angesichts der personellen Situation wird dies aber wohl noch seine Zeit brauchen.

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