
Neben dem FC Bayern München ist der 1. FC Köln aktuell die einzige Mannschaft in der Bundesliga, die eine Serie von fünf Spielen ohne Niederlage aufweisen kann. Unter René Wagner holte der FC in vergangenen drei Partien fünf Punkte. Der ehemalige Assistent von Lukas Kwasniok übernahm vor vier Wochen dessen Nachfolge als Trainer der Profis. Und Wagner scheint das Team zu stabilisieren. Zuletzt brachten die Kölner ein 1:1 vom FC St. Pauli mit nach Hause. Luca Waldschmidt konnte kurz vor Schluss per Elfmeter ausgleichen. „Ein wichtiger Punkt für uns“, sagte Geschäftsführer Thomas Kessler. „Wenn man ehrlich ist, hatten wir über 90 Minuten nicht mehr verdient.“ Auch Torhüter und Kapitän Marvin Schwäbe, bester Kölner in Hamburg, betonte: „Der Punkt ist unfassbar viel wert. Wenn man beim Rückstand auf die Tabelle geschaut hätte, hätte es gar nicht mehr so gut ausgesehen.“ So aber hat der FC als Tabellenzwölfter im Kampf um den Klassenerhalt vier Spieltage vor Saisonultimo sieben Punkte Vorsprung auf einen direkten Abstiegsrang und fünf auf den Relegationsplatz. Zudem haben die Kölner von allen Teams im Tabellenkeller das beste Torverhältnis.
Dem neuen Coach bescheinigt Thomas Kessler gute Arbeit in den vergangenen Wochen. Die Intensität im Training sei noch einmal spürbar höher. Kessler: „Das sind Kleinigkeiten, die ich mir durch den Wechsel erhofft habe, und es ist schön, dass wir keines der drei Duelle verloren haben. Das sind genau die kleinen Schritte, die wir benötigen, damit wir nächstes Jahr wieder in der Bundesliga spielen.“ Stürmer Luca Waldschmidt lobt den 37 Jahre alten Wagner ebenfalls: „Er macht es gut, auch in der Ansprache mit der Mannschaft. Er kriegt uns gut gepackt und vermittelt die Inhalte gut. Das kommt bei uns an.“
Leverkusen, Union Berlin, Heidenheim und zum Abschluss das Auswärtsspiel beim alten und neuen Deutschen Meister FC Bayern – so sieht das Restprogramm der Kölner aus. Frühestens am 32. Spieltag bei der Partie im Stadion An der Alten Försterei könnte der FC den direkten Klassenerhalt perfekt machen. Wenn es schlecht läuft, könnte es allerdings auch ein Finale beim FC Bayern geben. Und das gilt es aus Kölner Sicht natürlich tunlichst zu vermeiden.
Im Saisonendspurt müssen die Kölner voraussichtlich auf Stürmer Ragnar Ache verzichten. Der 27-Jährige zog sich am zurückliegenden Wochenende beim Duell mit den Kiezkickern eine Muskelverletzung zu. Am Samstag fällt Ache definitiv aus. Auch die beiden langzeitverletzten Innenverteidiger Timo Hübers (Reha nach Knieverletzung) und Luca Kilian (Reha nach Kreuzbandriss) stehen nicht zur Verfügung. Auf dieser Position vertraute Wagner in den vergangenen beiden Partien auf zwei Leihspieler. Cenk Özkacar war bereits im vergangenen Sommer vom FC Valencia an den Rhein gewechselt, auf den 25 Jahre alten Türken hat der FC eine Kaufoption. Seinen fünf Jahre jüngeren Innenverteidiger-Kollegen Jahmai Simpson-Pusey verpflichtete Köln im Januar dieses Jahres von Manchester City. Dort spielte der gebürtige Engländer in der U21, war aber auch schon einige Male unter Pep Guardiola bei den Profis zum Einsatz gekommen.
Als rechter Außenverteidiger dürfte wie zuletzt Sebastian Sebulonsen auflaufen. Auf der linken Seite stehen Kristoffer Lund und Alessio Castro-Montes bereit. Im zentralen Mittelfeld setzte Wagner beim Remis auf St. Pauli sowie zuvor beim 3:1-Sieg gegen den SV Werder Bremen auf das Duo Eric Martel und Isak Johannesson, flankiert auf den Außenpositionen von Jakub Kaminski und Jan Thielmann. Für Letzteren könnte auch Linton Maina auflaufen. Kaminski hingegen ist neben Torhüter Marvin Schwäbe der einzige Kölner, der bislang in allen 30 Ligaspielen in der Startformation stand. Die Leihgabe des VfL Wolfsburg verpasste in der laufenden Saison nur 21 Bundesliga-Minuten. Vorne ist FC-Topscorer Said El Mala gesetzt. Anstelle des verletzten Ragnar Ache bieten sich Luca Waldschmidt und Marius Bülter als Optionen an.
Bei Standards gegen sich waren die Kölner in der aktuellen Spielzeit lange höchst verwundbar. Sie kassierten bisher 22 Gegentore nach ruhenden Bällen, fast die Hälfte davon nach Ecken. So traf auch Robert Andrich beim 2:0-Sieg der Werkself in der Hinrunde per Kopf nach einem Eckball. Nur der VfL Wolfsburg ließ noch ein Tor mehr nach einem Standard zu. Aber: In der Rückrunde hat der FC an seiner Schwäche gearbeitet, Schwäbe musste die Kugel nur noch zweimal nach einem Standard aus dem Netz holen. Aus eigenen Situationen nach ruhenden Bällen macht Köln hingegen wenig: Mit elf Treffern nach Standards belegt der rheinische Nachbar nur Platz 15 im Tableau.
Zu den prägenden Figuren im Kölner Spiel zählen Said El Mala und Jakub Kaminski. Unter Wagners Vorgänger Kwasniok kam El Mala häufig nur von der Bank, seine Rolle als Edel-Joker wurde in Köln viel diskutiert. Mit vier Toren und drei Assists ist der Youngster der erfolgreichste Einwechselspieler in dieser Saison. Insgesamt kommt El Mala auf elf Tore und vier Vorlagen. René Wagner brachte den schnellen (35,91 km/h in der Spitze) und dribbelstarken U21-Nationalspieler in den vergangenen drei Partien stets in der Startelf. Kaminski wiederum ist die große Konstante beim „Effzeh“. Der Dauer(b)renner steht immer auf dem Platz (s. oben), produziert die meisten Torschussvorlagen aller Kölner (44), spult ligaweit die viertmeisten Kilometer (342,24) ab und ist mit zwölf Punkten (sieben Tore, fünf Assists) gemeinsam mit Ragnar Ache (ebenfalls 7/5) der zweitbeste FC-Scorer nach El Mala (15 Punkte). Neben diesen offensiven Schlüsselspielern sorgt Eric Martel als Sechser in der Schaltzentrale für die nötige Robustheit. Der 23-Jährige ist mit 275 gewonnenen Zweikämpfen Abräumer und Mann fürs Grobe im Mittelfeld. Dafür sprechen auch seine neun Gelben Karten. Das toppt in der Liga nur HSV-Profi Nicolai Remberg (10).
Zu den Stärken der Kölner zählt das offensive Umschaltspiel. Mit acht Kontertoren gehören sie in diesem Ranking zu den Top 4 der Liga. Nur die Bayern, der HSV und Bayer 04 sind mit schnellem Umschaltspiel noch torgefährlicher. Auch die Comeback-Qualitäten des FC sind beachtlich: Auf St. Pauli holte Köln zum zehnten Mal in dieser Saison nach einem Rückstand noch mindestens einen Punkt. Lediglich den Bayern gelang das noch einmal häufiger. Die Offensive des FC erweist sich immer wieder als durchschlagskräftig. Insgesamt haben die Rot-Weißen bislang 44-mal eingenetzt, 37 Tore davon erzielten die Stürmer und offensiven Außenbahn- und Mittelfeldspieler.

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